Eine gute Schutzausrüstung ist in Corona-Zeiten für die Sicherheit der Pflegekräfte wie auch der Patienten unerlässlich. Doch die Beschaffung von Masken. Kitteln oder Schutzbrillen stellt die Pflegedienste wie den von Stefan Schorpp (links) vor große Herausforderungen.
Eine gute Schutzausrüstung ist in Corona-Zeiten für die Sicherheit der Pflegekräfte wie auch der Patienten unerlässlich. Doch die Beschaffung von Masken. Kitteln oder Schutzbrillen stellt die Pflegedienste wie den von Stefan Schorpp (links) vor große Herausforderungen. | Foto: Rebel

Nachschub wegen Corona wichtig

Vorrat an Schutzausrüstung reicht bei Brettener Pflegediensten noch zwei Wochen

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Der Nachschub stockt, Schutzausrüstung wie Masken, Kittel oder Desinfektionsmittel werden zusehends knapp. Die Materialbeschaffung stellt auch die Pflegedienste in Bretten und Umgebung vor große Herausforderungen.

Mit Krisenmanagement kennt sich Stefan Schorpp aus. Schließlich hat der 57-jährige Krankenpfleger vor knapp zwei Jahren – als das Altenheim St. Laurentius in Bretten geschlossen wurde – mit ehemaligen Mitarbeiterinnen den ambulanten Pflegedienst Phönix aus dem Boden gestampft. Und auch bei der akuten Corona-Epidemie ist Krisenmanagement gefragt. Die Materialbeschaffung stellt derzeit alle Pflegedienste vor enorme Herausforderungen.

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„Für die nächsten zwei bis drei Wochen haben wir noch ausreichend Schutzmasken, Schutzkittel, Handschuhe und Händedesinfektionsmittel“, informiert der Leiter und Inhaber des Pflegedienstes, der in Gondelsheim angesiedelt ist. Wenn aber innerhalb der nächsten 14 Tage keine neue Lieferung mehr käme, dann werde die Situation prekär.

Nachschub-Lieferungen geraten ins Stocken

Beim Mundschutz sieht die Sache noch einmal anders aus. Schutzmasken der Kategorie FP2 oder FP3, wie sie in Krankenhäusern verwendet werden, hat der Pflegedienst überhaupt keine. Zur Verfügung steht bei Phönix – wie übrigens auch bei den meisten anderen Pflegediensten – der ganz normale Stoffmundschutz, der zum Teil sogar handgenäht ist.

Normalerweise fülle man die Bestände regelmäßig auf, doch in jüngster Zeit sei der Nachschub durch die üblichen Lieferanten ins Stocken geraten. Über Beziehungen ist Schorpp auf eine schwäbische Trikotage-Firma gestoßen, die ihre Produktion auf die Herstellung von Mundschutzmasken umgestellt hat. „Heute ist die erste Lieferung eingetroffen“, berichtet er erleichtert.

„Normalerweise gehen unsere Mitarbeiterinnen mit Mundschutz, Kittel und Handschuhen zu den Patienten“, sagt Schorpp, der mit einem Dutzend Mitarbeiterinnen rund 60 Haushalte betreut.

Desinfektionsmittel, Mundschutz und Einmalhandschuhe
Kommt kein Nachschub mehr an Schutzmasken, haben einige Pflegedienste in Bretten und Umgebung in zwei bis drei Wochen keinen Vorrat mehr. | Foto: Barbara Gindl/APA/dpa/Symbolbild

Bei einem Corona-Verdachtsfall greift der Pandemieplan

„Wir sind uns der Situation sehr bewusst, dass wir uns selbst bei den Patienten infizieren können oder ohne es zu wissen den Keim zu den Leuten tragen“, beschreibt der Phönix-Chef die Brisanz der Lage. Doch mit dieser Situation müsse man offensiv umgehen. Bei einem Verdachtsfall – der bislang allerdings noch nicht eingetreten ist – greift laut Schorpp der Pandemieplan.

Dann werde sofort eine Meldung an den Hausarzt und ans Gesundheitsamt verschickt. „Und wenn dann eine Pflege zuhause möglich und notwendig ist, werden wir das mit der entsprechenden Schutzausrüstung auch machen“, erklärt der Pflege-Chef.

Wir haben noch Schutzmasken und behelfen uns auch mit selbst genähten Exemplaren.

Martin Zonsius, Mitinhaber des Pflegedienstes „Kooperation Respekt

„Wir haben noch Masken und Schutzausrüstung für zwei Wochen, dann wird es eng, wenn kein Nachschub kommt“, erklärt Martin Zonsius. Der Mitinhaber des Brettener Pflegedienstes „Kooperation Respekt“ hofft allerdings auf eine baldige Lieferung, die er über seinen Berufsverband bestellt hat.

„Wir haben noch Schutzmasken und behelfen uns auch mit selbst genähten Exemplaren, die Mitbürger angefertigt haben“, erklärt Zonsius. Schutzanzüge habe man keine, die brauche man aber auch nicht, denn derzeit habe man keine bekannten Corona-Patienten. Für die Versorgung von Patienten mit Lungen- oder Herzerkrankungen würde man FP2-Masken verwenden.

Hausbesuche nur mit Mundschutz und Handschuhen

Vergleichbar auch die Situation bei der Sozialstation Oberderdingen. „Wir haben noch Schutzmasken für zwei bis drei Wochen und wenige Schutzkittel“, erklärt die Pflegedienstleiterin Edith Gebhard. Gerade sei eine neue Lieferung mit Schutzbrillen eingetroffen. Bereits seit drei Wochen gehen die 42 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Station mit Mundschutz und Handschuhen gewappnet zu den weit über 100 Patienten.

Wenn die Liefertreue passt, wird es bei der Schutzausrüstung keinen Engpass geben.

Martin Stäble, Geschäftsführer der Diakoniestation in Oberderdingen

Dienstbesprechungen seien abgesagt. Und auch sonst trügen alle im Büro den Mundschutz und hielten Abstand voneinander. „Wenn die Liefertreue passt, wird es bei der Schutzausrüstung keinen Engpass geben“, erklärt Martin Stäble, der Geschäftsführer der Diakoniestation. Weil die Sozialstationen allerdings nicht als systemrelevant eingestuft werden, bekämen sie bestimmte Schutzausrüstungen wie Schutzkittel gar nicht. „Die bräuchten wir allerdings nur dann, wenn wir einen Fall hätten“, sagt Stäble. Doch derzeit ist laut Stäble unter den Patienten der Diakoniestation kein positiver Fall bekannt.

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Bislang bei Patienten keine Corona-Fälle

Bei der Diakoniestation Bretten halten sich die Beschaffungssorgen in Grenzen. Das hängt auch damit zusammen, dass die Station im Evangelischen Altenpflegeheim Im Brückle angesiedelt ist, das zum Evangelischen Stift Freiburg gehört. Und von dort auch mit der nötigen Schutzausrüstung versorgt wird. „Wir haben noch 50 Schutzanzüge, rund 200 FP2- und FP3-Masken sowie 30 Liter Desinfektionsmittel“, informiert Pflegedienstleiterin Martina Meier.

Derzeit arbeiten alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei den Hausbesuchen mit FP2-Masken und Handschuhen, den Schutzkittel würde man erst bei einem identifizierten Corona-Fall verwenden. Doch den gebe es bislang unter den Klienten nicht. Zudem seien die Mitarbeiter unterwiesen und geschult. „Wenn man im Gesundheitswesen arbeitet, weiß man, womit man es bei einer solchen Pandemie zu tun hat und wie man sich schützen muss“, erklärt Maier.