Video-Sprechstunde: Die Ärztin Ulrike Zeitler geht mit ihren Patienten Blutwerte oder Befunde durch oder bespricht die Tabletteneinnahme. Das virtuelle Behandlungszimmer ist mit internetfähigem Gerät technisch gut zu bewerkstelligen.
Video-Sprechstunde: Die Ärztin Ulrike Zeitler geht mit ihren Patienten Blutwerte oder Befunde durch oder bespricht die Tabletteneinnahme. Das virtuelle Behandlungszimmer ist mit internetfähigem Gerät technisch gut zu bewerkstelligen. | Foto: Rebel

Kontakt bleibt wichtig

Eine Ärztin in Bretten setzt in Corona-Zeiten auch auf Video-Sprechstunden

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Das Gespräch mit dem Gegenüber, der persönliche Eindruck vom Patienten ist und bleibt unersetzbar, sagt Ulrike Zeitler. Die Allgemeinmedizinerin bietet in ihrer Praxis in Bretten als eine der ersten in Corona-Zeiten eine Video-Sprechstunde an.

„Schon, wie ein Mensch hereinkommt, ob seine Augen glänzen, sein Händedruck weich oder die Körperhaltung ohne Spannung erscheint, ob er vielleicht schwitzt oder welchen Eindruck seine Mimik und Gestik machen, ist am Bildschirm schlecht zu beurteilen“, begründet Zeitler, weshalb sie ihre Patienten lieber doch persönlich sehen und untersuchen will.

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Es ist still in der Leitung, bevor die Ärztin beantwortet, ob die Videosprechstunde das Arzt-Patienten-Verhältnis nach ihrer Ansicht beeinflussen könne. „Wenn die Videosprechstunde nicht der einzige Kontaktweg ist und es auch nicht über zu lange Zeit bleibt, glaube ich, wird sich das Arzt-Patienten-Verhältnis nicht dauerhaft ändern“, sagt sie. Lediglich, wo übermäßig Video-Betreuung stattfinde, sehe sie mögliche Gefährdungen für das wichtige Vertrauensverhältnis.

Video-Sprechstunde ist noch ein Novum

Noch ist die Videosprechstunde bei Ulrike Zeitler ein Novum. Sie erkundigte sich Anfang März bei der Kassenärztlichen Vereinigung Baden-Württemberg über zertifizierte Anbieter sicherer und auch datenschutzrechtlich zuverlässiger technischer Programme. Erst etwa gegen Ende März, vor rund einem Monat, machte sie mit einem noch recht kleinen Teil ihrer Patienten dennoch gute Erfahrungen.

„Wer mit digitalen Medien ein wenig vertraut ist, kann mir beispielsweise seine Blutdruckwerte zusenden, wir können auch die Tabletteneinnahme gut am Bildschirm besprechen oder gegebenenfalls Befunde von Fachärzten, bei denen Fragen offen blieben“, schildert Zeitler. Zudem gebe es in diesen Zeiten auch oft Gesprächsbedarf bezüglich der familiären Situation, wo manche konfliktreiche Konstellation zu meistern sei.

Teilnehmer sind zwischen 25 und 50 Jahren alt

Ihre Teilnehmer an der Videotelefonie seien bisher zwischen 25 und 50 Jahren alt, sagt die Ärztin. Auch Bild- und Tonqualität seien meist überraschend gut. Die Akzeptanz der Video-Sprechstunde weiter zu steigern ist der Ärztin ein echtes Bedürfnis. Denn es gelte, lieber mehr Patienten zu erreichen, als zu wenige oder manche womöglich zu spät.

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„Manchmal bestehen innere Hemmschwellen vor der Technik, dabei ist sie leicht zu bedienen für jemanden, der die Grundlagen eines Smartphones, Tablets oder eines PC’s kennt und ein solches Gerät mit Internetzugang besitzt.“ Die Ärztin schickt schlicht einen Link per E-Mail. Die Patienten klicken diesen dann zum vereinbarten Zeitpunkt an und betreten so gewissermaßen ein virtuelles Wartezimmer. Sie selbst, so Ulrike Zeitler, trete dem Video-Treffen ebenfalls einfach zum vereinbarten Zeitpunkt mit einem weiteren Klick bei.

Am Bildschirm ist ein erster Eindruck möglich

Denn wo Herzpatienten zu spät Rat suchten oder chronisch Kranke womöglich wichtige regelmäßige Kontrollen vernachlässigten, könne das gefährlich werden, sagt sie. Auch sei am Bildschirm zumindest ein erster Eindruck möglich, um die Art und Notwendigkeit der ärztlichen Behandlung abschätzen und einleiten zu können. Darum ermutigt Zeitler ihre Patienten, sich zu melden – ob digital oder persönlich.

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Generell bestehe kein Grund zur Sorge, sich beim Besuch in der Praxis mit dem Coronavirus anzustecken. Bei ihr, wie bei inzwischen fast allen Kollegen, würden die potenziell infektiösen Menschen – die sich alle telefonisch anmelden müssten – vom übrigen Praxisgeschehen isoliert behandelt.

Der persönliche Kontakt ist mir wichtiger, er ist mehrdimensional und wertiger.

Ulrike Zeitler, Allgemeinmedizinern

Ulrike Zeitler möchte die Videosprechstunde als auch für Patienten unkomplizierten und bequemen Weg nicht mehr missen. Sie ergänzt aber auch: „Ich möchte meine Patienten noch lieber in regelmäßigen Abständen sehen, wo es notwendig ist. Der persönliche Kontakt ist mir wichtiger, er ist mehrdimensional und wertiger“, so Zeitler. Auch wenn die Videosprechstunde in diesen Zeiten wichtige Hilfestellung leiste.