Talente im Kellergewölbe: Veranstaltungen wie diese Kombisession im März 2019 beim Jazzclub Bretten werden trotz der vorsichtigen Öffnung für Events mit bis zu hundert Personen voraussichtlich noch nicht sofort wieder stattfinden. Über den Sommer gebe es vorerst vorwiegend Freiluft-Angebote. Erst im November kommt Max Mutzke.
Talente im Kellergewölbe: Veranstaltungen wie diese Kombisession im März 2019 beim Jazzclub Bretten werden trotz der vorsichtigen Öffnung für Events mit bis zu hundert Personen voraussichtlich noch nicht sofort wieder stattfinden. Über den Sommer gebe es vorerst vorwiegend Freiluft-Angebote. Erst im November kommt Max Mutzke. | Foto: pr

Wenig große Veranstaltungen

Brettener Kulturszene erwacht aus dem Corona-Koma

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Erwachen aus dem Corona-Koma: Die Kulturszene Bretten freut sich sehr auf Hörer, Gucker, Gäste, auch wenn es kaum sofort Veranstaltungen mit bis zu hundert Personen gebe. Das verlautet vom Gugg-e-Mol-Theater, dem Jazzclub und dem Kunstverein. Überall prägte Improvisation die vergangenen Wochen.

Von einem „bedrückenden Tiefschlaf“ über Wochen spricht Benedikt Forster. Der Vorsitzende des Kunstvereins Bretten fügt an, man erwache sehr froh wieder aus dem Corona-Koma.

Die Ankündigung, vom Montag an wieder für unter hundert Personen Veranstaltungen geben zu dürfen, ändert indessen für den Kunstverein momentan nicht sehr viel und auch nicht in der Brettener Kulturszene. So große Kulturveranstaltungen sind selten und weiterhin gelten für Publikum wie Künstler Abstandsregeln, feste Sitzplätze und die üblichen Hygiene-Regeln.

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Kleine, feine Events gibt es allerdings in Bretten von vielerlei Art. Neben dem Kunstverein streicheln das Gugg-e-mol-Theater oder der Jazzclub die musisch ausgehungerten Seelen gerne alsbald wieder – mit Bedacht.

Proberäume sind Mangelware

Mangels größerer Räume zum Ausweichen stehe man allerdings bereits vor dem Problem, wo proben? Beim Gugg-e-mol-Theater bedauere man, sagt Susanne Merkel, eine der Regisseurinnen, dass das ausverkaufte Kinderstück Momo gecancelt werden musste. Von 13 Vorstellungen des gut besuchten Stücks „Die 3 Bonobos“ wurden nur acht gespielt.

Wir warten natürlich alle darauf, wieder spielen zu dürfen und hoffen, dass uns das Publikum auch gewogen bleibt.

Judith Fritz vom Gugg-e-mol-Theater Bretten

Bis das erforderliche Hygienekonzept für die Wiedereröffnung des Theater-Gewölbes stehe, sagt die Vereinsvorsitzende Judith Fritz, dauere es voraussichtlich noch. Es gehe um die Sicherheit der eigenen Spieler und um die des Publikums. „Wir warten natürlich alle darauf, wieder spielen zu dürfen und hoffen, dass uns das Publikum auch gewogen bleibt“, so Judith Fritz vom Gugg-e-mol-Theater Bretten.

Der Lammkeller muss warten

Hier wie beim Jazzclub Bretten konnte man gekaufte Karten zurückgeben. Aus organisatorischen Gründen wurden noch nicht alle Karten fürs Gugg-e-mol-Theater zurückgegeben. Das werde aber an zwei Terminen im Herbst noch erfolgen, sagt Judith Fritz. Nicht alle Kulturfans wollen die Tickets aber in bare Münze zurücktauschen.

Der Jazzclub Bretten jammt regelmäßig mit Gästen im Lammkeller. Dieser ist ebenfalls ein lauschiges Gewölbe wie das des Gugg-e-mol-Theater, das maximal 50 Personen fasst. In beiden Kellern ist normalerweise also Tuchfühlung angesagt – das lasse man lieber noch.

