Gemeinsam gegen die Wohnungsnot: (stehend von links) Stefan Murr, Achim Lechner und Rüdiger Heger (Diakonisches Werk), Stefan Kleck (Stadtwerke), die Pfarrer Dietrich Becker-Hinrichs und Harald Maiba, Gerd Lehmann (Wohnungsbau) und (sitzend) Peter Leinberger (Dr. Gaide-Stiftung und Bürgermeister Michael Nöltner.
Gemeinsam gegen die Wohnungsnot: (stehend von links) Stefan Murr, Achim Lechner und Rüdiger Heger (Diakonisches Werk), Stefan Kleck (Stadtwerke), die Pfarrer Dietrich Becker-Hinrichs und Harald Maiba, Gerd Lehmann (Wohnungsbau) und (sitzend) Peter Leinberger (Dr. Gaide-Stiftung und Bürgermeister Michael Nöltner. | Foto: Ebert

341 Gesuche liegen vor

Die Wohnungsnot in Bretten ist groß – Initiative soll helfen

Anzeige

Die Wohnungsnot in Bretten ist groß. Etliche hundert Wohnungen werden dringend gesucht, der Markt gibt sie nicht her. Die Initiative „Wohnraum für alle“ will etwas dagegen tun: Mit Wohnungspaten sollen Leerstände ausfindig gemacht werden.

Ich kenne einen, der kennt eine, die kennt einen, der eine seit langem leerstehende Wohnung hat. Vielleicht könnte man da mal nachfragen, ob er nicht vielleicht doch …. Mit dieser Idee will eine Initiative in Bretten jetzt ein drängendes Problem angehen.

Denn die Wohnungsnot ist auch in Bretten groß: 341 Gesuche liegen derzeit bei der Städtischen Wohnungsbau GmbH vor, und das sind nur die dringlichsten. Nach Einschätzung des Diakonischen Werkes bleiben viele Menschen bei der Wohnungssuche auf der Strecke.

70 Anfragen verzweifelter Menschen

„Wir hatten allein in den vergangenen Wochen rund 70 Anfragen verzweifelter Menschen, die hier eine Wohnung suchen“, sagt Achim Lechner, der Dienststellenleiter des Diakonischen Werks in Bretten.

Menschen mit geringem Einkommen, Alleinerziehende und kinderreiche Familien stünden oftmals vor unlösbaren Problemen. Die Wohnungsnot in Bretten sei erheblich.

Um zumindest Linderung zu schaffen, haben das Diakonische Werk, die Evangelische Kirchengemeinde und die Dr. Gaide-Stiftung in Bretten die Initiative „Wohnraum für alle“ ins Leben gerufen.

Und hat sich weitere Partner ins Boot geholt: Die Stadt Bretten, die Stadtwerke und die Wohnungsbau GmbH sind ebenso mit dabei wie der evangelische Kirchenbezirk und die katholische Kirchengemeinde Bretten-Walzbachtal.

Hohe Zahl an Leerständen

Das gemeinsame Anliegen ist, vor allem leerstehenden Wohnraum zu akquirieren, der an Menschen vermietet werden kann, die auf dem Wohnungsmarkt keine Chance haben.

„Wir gehen davon aus, dass es eine ganze Menge an leer stehendem Wohnraum gibt, der aus ganz unterschiedlichen Gründen nicht genutzt wird“, sagt Stefan Murr. Der Mitarbeiter der Diakonie in Bretten koordiniert das Projekt.

Gründe für die Leerstände können schlechte Erfahrungen mit Mietern, die Furcht vor Mietausfällen oder Vandalismus sein. Oder schlicht der Umstand, dass Vermietung Arbeit macht und die Hausbesitzer auf die Einnahmen nicht angewiesen sind.

Im guten dreistelligen Bereich liegt nach Einschätzung von Gerd Lehmann die Zahl der Leerstände in Bretten. Den Bedarf kennt der Geschäftsführer der Städtischen Wohnungsbau GmbH aus eigener Erfahrung. „Da spielen sich Dramen ab, die Leute stehen bis auf die Straße “, berichtet er vom Andrang auf die Sprechzeiten seiner Mitarbeiter.

Die haben allerdings nur wenig Jongliermasse. Lediglich 20 Wohnungswechsel habe es in diesem Jahr gegeben, und keine 20 neue Wohnungen seien dazu gekommen. Der Wohnungsmangel ist groß.

Wohnungspaten sollen helfen

Über ein großes Netzwerk und ehrenamtliche Wohnungspaten sollen deshalb Haus- oder Wohnungsbesitzer, die über ungenutzten Wohnraum verfügen, für eine Zusammenarbeit gewonnen werden.

Ein Fond, in den die Kooperationspartner je 2.500 Euro einzahlen, steht für die Übernahme von Kautionen oder als Miet-Ausfallbürgschaften zur Verfügung. Die Wohnungspaten helfen beim Finden der passenden Mieter, begleiten die Mietverhältnisse und helfen bei auftretenden Problemen.

„Ich glaube, da schlummert noch einiges an ungenutztem Wohnraum im Privatbereich“, meint Brettens Bürgermeister Michael Nöltner. Den Versuch, über Wohnungspaten, die als Brückenbauer fungieren und bei Vermietern Vertrauen schaffen, hält er für vielversprechend.

„Wir brauchen ein paar gute Beispiele von gelungenen Vermietungen, damit sich die Sache herumspricht“, erklärt Rüdiger Heger vom Diakonischen Werk. Sein besonderer Dank gilt der Brettener Dr-Gaide-Stiftung, die für fünf Jahre die Finanzierung der 25-Prozent-Stelle des Projektkoordinators übernommen hat.