Stillstand: Das Windrad auf dem Berghausener Hummelberg zeigt derzeit noch genauso wenig Bewegung wie der Turm der katholischen Kirche.
Stillstand: Das Windrad auf dem Berghausener Hummelberg zeigt derzeit noch genauso wenig Bewegung wie der Turm der katholischen Kirche. | Foto: Waidelich

Probleme am Windrad des ICT

Der Rotor steht noch still

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Seit genau zwei Monaten thront das Windrad des Fraunhofer Instituts für Chemische Technologie (ICT) auf dem Hummelberg über Pfinztal. Doch wer in Jöhlingen über die Kuppe kommt oder von Karlsruhe aus nach Berghausen fährt, dem fällt auf: Die Rotorblätter der über 100 Meter hohen Anlage stehen noch immer still. Das Windrad ist Teil des Projekts „Redox Wind“. Die Energie, die die Anlage erzeugt, soll in einer riesigen Flüssigbatterie des Instituts gespeichert werden. Die Tatsache, dass sich die Inbetriebnahme momentan verzögert, reiht sich in eine Serie von Pannen ein, mit der das „Redox Wind“-Projekt von Beginn an zu kämpfen hatte.

Pilotprojekt stellt Experten vor Rätsel

„Das Windrand sollte sich längst drehen. Wir haben in den vergangenen Wochen stündlich darauf gewartet, dass es endlich funktioniert“, gibt Stefan Tröster vom ICT zu. Doch danach sieht es derzeit nicht aus. Die Firma, die das Windrad an die Redox-Flow-Batterie anschließen soll, hat offenkundig Schwierigkeiten damit. „Der Zeitpunkt, zu dem sich das Windrad drehen sollte, ist massiv überschritten“, sagt Tröster. Die Mitarbeiter des zuständigen Unternehmens seien zwar in Berghausen vor Ort, kämen derzeit aber nicht weiter. „Das liegt wohl daran, dass es sich bei ,Redox Wind’ um ein Pilotprojekt handelt. Es ist das erste Mal, dass eine solche Industrieanlage an eine Forschungsanlage wie die Redox-Flow-Batterie angeschlossen wird“, erklärt Tröster die Problematik.

Klärendes Gespräch

So gelassen wie sich das anhört, ist man am ICT aber längst nicht. Immerhin könnte das Institut – wenn alles glattgegangen wäre – bereits mehrere Wochen mit Windenergie arbeiten. „Und natürlich sprechen uns die Menschen darauf an, warum sich das Windrad nicht dreht.“ Jetzt kommt der Geschäftsführer der ausführenden Firma zu einem ernsten Gespräch ans Institut . Danach soll Klarheit darüber herrschen, wann sich die Rotorblätter über Berghausen in Bewegung setzen werden.

Pannenserie hält an

Die aktuelle Verzögerung ist nur eine weitere unter vielen. Schon beim Bau des Batteriegebäudes war das Fraunhofer ICT ins Hintertreffen geraten, als wichtige Genehmigungen auf sich warten ließen. Mit der Planung des Windkraftanlage wurde bereits 2009 begonnen, fertiggestellt sein sollte sie ursprünglich Ende des Jahres 2014. Weil eine Kopplung an die Redox-Flow-Batterie aber spezielle technische Umbauten am Windrad erforderte, gestaltete es sich als schwierig, überhaupt einen Hersteller zu finden. Als schließlich einer gefunden schien, sprang dieser doch noch ab. Und das Projekt verzögerte sich um ein weiteres halbes Jahr.
Das Kostenvolumen von „Redox Wind“ liegt bei insgesamt 19 Millionen Euro. Drei Millionen davon stecken im Windrad. Das hat das Fraunhofer ICT aus Eigenmitteln finanziert. Die restlichen 16 Millionen Euro teilen sich der Bund und das Land Baden-Württemberg. Läuft die Windkraftanlage, soll die Batterie zunächst ein Megawatt und zehn Megawattstunden speichern können, später sogar das Doppelte.

Das Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie (ICT) in Berghausen ist eine von 67 Einrichtung der Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung – der größten Organisation ihrer Art in Europa. Das Fraunhofer ICT forscht vor allem in den Bereichen der Umwelt- und der Wehrtechnik. Dazu gehören laut der Webseite zum Beispiel die Angewandte Elektrochemie, in deren Bereich auch das „Redox-Wind“-Projekt fällt, die Entwicklung und Anwendung energetischer Materialien wie Treib- und Explosionsstoffe, und die Entwicklung von Kunststoffbauteilen. Außerdem arbeiten die Forscher in Berghausen an umweltfreundlichen Produktionsverfahren und an Mobilitätskonzepten für die Zukunft.