Sichere Einnahmequelle: Mit Zeitungen und Zeitschriften können Vereine auch künftig noch Erlös erwirtschaften, Kartons müssen aussortiert werden
Sichere Einnahmequelle: Mit Zeitungen und Zeitschriften können Vereine auch künftig noch Erlös erwirtschaften, Kartons müssen aussortiert werden | Foto: Gerten/dpa

Landkreis Karlsruhe

Entsorger wollen Vereinen bei Altpapiersammlung entgegenkommen

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Die Vereine im Landkreis Karlsruhe können auch in Zukunft noch Geld für Altpapier bekommen. Allerdings werden die Sammelaktionen für sie mit mehr Aufwand verbunden sein.

Der von China verhängte Importstopp für Altpapier hat zu einem kontinuierlichen Preisverfall seit Anfang 2018 geführt. Über den Jahreswechsel allerdings ist der Preis für Altpapier gar ins Minus gerutscht.

Das bedeutet, dass sowohl Vereine als auch kommunale Entsorger wie der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Karlsruhe mit Sitz in Bruchsal mittlerweile dafür bezahlen müssten, dass ihnen gewerbliche Entsorger ihr Altpapier abnehmen. Denn diese wiederum sind davon abhängig, was ihnen die Papierfabriken dafür bezahlen oder was sie mit dem Export ins Ausland letztlich erlösen können. Diese Entwicklung hat dazu geführt, dass viele Vereine zumindest überdenken, ob sie ihre Altpapiersammlungen auch während der Krise weiter anbieten können.

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Für Zeitungen gibt es noch 50 Euro pro Tonne

Jetzt scheint es zumindest eine Teillösung zu geben. „Wir haben die Entsorger um Angebote für sogenanntes Deinking-Papier gebeten – Zeitungen und Zeitschriften, aus denen die Druckfarben entfernt werden können. Für solches Papier gibt es momentan noch rund 50 Euro pro Tonne“, sagt Uwe Bartl, Leiter des Abfallwirtschaftbetriebs.

Die Kühl Entsorgung & Recycling Südwest, die Privathaushalten im Landkreis auf Wunsch auch die blaue Tonne für Altpapier bereitstellt, hatte den BNN bereits Ende Januar angekündigt, dass sie Vereinen ein entsprechendes Angebot machen möchte. „Dazu sind noch zwei weitere Entsorger gekommen“, berichtet Bartl.

Den Ehrenamtlichen bleibt nichts anderes übrig, als Zeitungen und Zeitschriften von Pappe und Kartonagen zu trennen.

Uwe Bartl, Leiter des Abfallwirtschaftbetriebs im Landkreis

Wenn die Firmen allerdings nur noch Deinking-Papier entgegennehmen, wie werden die Vereine dann Pappe und Kartonagen los? „Den Ehrenamtlichen bleibt nichts anderes übrig, als Zeitungen und Zeitschriften von Pappe und Kartonagen zu trennen“, sagt Uwe Bartl. Der Abfallwirtschaftsbetrieb bietet an, ihnen einen Container zu stellen, in den Kartons entsorgt werden können. Oder die Haushalte entsorgen die Pappe von vorneherein in der Wertstofftonne, auf den Wertstoffhöfen oder in der blauen Tonne von Kühl.

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„Wir werden in den nächsten Monaten auf jeden Fall mehr Altpapier überlassen bekommen als bisher“, so Bartl. Der Abfallwirtschaftsbetrieb will die Städte und Gemeinden in den nächsten zwei Wochen über die neue Vorgehensweise informieren, die wiederum werden die Vereine darüber in Kenntnis setzen.

Der Abfallwirtschaftsbetrieb legt drauf

Auch der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Karlsruhe selbst spürt die Krise. „Für Altpapier haben wir bisher immer einen Erlös von rund einer Million Euro kalkuliert. Die Million ist jetzt weg“, sagt Betriebsleiter Uwe Bartl. Im Gegenteil: „Momentan bezahlen wir zwischen 20 und 30 Euro pro Tonne Altpapier, die uns abgenommen wird.“

Für Altpapier haben wir bisher immer einen Erlös von rund einer Million Euro kalkuliert. Die Million ist jetzt weg.

Uwe Bartl

Anders als beispielsweise die Kollegen im Landkreis Rastatt hat der Abfallwirtschaftsbetrieb mit seinen Entsorgern – einer nimmt den Abfall aus den Wertstofftonnen der Haushalte, ein anderer den von den Wertstoffhöfen entgegen – keinen Festpreis vereinbart. „Die Verträge orientieren sich am sogenannten Papierpreisindex“, erklärt Bartl. Und der ist in den vergangenen Wochen in den Keller gerauscht. Sind solche Verträge ein Nachteil? Bartl sieht das nicht so. „Wir müssen sicherstellen, dass das Papier weg geht. Und Entsorger können auch nur solange am Festpreis festhalten, solange es für sie nicht existenzbedrohend wird.“

Gebühren bleiben stabil

Uwe Bartl orientiert sich an den Vorhersagen von Experten, die davon ausgehen, dass der Altpapierpreis noch bis Mitte des Jahres so tief bleibt. Dennoch kann er die Gebührenzahler im Kreis Karlsruhe zumindest mit Blick auf die nächsten zwei Jahre beruhigen: „Da wird sich nichts ändern.“ Ob die Beiträge – wie vom Landkreis angestrebt – auch darüber hinaus noch stabil bleiben, muss sich zeigen.

Bartl erinnert sich aber auch, dass es Anfang der 1990er Jahre noch schlechter aussah: „Damals haben wir 105 Mark pro Tonne bezahlt. Die Märkte sind eben Schwankungen unterworfen.“ Das zeige sich momentan auch beim Holz: „Da konkurriert das viele Borkenkäferholz mit dem Sperrmüllholz und dem Grünschnitt. Da ist der Preis momentan auch im Keller.“