Verspätungen auf der Kraichgaustrecke – hier die Haltestelle in Jöhlingen-West – sind ein Alltagsärgernis für die Fahrgäste. Laut KVV hat das Problem seinen Ursprung im Fahrermangel.
Verspätungen auf der Kraichgaustrecke – hier die Haltestelle in Jöhlingen-West – sind ein Alltagsärgernis für die Fahrgäste. Laut KVV hat das Problem seinen Ursprung im Fahrermangel. | Foto: Waidelich

AVG erklärt Verspätungen

Die S4 kämpft mit Infrastrukturproblemen

Kritik an der Pünktlichkeit der Stadtbahnen auf der Kraichgaustrecke hat es seit deren Existenz immer wieder gegeben. Die Walzbachtaler Grünen bemängelten 2013, die Albtalverkehrsgesellschaft (AVG) habe ihre „eigenen Qualitätsansprüche auf der Linie S 4 zwischen Bretten und Karlsruhe nicht einhalten können“: Viele Bahnen verspäteten sich. Anfang Januar hat die Walzbachtaler SPD eine neue Runde in diesem Beschwerdemarathon eingeläutet. Im Gemeinderat machte die SPD-Fraktionssprecherin Silke Meyer darauf aufmerksam, dass Bahnen auf der S-4-Linie ausfielen oder sehr unpünktlich waren. Der Bürgermeister solle der AVG eine ganze Liste von Fragen zur Abarbeitung vorlegen.

Seitenlange Erklärungen

Das Verkehrsunternehmen hat sich einige Wochen Zeit für die Reaktion genommen. Es antwortete jetzt aber mit sehr großer Gründlichkeit mit einem fünfseitigen, eng bedruckten Schreiben. Ergänzt wird es mit 28 Seiten Tabellen, Statistiken und Schaubildern. Darin räumt die AVG für die S 4, die die Strecke zwischen Karlsruhe und Heilbronn bedient, für die Zeit zwischen Oktober und Dezember 2017 „massive Störungsanfälligkeit des Stadtbahnverkehrs“ ein.

 

Karlsruhe – Öhringen: Pünktlichkeit von 81,6 Prozent

Wegen „schwerer Stellwerksstörungen in Bretten“ und „Oberleitungsstörungen im Jöhlinger Tunnel“ sei es im September 2017 zu Infrastrukturstörungen gekommen. Im ganzen Jahr 2017 seien im Verbund 1,64 Prozent der planmäßigen Fahrten nicht erbracht worden. Das Verkehrsunternehmen habe den Zielwert von 99 Prozent Pünktlichkeit verfehlt. Für den Abschnitt zwischen Karlsruhe und Öhringen sei eine Pünktlichkeit von 81,6 Prozent erreicht worden. Die AVG hatte sich für diese Strecke einen Zielwert von 86 Prozent vorgenommen.

Fahrermangel macht der AVG Probleme

Die Hauptursache sei die Nichtverfügbarkeit von Fahrpersonal. „Im Jahr 2017 waren knapp 57 Prozent der Fahrtausfälle durch einen Mangel an Triebfahrzeugführern verursacht“, schreibt die AVG. Zur rechnerischen Sollgröße sei „leider ein Unterbestand von etwa 35 Mitarbeitern“ zu verzeichnen. Obwohl der KVV in den vergangenen drei Jahren massiv die Bemühungen in der eigenen Ausbildung verstärkt habe, sei lediglich eine Halbierung des Personaldefizits gelungen. Die Konkurrenzsituation „mit einer Vielzahl attraktiver Arbeitgeber, die ebenfalls händeringend nach fähigem Personal suchen“, erschwere es, die Ausbildungskurse zu füllen. Überdies gingen Mitte 2019 zwei Wettbewerber an den Start, die eine nicht unerhebliche Menge an Fahrpersonal benötigen und auf dem Markt „wildern“. Andere Gesellschaften würden mit Prämienzahlungen „aggressiv Personal abwerben“. Auch bei der Information der Fahrgäste über ausfallende Fahrten und Verspätungen räumt das Unternehmen Defizite ein. Es sei nicht gelungen, eine neue Programmierung des Betriebsleitsystems zu realisieren.

Eingleisige Abschnitte sollen angegangen werden

Grundsätzlich leide die Pünktlichkeit der S 4 unter der nur mangelhaft ausgebauten Infrastruktur der Kraichgaubahn. Wichtige Ausbauschritte müssten zwischen Grötzingen und Gölshausen angegangen werden. Insbesondere die langen eingleisigen Abschnitte zwischen Grötzingen und Jöhlingen und zwischen Wössingen und Bretten sorgten regelmäßig für deutliche Verspätungen.

von Arnd Waidelich