Die Nahversorgung in den Brettener Stadtteilen ist der CDU ein Herzensanliegen. Fraktionschef Günter Gauß (links) und Stellvertreter Martin Knecht präsentieren den BNN ihre Ideen. | Foto: Kampf

Keine Läden mehr in den Orten

Bretten: CDU will Nahversorgung mittels Cap-Mobil

Anzeige

Erst schlossen die kleinen Lebensmittelläden, dann die Metzger und Bäcker, nun die Banken und Sparkassen: Vor allem im ländlichen Raum ist es schlecht bestellt um die Nahversorgung der Bürger. In einigen Brettener Stadtteilen, beispielsweise Sprantal oder Ruit, hielt wenigstens noch das Cap-Mobil. Doch mit dem rollenden Supermarkt, betrieben von der Lebenshilfe Bruchsal-Bretten, ist ab 2019 Schluss. Wie die BNN dieser Tage berichten, beendet die Lebenshilfe diesen Service. Letzte Fahrten wird es am Silvestertag geben.

Nahversorgung ist etwas Soziales

Für die Brettener CDU „ein Unding“, wie es Günter Gauß, Sprecher der christdemokratischen Fraktion im Gemeinderat, gegenüber den BNN formuliert. „Das betrifft ja vor allem ältere Leute, die nicht mobil sind, kein Auto haben.“ Zwar sehe er die wirtschaftlichen Argumente, die die Lebenshilfe als Gründe nennt, so Gauß, aber: „Wir schauen nicht nur auf die Wirtschaftlichkeit. Es geht hier ums Soziale“.
Das sieht auch Martin Knecht so: „Es geht der CDU um die Nahversorgung der Bürger, auch in den Ortschaften. Wenn es Ziel ist, dass Menschen in die Stadtteile ziehen, dann gehört das für uns dazu.“
Konkret fordert die CDU, dass sich die Stadtverwaltung mit den am Modell beteiligten anderen Kommunen austauscht, ob man durch Anhebung der Zuschüsse etwas erreichen könne. „Wir werden das in der Haushaltsklausur vorbringen“, so der Fraktionssprecher.
Damit nicht genug: Der CDU-Landtagsabgeordnete Joachim Kößler lote derzeit aus, ob möglicherweise Zuschüsse aus dem Entwicklungsprogramm Ländlicher Raum (ELR) oder anderen Förderprogrammen fließen könnten.

Spendenaktion für neues Cap-Mobil

Und schließlich könne man eine Spendenaktion initiieren, um der Lebenshilfe das dringend benötigte Fahrzeug für ihren Service zu beschaffen. Laut einem Bericht der BNN habe das Cap-Mobil nämlich bereits über 300 000 Kilometer auf dem Buckel und sei „in die Jahre gekommen“. Eine Neuanschaffung würde mit etwa 100 000 Euro zu Buche schlagen, wie Claudia Schuler, Sprecherin der Lebenshilfe, den BNN bestätigt.

Rund 800 Artikel des täglichen Bedarfs hat ein solches Cap-Mobil an Bord. | Foto: privat

Die Brettener CDU will in den nächsten Wochen und Monaten verstärkt in den Stadtteilen auf das Angebot aufmerksam machen, sagt Martin Knecht. „Vor allem junge Familien sollten wissen, dass es so etwas für die Nahversorgung gibt und damit den Alten eine Chance bieten, selbstbestimmt leben zu können.“ Das Cap-Mobil präsentiere mit etwa 800 Artikeln alles Wesentliche zum Lebensbedarf.

 

„Jetzt muss die Stadt kämpfen“

Eine weitere Idee der CDU ist, eine kleine Poststation mitfahren zu lassen. „Es gibt auf vielen Dörfern keine Post mehr“, sagt Knecht, „da könnte man über so ein Angebot nachdenken“. Bei den Vor-Ort-Terminen seiner Fraktion hätten sich Ortsvorsteher über die dramatische Lage bei der Nahversorgung beklagt. „Jetzt muss die Stadt eben mal für die Nahversorgung kämpfen. Nicht einfach nur sagen, es geht nicht.“