Störer sollen in Zukunft konsequenter vom Sportgelände verwiesen werden. | Foto: imago images

Fairplay im Fußball

Der Badische Fußballverband setzt mit einem Maßnahmenpaket auf fairen Umgang

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Der Ton auf den Sportplätzen ist rauer geworden. Diese Entwicklung, unter der meist die Schiedsrichter leiden, ist nicht neu – der Badische Fußballverband (bfv) hat sie aber verstärkt in den Fokus genommen. Mit einem ganzen Maßnahmenbündel, das ab Rückrundenstart von der Verbandsliga abwärts gilt, soll auf einen faireren Umgang im Amateurfußball hingewirkt und gleichzeitig der Schutz der Unparteiischen verstärkt werden.

„Wir müssen hier eng mit den Vereinen zusammenarbeiten. Das Gewalt-Problem können wir nur zusammen lösen“, sagt der Verbandsschiedsrichterobmann Rolf Karcher aus Karlsbad. Gerade beim Thema der Platzordnerobmänner appelliert der bfv an die Clubs, das Konzept umzusetzen.

Ein Platzordnerobmann schützt den Unparteiischen

Hierbei benennt der Verein einen Verantwortlichen, der sich an Heimspieltagen um den Schiedsrichter kümmert und im Falle von Beleidigungen oder Beschimpfungen nicht nur deeskalierend einwirkt, sondern auch gegen Störer durchgreift. Neu ist, dass sich dieser Platzordner schon bei der Ankunft des Referees mit einer Karte bei ihm vorstellt. „Das soll den Kontakt aber auch das Vertrauen fördern“, sagt Karcher. Flankiert wird das ganze von Schulungen für die verantwortlichen Personen, die gerade in den Kreisen angeboten werden.

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Drei-Stufen-Modell soll die Schiedsrichter stärken

Eine weitere und wohl die wichtigste Neuerung, mit der die Unparteiischen gestärkt werden sollen, ist das sogenannte Drei-Stufen-Modell. Es sieht vor, dass Schiedsrichter bei deutlich wahrnehmbaren Anbahnungen eines Konfliktes oder bereits eingetretenen konkreten Vorfällen, die zur Eskalation führen könnten, kurzzeitig das Spiel unterbrechen. Dabei erfolgen insbesondere an die Spielführer und Trainer Ansprachen, beruhigend auf ihre Mannschaft einzuwirken. Auch die Platzordnerobmänner sind eingebunden, um einen geordneten weiteren Spielablauf zu erreichen. Führt eine Unterbrechung zweimal nicht zum Erfolg, wird das Spiel abgebrochen.

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Bei Unsportlichkeiten wird schneller durchgegriffen

Jörg Augenstein, der Vorsitzende des Kreisschiedsrichterausschusses in Pforzheim, sieht darin ein „gutes Instrument, um den Fokus wieder auf das zu lenken, was wir eigentlich wollen: Fußball spielen und Fußball schauen.“ Lob findet bei Augenstein und seinen Kollegen aus den Kreisen Bruchsal und Karlsruhe auch die Neuerung im Profi-Fußball, dass bei Unsportlichkeiten schneller mit Gelben Karten und im Zweifel auch Platzverweisen durchgegriffen wird. Hier erhoffen sich die Schiedsrichter positive Effekte für den Amateurfußball.

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Verband setzt auf Prävention statt Repression

Abgerundet wird das Maßnahmenpaket des bfv schon seit einiger Zeit mit der Kampagne „selbstFAIRständlich“, mit der auf Plakaten und Flyern Fairplay angemahnt wird und gute Beispiele in den Vordergrund gestellt werden.

„Wir setzen in diesem Bereich auf Prävention statt Repression und sind damit Vorreiter im Land“, sagt Karcher. Und auch Augenstein kann den Maßnahmen viel abgewinnen, wenngleich er sagt: „Am besten ist natürlich wenn wir das alles – seien es Unterbrechungen, Spielabbrüche oder Einsätze der Platzordner – nie anwenden müssen.“