Ein Auspuff wird bei E-Fahrzeugen nicht mehr gebraucht. Ende Oktober schließt Michael Wetzel sein Autohaus in Bretten, weil er angesichts der zusehends aufkommenden E-Mobilität für eine klassische Autowerkstatt in Bretten keine Zukunftsperspektive sieht.
Ein Auspuff wird bei E-Fahrzeugen nicht mehr gebraucht. Ende Oktober schließt Michael Wetzel sein Autohaus in Bretten, weil er angesichts der zusehends aufkommenden E-Mobilität für eine klassische Autowerkstatt in Bretten keine Zukunftsperspektive sieht. | Foto: Ebert

Traditionsunternehmen schließt

Brettener Autowerkstatt Wetzel fällt der E-Mobilität zum Opfer

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Ein Vierteljahrhundert hat Michael Wetzel mit seiner Firma in Bretten Autos verkauft und repariert, gewartet und aufgerüstet. Am 31. Oktober ist damit Schluss. Die Werkstatt, die 1905 gegründet wurde, fällt der E-Mobilität zum Opfer.

„Die Entscheidung ist mir sehr, sehr schwer gefallen“, sagt Michael Wetzel. Ein Vierteljahrhundert hat er mit seiner Firma in Bretten Autos verkauft und repariert, gewartet und aufgerüstet. Am 31. Oktober ist damit Schluss. Die Werkstatt fällt der E-Mobilität zum Opfer. Die Verkaufsräume, die Neuwagenpräsentation auf dem Areal an der Kurve und auch die Werkstatt und Lagergebäude werden wohl auf absehbare Zeit komplett verschwinden.

Bei jedem Elektrofahrzeug entfällt der Werkstattumsatz zu einem großen Teil.

Firmenchef Michael Wetzel

Der Wandel zur E-Mobilität ist der Grund dafür, dass Wetzel sein Geschäft beendet. Denn für einen ausreichenden Absatz an Elektrofahrzeugen ist der Markt in Bretten zu klein. „Und bei jedem E-Fahrzeug, das ich verkaufe, entfällt der Werkstattumsatz zu einem großen Teil“, sagt der Kfz-Meister und Firmenchef.

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Mitarbeiter sollen eine Chance auf Neuanfang haben

Kein Ölwechsel, kein neuer Ölfilter, kein Zahnriemenwechsel, kein neuer Auspuff. Und sogar die Bremsen werden bei E-Fahrzeugen kaum verschlissen. Der Kundendienst reduziert sich auf die Überprüfung der Elektronik. Für eine klassische Autowerkstatt, in der geschraubt, repariert und ausgetauscht wird, bietet die Elektromobilität keine Zukunft.

„Und dann ist da noch meine Führungsmannschaft, alle über 50“, sagt der Mittfünfziger. Für die werde es mit jedem Jahr schwieriger, anderswo auf dem Arbeitsmarkt unterzukommen. „Und als in der Politik und bei den Autoherstellern die Entscheidung Richtung E-Mobilität fiel, war mir klar, dass ich keinem einen Gefallen tue, wenn ich die Entscheidung weiter hinausschiebe“, erklärt der Firmenchef.

Am 17. März hat er seine Mitarbeiter über die bevorstehende Schließung informiert, vor einer Wochen auch seine Kunden. Die Händlerverträge mit Opel und Kia enden bereits am 31. Juli, der Werkstattbetrieb läuft noch bis Ende Oktober. Dann ist Schluss.

Mit Nähmaschinen ging es los

1995 kam der in Heidelberg geborene Wetzel als Geschäftsführer zur Firma Veit nach Bretten, im März 1999 übernahm er den Betrieb, der damals bereits eine lange Geschichte hatte. Denn bereits anno 1905 gründete Simon Veit in Bretten eine Fahrrad-, Nähmaschinen- und Kinderwagenhandlung. Er war nicht nur der erste Autobesitzer im Kraichgau, sondern übernahm auch bald die Vertretung der Opel-Werke. Auch Motorrad-Klassiker der Firmen Adler und NSU waren im ersten Geschäft in der Pforzheimer Straße und später auch in der Melanchthonstraße zu haben.

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Den von Opel in den 90er Jahren geforderten Neubau wollte die Familie Veit allerdings nicht mehr anpacken. Zum Jahresende 1999 verkaufte sie das Geschäft an Michael Wetzel, der anfangs noch einen Motorradhandel mit übernahm und als Mieter ein Reisebüro und ein Videocenter ins Haus holte.

2004 kam zu Opel die Vertretung der Marke Kia hinzu, das Motorradgeschäfte wurde wieder eingestellt. Seit 2004 verfügt Michael Wetzel mit einem Outlet in Gondelsheim über ein drittes Standbein. Auf einem Areal am Kreisel am Ortsausgang Richtung Bretten unterhält er bis dato einen Präsentationsplatz für Neuwagen oder Tageszulassungen.

Projektentwickler statt Autoverkäufer: Michael Wetzel hat für sein Betriebsareal neue Pläne.
Projektentwickler statt Autoverkäufer: Michael Wetzel hat für sein Betriebsareal neue Pläne. | Foto: Ebert

„Mitte 2019 hatten wir noch 22. Mitarbeiter, derzeit sind es noch zehn“, bekundet der Firmenchef, nur der alte Stamm sei noch da. Doch würden alle anderweitig unterkommen, weiß er zu berichten. Rund 80 Fahrzeuge stehen noch zum Abverkauf auf dem Ausstellungsplatz und in den Verkaufsräumen.

Das ist wie eine kleine Scheidung.

Firmenchef Michael Wetzel

Keinen Hehl macht Wetzel daraus, dass ihm das Herz blutet. „Wenn man sich 25 Jahre lang um die Bedürfnisse der Mitarbeiter und Kunden gekümmert hat, dann fällt es nicht leicht, das alles aufzugeben. Das ist wie eine kleine Scheidung“, beschreibt er seine Gefühlslage. Zumal zu vielen Mitarbeiter und Kunden über die Jahre enge Beziehungen gewachsen sind.

Zentrumsnahes Wohnprojekt geplant

Wie geht es weiter? Zunächst standen die Optionen Nachfolger suchen, vermieten oder verkaufen im Raum. Doch mittlerweile kristallisiert sich eine ganz andere Variante heraus: „Derzeit erwäge ich eine Projektentwicklung auf diesem Grundstück“, sagt Wetzel. Der Bereich sei doch ideal für Stadtwohnungen in Kombination mit Gewerbe.

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Mit der Stadt habe er bereits ein erstes Gespräch geführt und mit Projektentwicklern und Bauträgern Kontakt aufgenommen, berichtet er. Gemeinsam überlege man, was an dieser Stelle entstehen könne. Eine Quartierslösung werde wohl favorisiert. Der Witz an der Geschichte: Bei so einem zentrumsnahen Wohnprojekt sei man ja nicht auf ein Auto angewiesen, sagt der Autohändler.