Der Stiftungsrat mit dem Vorsitzenden Peter Leinberger (links) und Achim Lechner von der Diakonie Bretten. Nicht im Bild ist Karl-Heinz Simon vom Rotary Club Bruchsal-Bretten. Im Hintergrund ein Foto der Eheleute Margot und Eugen Gaide. | Foto: Ebert

Kommunalpolitik

Dr.-Gaide-Stiftung in Bretten hat mehr als eine halbe Million Euro an bedürftige Menschen verteilt

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Peter Leinberger, Achim Lechner und Karl-Heinz Simon haben ein schönes Amt: Sie dürfen Geld verteilen. Als Stiftungsrat der Dr. Gaide-Stiftung sind sie dazu sogar verpflichtet. Denn laut Satzung muss das Vermögen der Stiftung innerhalb von zehn Jahren aufgebraucht werden.

Die Hälfte der Zeit ist bereits abgelaufen, der kleinere Teil des Vermögens ausgegeben. Im Pressegespräch präsentiert der Stiftungsrat seine Halbzeitbilanz. Und die kann sich durchaus sehen lassen.

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Einzelfallhilfe für Menschen in Not

In den vergangenen fünf Jahren hat die Stiftung soziale und kulturelle Einrichtungen unterstützt, Schüler gefördert und Menschen in sozialen Notlagen geholfen. Unterstützt wurden Einrichtungen wie das Melanchthonhaus, die Lebenshilfe, der Tafelladen, das Hohberghaus und das Diakonische Werk.

Aber auch Schulen, Kindergärten und Kirchengemeinden kamen in den Genuss großzügiger Zuwendungen.
Das Diakonische Werk sei oft mit Anliegen, Anfragen und Notlagen konfrontiert, für die es keine öffentlichen Zuschüsse und Hilfen gibt, berichtet Achim Lechner, der Leiter der Einrichtung. „Wir wüssten nicht, wo wir Geld für solche Fälle und Projekte herbekommen sollten, wenn es die Dr. Gaide-Stiftung nicht gäbe“, sagt er.

Genau für solche Fälle sei sie von den Gründern ins Leben gerufen worden. „Onkel Eugen und Tante Margot hatten als engagierte evangelische Christen ein großes Herz für Menschen in Not“, sagt dazu Peter Leinberger, der Vorsitzende des Stiftungsrats, dessen Frau die Nichte von Margot Gaide ist.

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Unterstützung für soziale Einrichtungen

„Ein Grundsatz der Stiftung ist, dass niemand aufgrund seines Geschlechts, seiner Abstammung, seiner Hautfarbe oder Religion von einer Förderung ausgeschlossen werden darf“, informiert Leinberger weiter.

So habe man vor einigen Jahren beispielsweise die Überführungskosten für einen verunglückten jungen Mann aus dem Kosovo übernommen. Dessen Eltern wollten den Sohn in der Heimat begraben, hatten aber nicht die Mittel dafür. „Einzelfallhilfe für unverschuldet in Not geratene Menschen“ lautet dazu der einschlägige Passus in der Stiftungssatzung.

Kletterwand für Hohberghaus

Zuschüsse für Sachkosten von sozialen oder kirchlichen Einrichtungen werden gleichfalls gewährt. So wurde die Einrichtung einer Küche in der Tagesstätte für psychisch kranke Menschen mit 50.000 Euro unterstützt.

Das Hohberghaus bekam ein Whiteboard und eine Kletterwand, der Tafelladen ein neues Kühlfahrzeug. „Für alle diese Belange gibt es keine öffentlichen Fördergelder“, sagt Achim Lechner. Die Stiftung unterstützt überdies die Begabtenförderung an der Brettener Jugendmusikschule, finanziert Sprachkurse für Flüchtlingskinder und sorgt für deren Erstausstattung zum Schulbeginn.

Ein Projekt von vielen, das die Dr.-Gaide-Stiftung in den vergangenen Jahren unterstützt hat: die neue Kletterwand am Brettener Hohberghaus.
Ein Projekt von vielen, das die Dr.-Gaide-Stiftung in den vergangenen Jahren unterstützt hat: die neue Kletterwand am Brettener Hohberghaus. | Foto: BNN

„Wohnraum für alle“

Manche Projekte gäbe es ohne die Dr. Gaide-Stiftung in Bretten nicht. So beispielsweise die Initiative „Wohnraum für alle“, die zusammen mit der katholischen und evangelischen Kirchengemeinde, der Stadt und weiteren Netzwerkpartnern im vergangenen Jahr ins Leben gerufen wurde.

Für fünf Jahre finanziert die Stiftung eine 25-Prozent-Stelle für den Projektkoordinator – 75.000 Euro stellt sie für das Vorhaben zur Verfügung, mit dem günstiger Wohnraum für Bedürftige gefunden und bereitgestellt werden soll. „Über Weihnachten haben wir die erste Wohnung vermittelt“, berichtet Lechner jetzt von ersten Erfolgen.

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Nicht zuletzt schüttet die Stiftung Preisgelder aus: 10.000 Euro sind es für einen Preis zur Förderung der Forschung auf dem Gebiet der Augenheilkunde, 500 Euro stehen für einen Sozialpreis für Abiturienten der Beruflichen Schulen Bretten zur Verfügung.

547.000 Euro des Vermögens hat der Stiftungsrat in den vergangenen fünf Jahren bereits ausgegeben, wobei die Sachkostenzuschüsse mit knapp 250.000 Euro der dickste Brocken waren. 127.000 Euro wurden für Projektförderungen verwendet, rund 115.000 Euro als Personalkostenzuschüsse.

Die Dr. Gaide-Stiftung wurde im Dezember 2014 gegründet und geht auf den Brettener Mediziner und Amtsarzt Eugen Gaide und seine Frau Margot zurück. Die Eheleute hinterließen ihr Vermögen dieser Stiftung, die in Bretten und Knittlingen soziale und kulturelle Einrichtungen und Belange fördert.
Die Stiftung ist als verbrauchende unselbstständige Stiftung angelegt. Das heißt, das Stiftungsvermögen wird aufgebracht, laut Satzung muss dies innerhalb von zehn Jahren geschehen. Als unselbstständige Stiftung arbeitet sie immer mit lokalen Partnern zusammen.
Die Stiftung verleiht außerdem jährlich einen mit 10.000 Euro dotierten Preis zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung auf dem Feld der altersabhängigen Makuladegeneration (AMD). Dieser Preis dient auch der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses. Margot Gaide litt selbst an dieser Augenerkrankung, die gemeinhin unter dem Namen „gelber Fleck“ bekannt ist.
Dem Stiftungsrat gehören neben Peter Leinberger, als Familienvertreter der Vorsitzende des Gremiums, Achim Lechner, der Leiter der Diakonie in Bretten, und Karl-Heinz Simon vom Sozialausschuss des Rotary Clubs Bruchsal-Bretten an. Sie entscheiden über die Verwendung der Stiftungsgelder und bewilligen finanziellen Hilfen.