Kommentar
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Kommentar von Thilo Kampf

Brettener Stadtgespräch: Die Wahl und die Qual

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Die gute Nachricht: Am Sonntag um 18 Uhr ist der OB-Wahlkampf vorbei. Endlich. Der hatte nämlich zuletzt eine ungute Entwicklung genommen, vor allem aus dem Lager des OB.

Dass Martin Wolff das Amtsblatt, im Prinzip ein Informationsforum, in dem sachlich über städtische Aktivitäten, Neues aus dem Rathaus oder das kulturelle Leben berichtet wird, nutzt, um sich vor der Wahl ins rechte Licht zu rücken, ist nichts Ungewöhnliches. Jüngstes Beispiel: der Aufmacher im Amtsblatt, in dem angeblich in den BNN nicht korrekt wiedergegebene Sachverhalte nochmals in epischer Breite dargestellt werden.

Unabhängig davon, dass die BNN nach einem Riesenbericht über das Thema dem OB nochmals eine Stellungnahme eingeräumt hatten. Deren Kernaussage lautet in etwa: Das „Strategiepapier“ zur Katholischen Altenhilfe ist zwar nicht „wertlos“, bewirkt aber – wenn man es für sich allein betrachtet – so gut wie nichts in puncto Schließung des katholischen Altenheims beziehungsweise den geplanten Neubau. Was für ein Riesenunterschied.

OB reagiert kurz vor der Wahl dünnhäutig

Dass Wolff, der vor der Wahl noch lächelnd bekundete, vor Aaron Treut „keine Angst“ zu haben, inzwischen dünnhäutig reagiert, seine Claqueure quasi jeden seiner Sätze in sozialen Medien verbreiten lässt, sich als OB nicht zu schade ist, von Haus zu Haus zu ziehen, um den letzten Unschlüssigen zu überzeugen – und die Brettener Presse einzuschüchtern versucht, spricht für sich.

Parteien wählen offenbar das kleinere Übel

Umso verwunderlicher, dass sich jetzt Grüne, SPD und Freie Wähler als große Wolff-Unterstützer geoutet haben. Warum nicht von Anfang an, fragt sich der geneigte Leser, warum nicht viel früher? Gab es da vielleicht Druck – oder Versprechungen? Was auch immer: Man könnte fast den Eindruck gewinnen, dass die genannten Parteien und Gruppen Wolff eigentlich nicht wollten, aber aus Angst vor seinen starken Mitbewerbern lieber „das kleinere Übel“ wählen wollen.

Gute Personalpolitik?

Die Wolff-Fans aus den Parteien loben unter anderem dessen Personalpolitik. Auch da fragt sich mancher unbedarfte Leser: Hab ich etwas verpasst? Man erinnere nur an die einstige VHS-Chefin, den ehemaligen Feuerwehr-Kommandanten oder den geschassten Pressesprecher der Stadt.
Die Bürger haben die Wahl. Oder die Qual, wie man es nimmt. Auf jeden Fall gibt es am Sonntag um 18 Uhr eine gute Nachricht: Der OB-Wahlkampf ist vorbei.