E-Scooter werden in vielen Großstädten einfach an Ort und Stelle liegen gelassen, weshalb die elektrischen Tretroller mittlerweile für viel Verdruss sorgen.
E-Scooter werden in vielen Großstädten einfach an Ort und Stelle liegen gelassen, weshalb die elektrischen Tretroller mittlerweile für viel Verdruss sorgen. | Foto: dpa

Nöltner will Mobilitäts-Port

E-Scooter sind aktuell kein Thema in Bretten

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Aktuell rollen keine E-Scooter durch Bretten. Das wird zumindest in naher Zukunft so bleiben. Dafür sollen möglichst bald noch mehr E-Bikes auf den Brettener Straßen unterwegs sein.

Hype ist längst vorbei

Der Hype, den die flächendeckende Anschaffung und Nutzung von Elektrorollern in Großstädten Mitte des vergangenen Jahres ausgelöst hatte, ist längst vorbei. Unter anderem die damit verbundenen hohen Kosten und der Umstand, dass diese von privaten Unternehmen angebotenen E-Scooter nach ihrer Benutzung meist achtlos an Ort und Stelle liegen gelassen werden, haben binnen weniger Wochen für einen herben Dämpfer, verbunden mit einem Stimmungsumschwung, gesorgt.

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Über E-Scooter, die – so war die Vision von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer – eigentlich einen entscheidenden Beitrag zum Umbau innerstädtischer Mobilität leisten sollten, spricht kaum noch jemand. Dieser Trend war quasi vorbei, bevor er überhaupt richtig Fahrt aufgenommen hatte.

An Bretten ist das Thema E-Scooter bislang nahezu komplett vorbeigegangen, daran wird sich nach Einschätzung von Bürgermeister Michael Nöltner aus zwei Gründen auch zunächst einmal nichts ändern. „In den größeren Städten bieten bekanntlich private Unternehmen diese E-Scooter an. Davon ist bisher niemand auf uns zugekommen, der das hier machen wollte“, erklärt Nöltner und betont: „Ich muss aber ganz ehrlich sagen, dass ich dieses Thema aufgrund der in anderen Oberzentren gemachten Erfahrungen jetzt auch nicht forciere.“

Da die E-Scooter-Anbieter meist kaum damit hinterherkommen, die an jeder Ecke abgelegten elektrisch angetriebenen Tretroller einzusammeln, gibt es in etlichen deutschen Großstädten mancherorts fast keine Straßenzüge mehr, die noch E-Scooter frei sind, sagt Nöltner: „Deshalb sieht die Bevölkerung dieses Thema inzwischen eher als nervend an.“

Mobilitäts-Port für die Melanchthonstadt

Ganz vom Tisch ist das Thema in der Melanchthonstadt freilich nicht. Mit Blick auf die sogenannten Mobilitäts-Ports, die der Karlsruher Verkehrsverbund (KVV) im Zuge seines Projekts „Regiomove“ in der badischen Region plant, könnte auch in der Melanchthonstadt ein Markt für eine E-Scooter-Nutzung entstehen.

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Nöltner jedenfalls hofft, dass Bretten eine dieser Mobilitätsstationen bekommt, wenn der KVV beim nächsten Mal über weitere Standorte seiner Mobilitäts-Ports entscheidet. Denn „für die letzten paar Meter“ oder „für die letzte Meile“ seien E-Scooter – neben Leih-Fahrrädern – sicher auch in der Großen Kreisstadt eine mögliche Option oder zumindest eine diskutierenswerte Variante, so Nöltner: „Man könnte hier dann eine Art Leihstelle machen und E-Scooter anbieten.“

Gerade für Pendler, die den Öffentlichen Personennahverkehr nutzen, könnte ein solches Angebot interessant sein, um beispielsweise die letzte Etappe vom Bahnhof zum Arbeitsplatz mit einem Elektroroller zurückzulegen. Natürlich müsse dies aber vor allem in finanzieller Hinsicht „ordentlich zu Ende gedacht“ werden, versichert Nöltner.

Auch Leute, die zum Einkaufen in das Städtle kommen, hätten mit so eine weitere Möglichkeit, um problemlos und recht schnell ins Zentrum rund um den Marktplatz zu kommen. „Und diese Leute brauchen die E-Scooter dann ja auch wieder, um zurück zum Bahnhof zu gelangen – insofern würde man so das Problem, dass die Roller einfach irgendwo abgelegt werden, zumindest ein Stück weit minimieren“, erklärt Nöltner.

Friedrichstraße als Fahrradstraße

Daneben hofft der Bürgermeister, dass im Zuge des Brettener Mobilitätskonzepts bald noch mehr Elektrofahrräder durch die Melanchthonstadt rollen. Eine Maßnahme hierzu soll die geplante Umwandlung der Friedrichstraße in eine sogenannte Fahrradstraße sein; diesen Vorschlag hatte Oberbürgermeister Martin Wolff jüngst beim Neujahrsempfang der Stadt vorgebracht.

Dies wäre dann wiederum ein Teilstück der rund 2,5 Kilometer langen Ost-West-Verbindung zwischen dem Schwimmbad und dem Bahnhof, die vor allem für Fahrradfahrer und damit auch für E-Bikes attraktiver gemacht werden soll.

In Sachen Elektromobilität ist Bretten übrigens schon jetzt gut in Fahrt. Acht E-Fahrzeuge haben die Stadt und die Stadtwerke in Betrieb, dazu kommen noch drei der sogenannten „zeozweifrei.unterwegs“-Flitzer, die als E-Carsharing zur Verfügung stehen und von der Bevölkerung rege genutzt werden.

Gleiches gilt für die beiden E-Bikes des Rathauses, die bei den Rathausmitarbeitern bestens ankommen. Auch der Bürgermeister ist selbst begeisterter E-Radler. „Ich habe keinen Dienstwagen und nutze deshalb sowohl unsere E-Autos, als auch die E-Bikes. Wenn ich in der Kernstadt unterwegs bin, nehme ich in der Regel das E-Bike und fahre damit zu Terminen“, betont Nöltner: „Da findet man zum einen problemlos einen Parkplatz. Zum anderen ist man im Kernstadtverkehr mit dem Fahrrad einfach immer schneller, als wenn man mit dem Auto fährt.“

Infoveranstaltung zum Mobilitätskonzept

Erste Ergebnisse aus dem Mobilitätskonzept sollen den Brettener Bürgerinnen und Bürgern laut Nöltner übrigens spätestens in der zweiten Jahreshälfte vorgestellt werden. Am 6. Februar wird hierzu zunächst der rund 35-köpfige Beirat – diesem gehören Vertreter der Fraktionen, der Feuerwehr, der Polizei sowie der Bürgerinitiative Verkehrsentlastung Bretten (BIVEB) an – tagen.

Im März sollen die Ergebnisse im Gemeinderat öffentlich gezeigt werden, ehe in den darauffolgenden Monaten eine Bürger-Infoveranstaltung geplant ist.