Eine zentrale Notaufnahme mit ärztlicher und pflegerischer Leitung gehört zu den Basisvoraussetzungen, um als Notfallklinik eingestuft zu werden.
Eine zentrale Notaufnahme mit ärztlicher und pflegerischer Leitung gehört zu den Basisvoraussetzungen, um als Notfallklinik eingestuft zu werden. | Foto: Holger Hollemann/dpa

Basisvoraussetzungen erfüllt

Bruchsal und Bretten sind bei Notfallkliniken dabei

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„Die Kliniken des Landkreises Karlsruhe werden bei den Notfallkliniken dabei sein“, sagt Martina Grzenkowski, die Ärztliche Leiterin der Zentralen Notaufnahme der Fürst-Stirum-Klinik in Bruchsal. Soweit noch nötig, werde man die Voraussetzungen für die gestufte Notfallversorgung schaffen. Der Gemeinsame Bundesausschuss von Ärzten, Krankenhäusern und Krankenkassen (GBA), das höchste Entscheidungsgremium im deutschen Gesundheitswesen, hat vor wenigen Tagen beschlossen, die Zahl der Krankenhäuser, die offiziell für Notfälle eingerichtet sind, zu reduzieren. 628 von 1 748 Krankenhäusern könnten damit aus der Notfallversorgung herausfallen.

Noch sind nicht alle Anforderungen klar formuliert

„Kein Krankenhaus geht durch diesen Beschluss vom Netz“, betont Martina Grzenkowski. „Es gibt vom Bundesausschuss ungefähre Anforderungen, die aber noch nicht alle klar formuliert sind. Ein paar sind bereits durch. Für Bruchsal und Bretten erfüllen wir alle Voraussetzungen, die jetzt schon nach außen gedrungen sind. Basisvoraussetzungen für die unterste Stufe sind zum Beispiel eine Abteilung für Innere Medizin vorzuhalten und eine Abteilung für Chirurgie. Ein Anästhesist muss verfügbar sein, außerdem rund um die Uhr Computertomografie. Man braucht eine Zentrale Notaufnahme – mit ärztlicher und pflegerischer Leitung –, damit die Patienten genau wissen, wo sie eigentlich hin müssen. Ärzte und Pfleger müssen eine Zusatzausbildung erwerben. Das Krankenhaus muss eine Intensivstation mit mindestens sechs Intensivbetten haben. Die Zentrale Notaufnahme braucht ein validiertes Ersteinschätzungssystem. Es gibt ein etabliertes Triagensystem, nach dem man bei der Ankunft der Patienten die Dringlichkeit abschätzt: Schwere Atemnot hat zum Beispiel höchste Dringlichkeit.“
Kliniken, in denen die Kriterien der gestuften Notfallversorgung nicht erreicht werden, zahlen Abschläge für jeden stationär behandelten Fall: „Das Geld, das durch die Abschläge zusammenkommt, soll auf die Kliniken verteilt werden, die eine Stufe erreichen“, so Martina Grzenkowski. „Das ist etwas ganz Wichtiges, denn in einer Notfallaufnahme muss man ja Personal und Großgeräte vorhalten. Diese Vorhaltekosten sollen etwas gegenfinanziert werden, das ist das Ziel dieses Gesetzes.“

Notfallversorgung soll nicht zusammenbrechen

Der Gesetzgeber, sagt sie, sieht vor, bis 30. Juni die Höhe der Zu- und Abschläge definiert zu haben. Ob dieser Termin gehalten werden kann, weiß man allerdings nicht. Mit einer Entscheidung rechnet Martina Grzenkowski Ende dieses Jahres, mit der Umsetzung frühestens 2019.
„Diese Neuregelung soll auch dazu führen, dass man weiß, welche Kliniken überhaupt an der Notfallversorgung teilnehmen“, so die Ärztin weiter. „Während man das in Hessen zum Beispiel genau weiß, ist das in vielen anderen Bundesländern noch gar nicht erfasst. Die ganze Umsetzung dauert deswegen so lange, weil der GBA nicht will, dass die Notfallversorgung zusammenbricht.“ Krankenhäuser mit Sicherstellungsauftrag in ländlichen Bereichen sollen deshalb nicht aus dem System herausfallen, auch wenn sie die Basiskriterien für die strukturierte Notfallversorgung nicht erfüllen.