Die Insel Elisabethenwört ist als Rückhalteraum im Hochwasserfall vorgesehen. Eine Entscheidung über das "wie" soll noch 2017 fallen. | Foto: RP KA

Hochwasserschutz am Rhein

Elisabethenwört: Furcht vor ökologischen Flutungen

Wie es da noch zur angestrebten Konsenslösung kommen soll, ist schleierhaft. Und das auch noch bis Ende des Jahres. Zwischen dem Arbeitsauftrag des Regierungspräsidiums und den Menschen in Dettenheim und Philippsburg besteht hinsichtlich des Hochwasserschutzes und des dafür geplanten Rückhalteraums Elisabethenwört eine riesige Kluft. Hier die Behörde, die „ergebnisoffen“ die nach den Verfahrensvorschriften optimale Lösung sucht, dort die Bevölkerung und auch die Kommunalpolitiker, für die aus dem Strauß der bisher gedachten Möglichkeiten allenfalls „kleiner Polder ohne ökologische Flutung“ in Frage kommt.

Viele Zuhörer

Bei einer gemeinsamen Sitzung der Gemeinderäte Dettenheim und Philippsburg mit Bürgerfragestunde in der mit rund 150 Zuhörern sehr gut besuchten Rußheimer Pfinzhalle wurde einmal mehr klar, dass bezüglich Elisabethenwört ein sehr dickes Brett zu bohren ist.

Wie vor dem Staustufenbau

Die Ausgangslage ist klar. Das Land ist dabei, einen Staatsvertrag mit Frankreich zu erfüllen, der die Wiederherstellung des Hochwasserschutzes am Rhein auf das Niveau vor dem Staustufenbau vorsieht. Ein Teilstück davon: der Rückhalteraum Elisabethenwört, eine unter Naturschutz stehende Insel im Altrhein zwischen Dettenheim und Philippsburg mit Wald und landwirtschaftlichen Flächen.

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Sechs Varianten

Im Portfolio der auch in einem Projektbegleitkreis diskutierten Optionen gibt es zwei Grundvarianten: Polder und Dammrückverlegung. Beide gibt es in je drei Ausdehnungen – auf die Insel beschränkt, den Althreinarm miteinschließend sowie eine Variante dazwischen. Abgesehen davon gibt es einen besonderen Streitpunkt. Ausweislich eines naturschutzfachlichen Gutachtens sind für den Rückhalteraum Elisabethenwört „ökologische Flutungen“ vorzusehen. Das sei keine Idee des Landes als Träger des Vorhabens, machte Ralf Hübner vom Regierungspräsidium Karlsruhe (RP), der zusammen mit Silke Tänzel den Sachstandsbericht gab, bestimmt ein Dutzend Mal deutlich. Denn diese ökologischen Flutungen fürchtet man in Dettenheim und Philippsburg wie der Teufel das Weihwasser. Sie seien des Hochwasserschutzes wegen nicht erforderlich, sie zerstörten die Elisabethenwört und hätten Folgen für die Menschen und ihre Häuser. So kam es, dass aus Reihen der Gemeinderäte, aber auch später von Bürgerinitiativen sinngemäß gefragt wurde, ob es denn jetzt um Hochwasserschutz oder die Wiederherstellung von Auenlandschaften gehe.

Einfluss des Naturschutzes?

Das hatte eingangs auch Bürgermeisterin Ute Göbelbecker angesprochen. Sie bezog sich dabei auf Äußerungen von Umweltstaatssekretär Baumann, wonach „die Wiederherstellung des Hochwasserschutzes am Oberrhein und die Renaturierung und der Erhalt der Oberrheinauen als gleichrangige Ziele des Integrierten Rheinprogramms in Baden-Württemberg“ zu sehen seien. Hinzu komme, dass Naturschutzverbände Druck darauf ausübten, „endlich“ eine Dammrückverlegung zu verwirklichen. Hierzu bietet Elisabethenwört die letzte Gelegenheit in Baden-Württemberg.
Für Göbelbecker und ihren Philippsburger Kollegen Stefan Martus darf „ein Eingriff in die Natur, in unser Lebensumfeld, nur erfolgen, wenn es tatsächlich und unausweichlich erforderlich ist. Die Beeinträchtigungen für Mensch und Umwelt müssen so gering wie möglich gehalten werden.“

Nichts Neues

Seitens der Gemeinderäte wurde kritisiert, dass erneut „nichts Neues“ und vor allem nicht berichtet wurde, welche Wirksamkeit die einzelnen Varianten bei Hochwasser hätten. Die RP-Vertreter verwiesen darauf, dass dies im weiteren Verlauf des Jahres erfolge und die Ergebnisse in die Variantenbeurteilung einflössen. Deren Kriterien stellte Bruno Büchele vor. Sie sind äußerst vielfältig, weshalb aus dem Gremium auch gefragt wurde, wie sich angesichts der momentanen Faktenlage der Termin Jahresende 2017 für eine Variantenentscheidung halten lasse.

Dissensvermerk

Die Fragerunden machten sehr deutlich, wie weit Behörde und Kommunalvertreter voneinander entfernt sind. Da nutzte es auch nichts, dass man seitens des RP darauf verwies, dass die Auenentwicklung kein „Mindest-, sondern nur ein Abwägungskriterium“ sei. In dieser Sache sei sogar ein „Dissensvermerk“ erfolgt. Um letztlich doch zu einer konsensualen Lösung zu kommen, betonte Bürgermeister Martus am Schluss, „der kleine Polder ohne ökologische Flutung bietet Chancen auf Akzeptanz“.

 

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