Vor dem Rathaus in Söllingen: Der Sprecher des Koordinationsteams der Pfinztaler Flüchtlingshilfe Ingolf Hertlin, mit Bürgermeisterin Nicola Bodner und dem Journalisten und Filmemacher Walter Brähler (von links). | Foto: Kastner

Filmprojekt in Pfinztal

„Ein Test auf Menschlichkeit“

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Wenn man den Journalisten und Filmemacher Walter Brähler fragt, wie sein aktuelles Filmprojekt angelaufen ist, sagt er, dass es ein Start von Null auf 100 in allerkürzester Zeit war. „Zuflucht in Pfinztal – Chronik einer angekündigten Prüfung“, heißt seine Momentaufnahme, die ein Jahr lang die Situation von Flüchtlingen in Pfinztal porträtiert, und was passiert, wenn sie auf die Gesellschaft und kommunale Behörden treffen – ein filmisches Dokument, wie Flüchtlinge die Gemeinde verändert haben, aber auch wie die Gemeinde die Flüchtlinge verändert hat.

Filmpremiere im Rahmen der Heimattage Baden-Württemberg

Am Freitag, 16. Juni, feiert der Film im Rahmen der Heimattage Baden-Württemberg im Stadtmedienzentrum in Karlsruhe Premiere. „Es ist ein Test auf Menschlichkeit“, sagt Brähler zum Untertitel seines Ein-Mann-Projekts – die Flüchtlingsbewegung sei eine Prüfung für Land und Gemeinde, wie man miteinander umgehe. Die Initialzündung, so Brähler, sei das Willkommensfest in Pfinztal im Dezember 2015 gewesen. Im Januar 2016 wurden dann die anerkannten Flüchtlinge von der Gemeinschaftsunterkunft in die Anschlussunterbringung in den Pfinztaler Ortsteil Söllingen verlegt. „2016 war ein Schlüsseljahr“, sagt der Filmemacher, der seit zwölf Jahren in Pfinztal lebt. Genau hinschauen war sein Credo, um in der Rolle als neutraler Beobachter zu erkennen, was gut und was weniger gut läuft.

97-minütige Momentaufnahme von Flüchtlingen und Gemeinde im Jahr 2016

Es gab viele Diskussionen, Zusammenkünfte, Demonstrationen und Feste. „Alles was eine lebendige Demokratie ausmacht“, betont er. Auch Gegner habe er versucht vor die Kamera zu bekommen. „Die gehören auch ins Gesamtbild dazu“.
Er habe mit vielen Flüchtlingen geredet, berichtet er. Letztlich hätten sich für seinen 97-minütigen Film vier Hauptpersonen herauskristallisiert: Samy, ein junger Informatiker aus der Stadt Homs in Syrien, die Schülerin Alin, die mit Großmutter, Mutter und Geschwistern von Damaskus nach Pfinztal gekommen ist, dazu noch Ingolf Hertlin, Sprecher des Koordinationsteams der Flüchtlingshilfe Pfinztal, und Friedrich Wenz vom Blumenladen in den „Salzwiesen“ zwischen Söllingen und Berghausen. Hertlin war vom Konzept des Journalisten „sofort überzeugt“ und sieht darin auch Öffentlichkeitsarbeit für die Akzeptanz des Ehrenamtes.

Drei Monate Postproduktion

Überflüssiges am Film wegzuschneiden oder Ergänzungen zu machen erfolgte in den drei Monaten der Postproduktion. Er habe immer wieder neue Festplatten kaufen müssen, um das Filmmaterial zu speichern, sagt Brähler scherzhaft über die Produktion seines Werks – acht Terabyte waren es am Ende. Alleine die Tonbearbeitung habe zwei Monate in Anspruch genommen. Auch eine englische Version der Dokumentation soll es geben.

Bodner: Ehrenamt und Verwaltung haben auch erst zueinander finden müssen

Sie sei gespannt auf den Film, sagt Pfinztals Bürgermeisterin Nicola Bodner. „Es hat sich entwickelt“, sagt sie über die Flüchtlingshilfe und die Arbeitskreise. Die Kommune biete ein Dach dafür. Die richtigen Fragen seien diesbezüglich von Anfang an gestellt worden, wobei Ehrenamt und Verwaltung auch erst zueinanderfinden mussten. Es sei nicht alles reibungslos verlaufen, so die Bürgermeisterin.

Wann und wo kann man den Film sehen? „Zuflucht in Pfinztal “ wird am Freitag, 16. Juni, im Landesmedienzentrum in Karlsruhe, Moltkestraße 64, um 18 Uhr im Rahmen der Heimattage Baden-Württemberg gezeigt. Der Eintritt ist frei.