Die Zusteller der Deutschen Post kämpfen mit großen Zustellbezirken und Zeitdruck. Vielleicht auch deshalb bleiben in Bretten und der Region einige Briefkästen immer mal wieder leer.
Die Zusteller der Deutschen Post kämpfen mit großen Zustellbezirken und Zeitdruck. Vielleicht auch deshalb bleiben in Bretten und der Region einige Briefkästen immer mal wieder leer. | Foto: dpa

Brettener Post-Ärger hält an

„Die Briefzustellung ist ein Knochenjob“

Auch in Zeiten von E-Mails und Kurznachrichten ist die klassische Post längst noch nicht ausgestorben. Täglich machen sich in Deutschland rund 60 Millionen Briefe auf den Weg zu ihrem Empfänger. Jedoch kommen sie dort nicht immer pünktlich an. Wie die BNN vor kurzem berichteten, gab es in den vergangenen Monaten bei der Postzustellung in Gondelsheim Probleme. An vielen Tagen öffneten die Bürger auf der Suche nach wichtigen Schreiben oder Zeitschriften vergebens ihren Briefkasten. Auch das Gondelsheimer Rathaus war von den Zustellproblemen betroffen, erklärte Bürgermeister Markus Rupp im BNN-Gespräch.

BNN-Leser berichteten von mangelhafter Postzustellung

Inzwischen haben sich in der Brettener Redaktion weitere Leser gemeldet, bei denen Briefe und Pakete nur unregelmäßig zugestellt werden. Auch die Melanchthonstadt ist demnach betroffen; aus mehreren Ecken waren Klagen zu hören. „Dass man auf seine Post mal zwei oder drei Tage warten muss, kann man akzeptieren. Aber acht oder gar zehn Tage sind einfach zu viel“, sagt Ernst Gillardon. In dieser Woche seien Briefe und Pakete zwar wieder wie gewohnt gekommen, zuvor habe es bei der Zustellung aber immer wieder gehakt, gerade am Wochenende.

Es ist eine Katastrophe.

Auch die Zusendung von Zeitschriften und Magazinen läuft in Bretten nicht rund, wie gleich von mehreren BNN-Lesern zu hören war. Gerade Ausgaben, die samstags erscheinen, kämen häufig erst am Montag. Die Vorteile eines Magazin-Abonnements hätte man so nicht mehr, ärgert sich der ein oder andere.

„Es ist eine Katastrophe“, berichtet auch Hans Brombacher aus Bauerbach. „Häufig ist selbst am Nachmittag noch keine Post da“, ärgert er sich über die Zustellprobleme, mit denen auch andere Bewohner des Stadtteils seit einiger Zeit zu kämpfen haben. „Man hat sich ja daran gewöhnt, dass alles immer teurer wird. So ist es auch bei der Post. Aber dann muss man auch den Service entsprechend ausbauen.“ Er rät dem Unternehmen, das Personal bei den Zustellern aufzustocken.

Situation in Gondelsheim hat sich nur vorübergehend gebessert

Der Gondelsheimer Dieter Wohlhaupter, der sich bereits mehrfach bei der Deutschen Post und der Bundesnetzagentur beschwert hat, freute sich vor Weihnachten zunächst über eine Besserung. Eine Zustellerin aus Knittlingen hatte das Team zwischenzeitlich verstärkt, berichtete er. Inzwischen ist jedoch wieder Ernüchterung eingekehrt: „Leider war die Situation nur vorübergehend besser.“ An einigen Tagen sei der Briefkasten nun wieder leer, selbst wenn er Post erwarte.

Die Zusteller seien nicht schuld an den Problemen, betonten viele BNN-Leser. Die Gründe für die Schwierigkeiten lägen an der Größe der Zustellbezirke, die in der vorgegebenen Zeit nicht zu schaffen seien und an fehlenden Urlaubs- oder Krankenvertretungen, vermuten sie. „Die Zusteller muss ich in Schutz nehmen. Die bekommen die Probleme einfach aufgebürdet“, sagte auch Wohlhaupter bereits Mitte Dezember.

Gewerkschaft Verdi sieht Personalprobleme beim Logistikunternehmen

Martina Dukek, bei der Gewerkschaft Verdi im Bezirk Mittelbaden-Nordschwarzwald unter anderem für Postdienste zuständig, sieht ebenfalls Versäumnisse der Deutschen Post: „Die Post hat seit längerer Zeit Probleme, in unserer Region geeignetes Personal zu finden. Auch die Briefzustellung ist ein Knochenjob.“ Die Gewerkschaftssekretärin berichtet, dass die Brief- und Paketboten ihre Arbeitszeit gänzlich ausschöpfen. „Sie haben die Autos voll und sind den ganzen Tag unterwegs.“ Einige Beschäftigte würden sich über die Größe ihrer Zustellbezirke beschweren.

Deutsche Post räumt Probleme ein

Auf BNN-Anfrage erklärte die Post, dass ihr in Gondelsheim weiterhin keine Probleme bekannt seien. „In Bretten selbst kam es dagegen seit Anfang des neuen Jahres zu mehreren Zustellabbrüchen. Wir haben hier schon seit Monaten einen erhöhten Krankenstand.“ Zwar stünden Ersatzkräfte bereit, kurzfristige Personalausfälle könnten aber nicht immer abgefangen werden, so Hugo Gimber von der Pressestelle des Logistikunternehmens. „Eine Neueinteilung der Zustellbezirke in und um Bretten ist für Ende Februar 2018 geplant.“

Wir haben hier schon seit Monaten einen erhöhten Krankenstand.

Vom Gesetzgeber ist der Dienstleister verpflichtet, jeden Werktag Briefe und Pakete zuzustellen. Wie in der Post-Universaldienstleistungsverordnung festgeschrieben ist, müssen 80 Prozent aller Briefe innerhalb eines Werktages beim Empfänger ankommen. Am zweiten Tag müssen 95 Prozent der Sendungen ihr Ziel erreicht haben. Bei Paketen müssen 80 Prozent innerhalb von zwei Werktagen beim Adressat sein.

Pilotprojekt steht in der Kritik

Auch deshalb sieht Verdi ein kürzlich von der Post beendetes Pilotprojekt kritisch, welches vorsah, Briefe nicht mehr jeden Werktag zuzustellen (die BNN berichteten). „Letztlich wird dadurch der Privatbürger benachteiligt“, sagt Martina Dukek. Das Modell wurde in den vergangenen Monaten bei verschiedenen Kundengruppen erprobt. Auch wenn es sich für viele Bürger in Bretten und der Region seit einigen Wochen so anfühlt: „Die Teilnahme war absolut freiwillig. Zustellbezirke in Bretten oder der Region Karlsruhe waren nicht Teil dieses Pilotprojekts“, so die Deutsche Post.