STECKEN IN FAST JEDEM KÜCHENGERÄT WELTWEIT: E.G.O.-Produkte. Das Foto zeigt Strahlungsheizkörper, die hier am Stammsitz in Oberderdingen hergestellt werden. | Foto: E.G.O.

Oberderdinger Unternehmen

E.G.O., Blanco & Co – das Herz der Küchenwelt

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Von Oberderdingen aus gesteuerte Werke rund um den Globus und weltweites Renommee in der Branche: Der 10 800-Einwohner-Ort mit seiner Blanc & Fischer-Familienholding ist das Herz der globalen Küchen-Welt. Die größte ihrer sechs Einzelgesellschaften ist die E.G.O.-Gruppe – es gibt kaum einen Hausgeräte-Hersteller, der keine Komponenten im Kraichgau ordert. Und die Blanco-Gruppe ist global die Nummer zwei bei Spülen.

Die Familienholding hat im vergangenen Jahr mit 1,192 (2016: 1,163) Milliarden Euro erneut ihr bestes Ergebnis erzielt. Sie beschäftigt 8 415 (zuvor: 8 377) Mitarbeiter. Nach Angaben von Johannes Haupt, Vorsitzender der Geschäftsführung, ist die Dachgesellschaft kerngesund: Sie hat keine Schulden, stemmt Investitionen aus eigener Kraft und hat eine Eigenkapitalquote von über 60 Prozent. Und dennoch richtet sich die Holding neu aus. Haupt nennt an diesem Donnerstag vor Journalisten Gründe: Sie ist stark gewachsen, wurde mit 53 Standorten in 22 Ländern komplexer.

Wandel bei der Blanc & Fischer-Familienholding

Sichtbares Zeichen dafür, dass aus der Finanzholding nun eine Managementholding wird, ist die neue Zentrale. Sie soll noch in diesem Jahr fertig werden – für rund 225 Mitarbeiter. Diese kümmern sich gruppenweit um Aufgaben, die nicht Teil des Kerngeschäfts der Einzelgesellschaften sind. Recht, Steuer, Risikomanagement und strategischer Einkauf sind einige Beispiele. Die Neuausrichtung diene „nicht dazu, die Zahl der Mitarbeiter zu verringern“, betont Haupt.

Er und seine Kollegen Karlheinz Hörsting sowie Benno Rudolf werden sich wohl 2019 aus der Geschäftsführung der E.G.O.-Gruppe zurückziehen und sich auf die Holding konzentrieren. Die Suche nach einem neuen E.G.O.-Chef läuft.

E.G.O. bekommt Lieferantenengpässe zu spüren

Die Ziele der Familienholding sind ehrgeizig. Geplant ist ein Umsatzplus von 5,9 Prozent auf 1,25 Milliarden Euro. Ambitioniert auch deshalb, weil ihre E.G.O.-Gruppe im vergangenen Jahr das geplante Umsatzplus von fünf Prozent klar verfehlt hat. Letztlich wurden es nur 609 (2016: 606) Millionen Euro. Und die Ursache dafür ist (noch) nicht komplett aus der Welt: Nach den Worten der E.G.O.-Geschäftsführer Haupt und Wolfgang Bauer gibt es weltweit Lieferengpässe bei Elektronikkomponenten wie Controllern und Transistoren. Das liegt an der hohen Nachfrage aus dem Automobilbau und an der Elektromobilität. Stichworte sind hier E-Bikes und E-Scooter. Die Lieferanten, die überwiegend in Asien produzieren, haben noch nicht wie nötig ihre Kapazitäten ausgebaut. Laut Haupt entgingen E.G.O. dadurch im vergangenen Jahr „25 bis 30 Millionen Euro Umsatz“. Immerhin fuhr E.G.O. beim Gewinn „erneut das beste Jahr der Unternehmensgeschichte“ ein, so Bauer – konkrete Zahlen zum Gewinn werden traditionell nicht genannt.

Der Trend weg von der Elektromechanik hin zur Elektronik setzt sich fort: Pfannen mit eingebautem Sensor, die dem Herd je nach Bratgut das Signal für die richtige Hitze senden, gibt es bereits. Ebenso Kochrezepte aus dem Internet, die die Köchin oder der Koch nur noch in seiner High-Tech-Küche abarbeiten muss. „Ich erwarte, dass spätestens in zehn Jahren nur noch vernetzte Geräte auf den Markt kommen“, unterstreicht Bauer. E.G.O. ist traditionell innovationsstark und sieht sich für weitere technische Herausforderungen gut gerüstet.

Asien sei enorm wichtig für E.G.O. Bauer: „Zehn der 15 größten Hersteller in der Hausgeräteindindustrie kommen aus Asien. Die Anzahl der dort produzierten Geräte ist größer als die der in Europa und Amerika produzierten zusammen.“ E.G.O. hat deshalb neue Vertriebsniederlassungen in Shanghai und in Seoul eröffnet. Das chinesische Werk in Taicang wird erweitert. Zudem entwickele man verstärkt spezielle Geräte für den asiatischen Mark.

Aber auch in Oberderdingen läuft es gut: Im vergangenen Jahr wurde die sogenannte Dickschichtfertigung – das sind innovative, kleine Heizsysteme – erweitert. Nun wird ab Sommer diese Produktion erneut für über drei Millionen Euro vergrößert, so Hörsting. Oberderdingen bleibt auch deshalb in der globalen Küchen-Fachwelt eine gefragte Adresse.

 

• E.G.O.-Gruppe (Oberderdingen)
• Gründungsjahr: 1931
• Produkte: Vor allem elektrische und elektronische Komponenten für Hausgeräte-Hersteller
• Vorsitzender der Geschäftsführung: Johannes Haupt
• Umsatz: 609 (2016: 606) Millionen Euro
• Jahresüberschuss: k. A.
• Mitarbeiterzahl: 5 740 (2016: 5 795)
• www.egoproducts.com