Sichtlich zufrieden sind Tijen Ekinci mit ihrer zehn Monate alten Tochter, die nun eine Wohnung gefunden hat, ihre Wohnungspatin, Suzan Ayaz aus Bretten, und Stefan Murr, der Projektleiter der Initiative, die beim Diakonischen Werk in Bretten angesiedelt ist. | Foto: Rebel

Wohnraum-Projekt trägt Früchte

Ein Zuhause in Bretten für eine glückliche Mutter

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Das Projekt „Wohnraum für alle“ zeigt erste Früchte: Über Weihnachten wurde die erste Wohnung vermittelt. Tijen Ekinci heißt die glückliche Mutter, die mit ihrer zehn Monate alten Tochter Azra Sevgi bald einziehen kann. Sie suchte dringend eine Wohnung und fragte bei der Diakonie nach.

Dort hatte man über eine Kirchengemeinde ein passendes Wohnungsangebot parat. Und auch die erste Wohnungspatin wurde für die alleinerziehende Mutter gefunden: Suzan Ayaz, die in Bretten bereits in der Nachbarschaftshilfe aktiv ist und Deutschkurse für Mütter mit Kindern betreut, hat sich für diese Aufgabe gemeldet.

Leerstände sollen genutzt werden

Und damit ist genau das eingetreten, was sich die Initiatoren erhofft hatten: Dass die Initiative bei potenziellen Vermietern Vertrauen weckt, ungenutzten Wohnraum zur Verfügung zu stellen, dass Wohnungssuchende mit geringem Einkommen etwas Passendes finden und dass dieses Mietverhältnis dann kompetent begleitet wird.

Im Falle der alleinerziehenden Mutter hat die Initiative sogar die Kaution vorgestreckt und eine Ausfallbürgschaft übernommen. Das macht es verunsicherten Vermietern leichter, Leerstände für den ohnehin angespannten Wohnungsmarkt bereitzustellen und damit die Wohnraumnot in Bretten zumindest etwas zu lindern.

Stiftung finanziert Stelle

Dies war auch das Anliegen des Diakonischen Werks in Bretten, die das Projekt zusammen mit der evangelischen und katholischen Kirchengemeinde, dem evangelischen Kirchenbezirk, der Stadt und den Stadtwerken sowie der Dr. Gaide-Stiftung und der Städtischen Wohnungsbau im Oktober 2019 ins Leben gerufen hatte.

Die Dr. Gaide-Stiftung finanziert für fünf Jahre mit insgesamt 75.000 Euro die 25-Prozent-Stelle von Stefan Murr, der das Projekt koordiniert. Jetzt kam mit der Sparkasse Kraichgau ein weiterer Sponsor dazu. Mit insgesamt 10.000 Euro unterstützt die Bank das Vorhaben, für die nächsten vier Jahre jährlich mit 2.500 Euro.

„Ich habe in der Zeitung von diesem Projekt gelesen und war überrascht, dass in einer prosperierenden Stadt wie Bretten eine solche Wohnungsnot besteht“, bekundet Norbert Grieshaber, der Vorstandsvorsitzende des Geldinstituts. Als Sparkasse fühle man sich dem Gemeinwohl und der Region verpflichtet, aus diesem Grund engagiere man sich auch dafür, dem elementaren Bedürfnis nach Wohnraum Rechnung zu tragen.

Vielleicht gehe vom Engagement der Sparkasse auch eine Signalwirkung auf andere potenzielle Sponsoren aus, hofft Grieshaber.

Signalwirkung erhofft

„Wir sind sehr froh, dass sich die Sparkasse trotz schwieriger Geschäftslage aufgrund der europäischen Niedrigzinspolitik dem Problem gegenüber nicht verschlossen hat“, erklärte Brettens Bürgermeister Michael Nöltner. Auch die Stadt habe mit ihrem Engagement das Signal geben wollen, dass hinter dem Projekt „Wohnraum für alle“ seriöse Einrichtungen stehen.

Für manchen Vermieter sei ausschlaggebend, dass er bei der Vermietung kein Risiko eingeht, weil ein Gläubiger im Hintergrund einspringt, wenn es nötig wird. „Wir sind dankbar für solche beständige Förderungen, weil wir davon ausgehen, dass die Wohnraumnot auch noch über die nächsten fünf Jahre hinaus bestehen bleibt“, erklärte der Brettener Diakonieleiter Achim Lechner.

Fünf Angebote und fünf Paten

Fünf Wohnungsangebote lägen derzeit vor, zwei davon seien bereits in trockenen Tüchern, informiert Projektleiter Stefan Murr. Drei ältere Ehepaar hätten sich zudem gemeldet, seien aber nach Intervention ihrer Kinder wieder abgesprungen. „Manche Leute haben Angst vor Ärger mit den künftigen Mietern, diese Angst muss man ihnen nehmen“, erläutert der Projektleiter die Brückenfunktion der Initiative, die genau dies erreichen will.

Auch fünf Wohnungspaten hätten sich bislang gefunden, zwei davon seien Anwälte. Auf rund 800.000 Wohnungen bezifferte Gerd Lehmann, Geschäftsführer der Brettener Wohnungsbau GmbH, den aktuellen bundesweiten Bedarf. Auf 1,2 Millionen Wohnungen werden die Leerstände geschätzt. Zahlen, die unterstreichen, wie sinnvoll das Leerstandsmanagement ist. Denn Wohnungen neu zu bauen, braucht Zeit.

Die Initiative „Wohnraum für alle“ wurde im Herbst 2019 ins Leben gerufen, um der Wohnungsnot in Bretten zu begegnen, die vor allem Menschen mit geringem Einkommen betrifft. Das Kernanliegen dabei ist, vor allem leer stehenden Wohnraum für Menschen zu akquirieren, die auf dem Wohnungsmarkt keine Chance haben.
Ein Netzwerk soll entstehen, um potenzielle Vermieter zu gewinnen. Wohnungspaten sollen helfen, Vertrauen zwischen Vermietern und Mietern zu schaffen.
Über einen Fonds können dabei Bürgschaften übernommen oder Darlehen zur Kautionszahlung gewährt werden. Die Mietverhältnisse sollen dann professionell und ehrenamtlich begleitet werden.
Projektleiter beim Diakonischen Werk in Bretten ist der Heilpädagoge und Sozialwirt Stefan Murr. Ein Kontakt ist möglich per E-Mail an stefan.murr@diakonie-laka.de.