Fast wie auf dem Hockenheimring: Sehr zufrieden sind die Gölshausener mit ihrem neuen Kreisel am Ortseingang von Bretten her. Wenn da nicht die Optik wäre. Die rot-weiße Farborgie macht den Verkehr zwar flüssiger und sicherer, sorgt aber auch für Irritationen und Unzufriedenheit. | Foto: Rebel

Optisches Fiasko

Dezentere Farbe für „Hockenheimring Gölshausen“ gewünscht

Anzeige

Keine Frage – die Gölshausener sind sehr zufrieden mit ihrem neuen Kreisel am Ortseingang Richtung Bretten. Die lästige Ampel ist weg und der Verkehrs fließt auch in den Stoßzeiten ganz ordentlich, so der Tenor des Gölshausener Ortschaftsrats, der die Funktionalität des im Eiltempo errichteten Provisoriums lobt. „Wenn früher die Ampel rot war, bogen viele Autofahrer, die von Bretten her kamen, gleich nach rechts ins Wohngebiet und verstopften dort die Straßen“, sagt Dennis Hartmann, Ortschaftsrat der Freien Wähler.

Weniger Irrfahrten – guter Verkehrsfluss

Thomas Tossenberger (SPD) erinnert sich an ein weiteres Ärgernis, das nun der Vergangenheit angehört: Die Ampel lief nachts durch, bei Rot musste man warten, auch wenn weit und breit kein anderes Auto zu sehen war. Jetzt verirrten sich auch seltener Lastwagen im Ort auf der Suche nach einem Wendeplatz, weiß der neue Ortsvorsteher Torsten Fundis von weiteren Vorzügen der neuen Verkehrsführung zu berichten. Einhelliger Tenor: Der neue Kreisel ist sinnvoll und sorgt für einen guten Verkehrsfluss. Wenn da nicht die Optik wäre: eine rot-weiße Farborgie, die den Eindruck erweckt, man wäre am Hockenheimring, wie es einer der Ratsmitglieder auf den Punkt bringt. Oder dezenter formuliert: Das Entree in den Stadtteil ist nicht schön. Als Provisorium für einige Wochen oder Monaten wäre das Farbspektakel wohl erträglich, heißt es.

Kreisel kein Aushängeschild für Bretten

Doch im Stadtteil befürchtet man, dass das Provisorium für die nächsten zwei bis drei Jahre das Bild am Ortseingang prägen wird. „Das ist doch kein Aushängeschild für Bretten, sondern ein optisches Fiasko“, bringt Axel Roth von den Aktiven seine Einschätzung auf den Punkt. Und für manche ältere Autofahrer sei die weiß-rote Farbgebung auch verwirrend.

Ortsbegehung: Vertreter des Gölshausener Ortschaftsrats überzeugen sich an Ort und Stelle von der Funktionstüchtigkeit des neuen Kreisverkehrs und seiner unübersehbaren Farbgebung. | Foto: Rebel

„Es gab vorher keine Information darüber, wie der Kreisel einmal aussehen würde“, erklärt Jörg Biermann, Stadtrat der Aktiven im Brettener Gemeinderat, der selbst in Gölshausen wohnt und den Unmut über die farbliche Gestaltung des Rondells aufnahm. Man habe lediglich Grundrisspläne gesehen und sei von der Ausgestaltung nun doch überrascht, so Biermann. Für den Ortschaftsrat stellt sich nun die Frage, ob die Farbgebung verkehrsrechtlich so sein muss oder ob eine Nachbesserung möglich sei. Notfalls auch mit einer Streichaktion der Ortschaftsräte.

„Sieht nach Baustelle aus“

„Wir haben den Kreisel jetzt gerade mal zwei Wochen in Betrieb, da werden wir den jetzt nicht gleich wieder umpinseln“, sagt dazu Brettens Bürgermeister Michael Nöltner. Der Grund für die markante Farbgebung liege sicher darin, dass man allein schon aus rechtlichen und sicherheitstechnischen Gründen die Änderung einer Verkehrsführung optisch sehr deutlich erkennbar ausgestalten müsse. Sonst stehe beim ersten Unfall der Geschädigte mit seinem Anwalt auf der Matte.
Dass der neue Kreisel ästhetisch nicht viel hergibt und sehr nach Baustelle aussieht, räumt Nöltner unumwunden ein. Doch es handle sich um ein Provisorium, das im Endausbau deutlich schöner mit erhöhter Mittelinsel ausgestaltet wird. „Dann besteht aber auch keine allzu große Gefahr mehr, dass einer geradeaus durchrauscht“, so der Bürgermeister, der sich überdies darüber wundert, warum sich der Ortschaftsrat mit seiner Anfrage nicht direkt an die Stadtverwaltung wendet.