Zu einem ungewöhnlichen Polizeieinsatz kam es am Sonntagabend in der Brettener Melanchthonstraße. Irrtümlicherweise betraten Polizisten die Wohnung einer Seniorin, weil sie dort eine "akute Gefahrenlage" vermuteten. | Foto: BNN

Polizei am falschen Tatort

Einsatzkräfte schrecken Rentnerin auf

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Zur besten Tatort-Krimi-Zeit am Sonntagabend: Eine 77-Jährige kommt aus dem Bad und ist gerade dabei, es sich im Fernsehsessel bequem zu machen. Ein kratzendes Geräusch an ihrer Wohnungstür erregt die Aufmerksamkeit der Rentnerin aus Bretten. „Ich habe zu allererst an meine Katze gedacht, die vor der Tür steht.“ Doch dem war nicht so. Wie sich für die 77-Jährige schnell herausstellte, gab es eine andere Ursache für das Geräusch. Es war etwas, was man aus einem Krimi kennt – so zumindest die Schilderung der älteren Dame, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte. „Ein Arm griff durch eine Öffnung meiner Haustür. Die Sicherheitskette war bereits ausgehängt, und man war gerade dabei, den im Schloss steckenden Schlüssel umzudrehen.“

Geräusch an der Wohnungstür

Was sich in den Minuten danach in ihrem Haus abspielte, wühlt die Seniorin auch zwei Tage nach dem ungewöhnlichen nächtlichen Besuch noch auf. Fünf oder sechs Polizeibeamte, so genau kann sich die Frau nicht mehr erinnern, drangen in das Haus der allein lebenden Frau in der Melanchthonstraße 63 ein, um dort einen „Einsatz“ abzuwickeln. Das Merkwürdige daran: Die Polizeibeamten hatten dort gar nichts verloren. Es war nämlich die falsche Adresse. Weder die Straße noch die Hausnummer stimmten mit dem tatsächlichen Einsatzort überein. Aber dazu später mehr.
Nachdem die Polizeikräfte den Irrtum am Sonntagabend erkannt hatten, zogen sie ab. „Ohne ein Wort, ohne eine Entschuldigung“, sagt die Betroffene. Besonders dieser unschöne Umstand stört die 77-Jährige kolossal.

Polizeibeamte an der falschen Adresse

Was sich im Haus der Brettenerin zutrug, dafür gibt es zwei Versionen: die der Frau und die der Polizei.
Obwohl sie anfangs nicht wusste, wer ihr gegenübersteht, zeigte sich die Rentnerin in der Situation ziemlich unerschrocken. „Ich riss die Tür auf und fragte: Was ist denn hier los?“ Auf der steilen Holztreppe, die in das zweite Obergeschoss des Hauses führt, standen mehrere Männer in Uniform. „Niemand zeigte mir einen Dienstausweis. Das ist anders abgelaufen als in einem Krimi. Es hätte auch eine Einbrecherbande sein können“, sagt sie im Nachhinein.

Beamte sahen sich in Wohnung um

Ein Uniformierter habe sie von der geöffneten Tür in die Diele und weiter zum Wohnzimmer gedrängt. Gründe für das ihrer Meinung nach unberechtigte Eindringen in die Wohnung seien ihr nicht genannt worden – nicht während des Einsatzes und auch nicht später. Ihr wurden jedoch Fragen gestellt: „Wer wohnt hier noch? Und ob noch jemand da ist?“ Die Beamten sahen sich um in der Wohnung.
Wenige Minuten dauerte der Einsatz in dem zweistöckigen Anwesen, in dem sich im Erdgeschoss ein Bestattungsinstitut befindet. Im ersten Stock steht gegenwärtig eine Wohnung leer. Mit den Polizisten ging die 77-Jährige hinunter bis vor die hölzerne Eingangstür zur Melanchthonstraße. „Dort sind sie in drei Dienstfahrzeuge eingestiegen und weggefahren.“

Revier klärte Seniorin über Irrtum auf

Zurück in ihrer Wohnung griff die Frau zum Telefonhörer und rief beim hiesigen Polizeirevier an und erfuhr, „dass die Beamten nicht in die Melanchthonstraße, sondern in die Weißhofer Straße zu einem Einsatz gemusst hätten“. Die Sache will die 77-Jährige so nicht auf sich beruhen lassen. „Ich bin eine unbescholtene Rentnerin, ich weiß nach wie vor nicht, was am Sonntagabend los war. Ich behalte mir deswegen vor, mich an anderer Stelle zu beschweren.“

„Notruf zu einer akuten Bedrohungslage“

Der Brettener Revierleiter Bernhard Brenner wollte auf Anfrage, wie es zu dem Polizeieinsatz bei der 77-Jährigen am Sonntagabend kam, zunächst eine gründliche Überprüfung des Sachverhalts abwarten, nannte dann aber doch Einzelheiten. Brenner zufolge ging gegen 20.15 Uhr von einer Zeugin ein Notruf wegen einer „akuten Bedrohungslage“ ein, die sich in der Weißhofer Straße zugetragen haben soll. Dabei ging es um einen Streit unter Eheleuten. Die Anruferin habe in ihrer Aufregung der Polizei nicht die korrekte Straße und eine andere Hausnummer mitgeteilt, „weshalb die alarmierten Beamten zunächst die falsche Wohnung aufsuchten“.

Anruferin gab falsche Straße und Hausnummer durch

Dort angekommen stellten die Beamten fest, dass die Hofeingangstür nur angelehnt gewesen sei und der Hausschlüssel außen gesteckt habe. Weil auf Klopfen und Klingeln niemand reagiert habe, verschafften sich die sechs Polizeibeamten wegen der akuten Gefahrenlage Zutritt zu der Wohnung, so Brenner. „Dort hielt sich lediglich die Wohnungsbesitzerin auf. Es konnte schnell geklärt werden, dass es sich um ein Missverständnis handelte.“ Die korrekte Adresse in der Weißhofer Straße, wo der Einsatz hätte schon von Anfang an stattfinden sollen, liegt nur einen Katzensprung vom Polizeirevier entfernt. Dort konnten die Polizisten nach ihrem Eintreffen schnell Entwarnung geben. Noch am Abend habe man die Frau, deren Wohnung irrtümlich betreten wurde, telefonisch darüber informiert, wie es zu dem Versehen kam und habe sich für die Unannehmlichkeiten entschuldigt, sagt Brenner weiter.