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Peter Gropp, Vorsitzender des Jazzclub, meint, man setze diesen Sommer auf Freiluft-Konzerte und Online-Sessions. Zu ersteren gehöre bald ein Konzert beim Hohberghaus. Und Online-Sessions bekannter Brettener Jazz-Talente wie etwa Dieter Seitz, Joachim Walter, Heinz Stebe oder Sebastian Säuberlich neben Gropp selbst und Gästen, wie Sängerin Sabine Erdmann, sind auf der Homepage des Jazzclub zu hören. Drei Cover sind in der Mache, das erste soll diese Woche online gehen.

Max Mutzke kommt im November nach Bretten

„Erst mit Max Mutzke kommt am 20. November eine größere Veranstaltung“ sagt Gropp. Das Bernhardushaus mit bis zu 300 Plätzen sei für Mutzke und Marialy Pacheco gebucht. Der finanzielle Schaden durch Corona sei da, halte sich aber im Rahmen. Man hoffe dennoch auf die Spendenaktion der Sparkasse.

Dankbar sei man, dass nicht alle Künstler sich auf ihre Ausfälle beriefen und Absagen im Rahmen blieben. „Wir starten mit kleinen privaten Konzerten wieder in die Saison.“ So sei am Pfingstmontag ein privates Konzert gebucht worden. „Da sitzen unsere Zuhörer auf ihrer eigenen Veranda“, freut sich Gropp.

Theater im lauschigen Keller: Wann es beim Gugg-e-mol wieder Vorstellungen, wie hier „Biedermann und die Brandstifter“ von 2019 gibt, ist offen.
Theater im lauschigen Keller: Wann es beim Gugg-e-mol wieder Vorstellungen, wie hier „Biedermann und die Brandstifter“ von 2019 gibt, ist offen. | Foto: Rebel

Man belebe die Kultur mit Auftritten in Biergärten oder mit dem Musik-Lieferdienst wieder. Damit meint Gropp Ständchen zu diversen Anlässen, buchbar beim Jazzclub. Das Konzert im Amthof allerdings, das stets im Juni stattfinde, sei noch in der Schwebe. Da würde es einfach sehr eng mit der üblichen Besucherzahl.

Wann der Saal im Alten Rathaus wieder genutzt würde, werde man besprechen. Platz hätten dort hundert Leute. „Aber wann es sich rechnet, wenn nur die Hälfte genutzt werden kann, ist von Künstlerkosten und mehr abhängig“, so Gropp. Man hoffe, dass der „Jazz im Grünen“ am 13. September stattfinde. Die Bigband habe mangels Probenmöglichkeiten abgesagt.

Wenn man improvisiert, ist das Leben am besten

Peter Gropp, Vorsitzender des Jazzclub Bretten, zitiert einen unbekannten Jazzer

Die Hilfen des Kulturministeriums für jede Veranstaltung seien also erfreulich. „Das Leben hat viel mit Jazz zu tun. Es ist immer dann am besten, wenn man improvisiert“,  gibt Gropp lachend ein Jazzer-Zitat wieder. „Das tun wir derzeit.“

„Weggefährten“-Künstler kuratieren Künstler

Am 13. Juni schon eröffnet der Kunstverein die neue Ausstellung „Weggefährten“, teilt Forster mit. Laut dem Vorsitzende sei eine Ausstellung ganz entfallen und werde nachgeholt. Aktuell besuchten auch seit zwei Samstagen schon Besucher wieder die „Pas des deux“ von Norbert Neumann-Daikeler & Raimund Vögtle, zu sehen bis 6. Juni.  Je samstags von 10 bis 13 und sonntags 15 bis 17 Uhr öffnet der Beyle Hof, Sporgasse 8.

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Diese Zeiten gelten auch für die neue Ausstellung „Weggefährten“, die am 13. Juni öffnet. Ob es eine Vernissage geben werde, bespreche man noch, sagt Forster angesichts der neuen Verordnung, die ab 1. Juni gelte. Für diese hat sich das Kunstverein-Team Neues einfallen lassen: „Da Michael Schneider leider 2019 verstarb, sollen nun Künstler aus seinem Umfeld Zeitgenossen vorstellen.“ Es gehe gewissermaßen um eine Wertschätzungskette nach dem Motto Künstler kuratieren Künstler.

Voraussetzung beim Besuch des Beylehofs ist das Tragen einer Gesichtsmaske und das Abstandhalten.