Konzentriert programmiert Lars Skoda im Kinostar Bretten das Filmprogramm für die kommende Woche, inklusive Licht an und aus oder den Laufzeiten von Werbetrailern..
Konzentriert programmiert Lars Skoda im Kinostar Bretten das Filmprogramm für die kommende Woche, inklusive Licht an und aus oder den Laufzeiten von Werbetrailern.. | Foto: Thienes

Wie Kino heute funktioniert

Ein Blick hinter die Kulissen im Kino in Bretten

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Das Gerät sieht aus wie ein Monster-Beamer mit Schnorchel. Der digitale Projektor wirft den Film durch ein Fenster auf die Leinwand. Aus dem Vorführraum des Kinos hinaus und über die Köpfe der Zuschauer hinweg. Wie das Vorführen von Filmen heute funktioniert, erläutert der Brettener Lars Skoda.

Der Theaterleiter der Kinostar Filmwelt in Bretten schätzt nach ein paar Blicken, das Gerät misst wohl 50 auf 70 auf 10 Zentimeter. Der „Schnorchel“, ein dickes Metallrohr, zieht indessen keine Luft an, sondern leitet Heißluft ab. Denn Beamer samt Server entwickeln mächtig Wärme. „Sonst würde es bis zu 60 Grad warm hier,“ so Skoda. Ja, die Stromkosten sind in einem Kino auch nicht ganz unerheblich. Für jeden Saal kommt neben dem eigenen Projektor und dem eigenen Server noch die Tonanlage hinzu.

Und nicht zu vergessen: die Lampen in den Beamern. Einer der drei Projektoren im Kinostar beinhaltet eine 1.600-Watt-Lampe, eine hat 3.000 Watt und die dritte Lampe für den größten Saal bietet gar heiße 6.000 Watt Leistung.

Überblendzeichen? Das war einmal.

Die Kino-Digitalisierung hat um 2009 in Bretten Einzug gehalten. Avatar war der erste Film, der in der neuen Technik gezeigt wurde und das gleich in 3D. In Jahresschritten tauschte Skoda dann die Projektoren und die Prozessoren in den Tonanlagen aus und kaufte Server hinzu. Diese Prozessoren wandeln digitale Tondaten in hörbaren Ton um.

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Die Zeiten sind passé, in denen das Surren der Filmrollen im Kinosaal zu hören war. Zu hören ist allerdings ein beachtliches Beamerrauschen, wenn auch nur im Vorführraum. Vorbei sind die Zeiten der kleinen Kringel in der Filmecke, die Überblendzeichen, die zum Kino gehörten wie Popcornduft.

Auch das Kino zeigt Akte

Ob er die Handarbeit des früheren Vorführens vermisst? Lars Skoda grinst: „Nein, eher nicht.“ Das Aneinanderkleben der Filmstreifen auf dem Richttisch war ja schon ein Fortschritt. Noch weiter zuvor war mit zwei Projektoren gearbeitet worden. Der zweite wurde zugeschaltet, wenn sich der sogenannte Akt – auch im Kino heißen die einzelnen Teile wie im Theaterstück  – im ersten Projektor gen Ende neigte und die folgende Filmrolle mit dem nächsten Akt von diesem abgespult werden sollte.

Im Vordergrund der alte Projektor. Er war bis 2009 noch im Einsatz. Avatar war der erste digitale Streifen, der in Bretten gezeigt wurde.
Im Vordergrund der alte Projektor. Er war bis 2009 im Einsatz. Avatar war der erste digitale Streifen, der in Bretten gezeigt wurde. | Foto: Thienes

Skoda nimmt einen der alten Filmstreifen zur Hand, die noch neben dem Beamer auf einer Rolle von sicher 70 Zentimetern Durchmesser auf der sogenannten Telleranlage liegen. Auf dem Filmstreifen ist am Rand eine schmale blaue Spur zu sehen und darin zwei dünne Fäden. „Da ist der Ton drauf“. Von dort wurde er abgenommen, bevor der Surroundkanal auf dem Filmstreifen die Tonspuren ablöste.

Einer für alles, von Einlass bis Eis

Und welch einen Ton die 7.1 Surroundanlage im Saal bietet, führt er sogleich vor. Dank sieben Kanälen „hört man, dass die Tür hinten rechts zu geht“, schwärmt er. „Bei der vorigen 5.1-Anlage hörte man nur, dass die Tür seitlich irgendwo geschlossen wurde.“

Filmvorführer verschwinden seit der Digitalisierung. Aber Filme einspannen oder zurückspulen, wenn man alles programmieren kann? Heute ist der Vorführer für den Gesamtablauf des Kinoabends verantwortlich. Vom Einlass, dem Verkauf von Eis und für andere Serviceleistungen bis hin zum Wegkehren mancher Hinterlassenschaften, sagt Ulli Liebhauser, der Mann für alles neben Lars Skoda.

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Der Chef beugt sich im Vorführraum in Richtung Server. „Ein Film hat zwischen 100 und 300 Gigabyte. Wir bekommen sie auf Festplatte zugeschickt und laden sie hoch auf unsere Server oder manchmal auch übers Internet.“

Man hört, dass die Tür hinten rechts zugeschlagen wird.

Lars Skoda, Theaterleiter Kinostar Filmwelten Bretten

Das könne auch mal bis zu drei Nächten dauern. Da die Filme codiert seien erhalte er zudem je Film einen Schlüssel. Und der funktioniere nur mit Seriennummer des Projektors und des Films.

Auf dem Display vor Lars Skoda steht eine kryptisch anmutende Zeichenfolge „S-DE-XX…“ Er erläutert: S meint Scope, das Filmformat. DE steht für einen deutschen Film und daraus ergibt sich, warum zwei X folgen: Denn ein deutscher Film hat keine Untertitel. Einmal wöchentlich spielt Skoda englische Filme.

Vom Kunstfilm bis zum Kassenschlager

Montag und Mittwoch sind Arthouse-Kino-Tage und samstags kommen in der Spätvorstellung Fans von Überraschungen auf ihre Kosten – bei den Sneakpreviews, Filmvorschauen vor deren offiziellem Start und ohne zu wissen, welche.

Und so programmiert Lars Skoda einmal wöchentlich vor dem Filmwechsel zum Donnerstag alle neuen Streifen ein, ihren täglichen Anfang und Ende und ihre Spieldauer über die Wochen hinweg. Der Standardvertrag läuft über drei Wochen. Die Eiskönigin läuft seit 20. November und immer noch.

Werbung muss sein

Und Skoda programmiert, ebenfalls auf die Zehntelsekunde genau, wann die Projektorklappe aufgeht, wann der digitale Ton zugeschaltet wird oder dann auch die Zeit für lokale oder überregionale Werbetrailer. Werbung sei auch ein Zuverdienst, sagt er. Denn von einem Ticket bleibt ihm etwa die Hälfte. Die andere geht an den Verleih. Aber er achte darauf, dass die Werbung inklusive Filmtrailern nicht die Viertelstunde überschreite. Es klingt wie ein Versprechen.

Und wenn am Ende das Licht im Kinosaal erlischt, war das auch Lars Skoda. Er hat es so einprogrammiert.