Unbesetzte Arbeitsplätze in so gut wie allen Bereichen machen der Brettener Stadtverwaltung zu schaffen. Die benötigten Fachkräfte sind nur schwer zu gewinnen.
Unbesetzte Arbeitsplätze in so gut wie allen Bereichen machen der Brettener Stadtverwaltung zu schaffen. Die benötigten Fachkräfte sind nur schwer zu gewinnen. | Foto: BNN

23 Stellen unbesetzt

Fachkräftemangel in Bretten: Stadt lockt Bewerber mit Vergünstigungen

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Der Fachkräftemangel bei der Stadtverwaltung Bretten zieht sich durch alle Abteilungen. Rund 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zählt die Verwaltung, 23 Stellen sind dort aktuell nicht besetzt. Um die ungenutzten Arbeitsplätze zu besetzen, lockt die Stadt mit einer ganzen Reihe von Vergünstigungen.

„Die Lage ist angespannt, aber nicht bedrohlich“, so beschreibt Brettens Oberbürgermeister den derzeitigen Mangel an Fachkräften im Brettener Rathaus.  Vom Bauhof über die EDV, das Hauptamt und die Pressestelle bis zum Standesamt – in allen Bereichen sind Schreibtische ungenutzt. „Wir brauchen Landschafts- und Verkehrsplaner, Umwelttechniker und Hausmeister, dazu Betreuungskräfte an den Schulen sowie Verwaltungsfachkräfte“, führt Martin Wolff weiter aus.

Fachleute gehen in Ruhestand

Ein Grund der Misere: Viele Fachleute der Generation Babyboomer gehen in Ruhestand, der Nachwuchs fehlt. „Früher hatten wir auf eine Stellenausschreibung 50, 60 oder gar 70 Bewerbungen, heute müssen wir eine Führungsposition auf mittlerer Ebene manchmal drei- oder viermal ausschreiben, bis wir einen geeigneten Bewerber finden“, ergänzt Bürgermeister Michael Nöltner.

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Ins Gewicht fällt, dass die Landesbehörden nur in sehr wenigen Bereichen ausbilden, den Kommunen aber viele Verwaltungskräfte abziehen. Hinzu kommt ein Zuwachs an Aufgaben in den Rathäusern, der eine Aufstockung des Personals notwendig macht. So übernimmt die Brettener Feuerwehr in der Atemschutz- und Schlauchwerkstatt beispielsweise Aufgaben der umliegenden Wehren.

Im Vollzugsdienst hat die Stadt Bretten in den vergangenen drei Jahren die Zahl ihrer Mitarbeiter von vier auf acht verdoppelt. Und auch im Bauhof wachsen die Aufgaben und die Qualitätsanforderungen.

Aufgaben und Anforderungen gewachsen

Eine hohe Qualifikation ist auch für Aufgaben gefordert, die mit Mobilität zu tun haben, etwa bei Verkehrsgutachten. Auch im Bereich der Digitalisierung oder der EDV sind die Anforderungen anspruchsvoll. Und im Hochbau müssen mehr und mehr auch umweltspezifische Themen beackert werden.

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Nach Nöltners Einschätzung ist der freie Arbeitsmarkt für junge Leute mitunter interessanter. „Die sind flexibel, örtlich nicht gebunden und sehen das breite Angebot an Arbeitsplätzen in der freien Wirtschaft teilweise als lukrativer an“, meint der Bürgermeister.

Die Stadt habe aber nachgezogen und lockt seit zwei Jahren Bautechniker, Planer und Ingenieure mit einer „arbeitsmarktpolitischen Zulage“. Das sind immerhin 250 Euro brutto mehr auf dem Gehaltszettel – für manche Fachkraft ein Grund zu kommen oder nicht zu gehen.

Teilzeit und mobiles Arbeiten möglich

Darüber hinaus bietet die Stadt jede Form von Teilzeitbeschäftigung an, dazu technisch und ergonomisch gut ausgestattete Arbeitsplätze. „Bei uns ist jeder Schreibtisch höhenverstellbar, so dass man auch im Stehen arbeiten kann“, informiert der Verwaltungschef weiter.

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Auch mobiles Arbeiten ist möglich, die Mitarbeiter müssen nur permanent erreichbar sein. Es gibt Vergünstigungen bei der Nutzung des Nahverkehrs und günstige Parkmöglichkeiten. Hinzu kämen Gesundheitsangebote wie die bewegte Pause oder kulturelle Angebote wie der „schlaue Freitag“ oder gesellige Events wie Betriebsausflüge und Festivitäten. Auf neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wartet ein Willkommensfrühstück, bei dem sie mehr über ihren neuen Arbeitgeber und die Kollegen erfahren.

Fachkräfte deutschlandweit gesucht

Trotzdem gestaltet sich die Rekrutierung von Fachkräften schwierig: „Wir schreiben teilweise deutschlandweit aus, dann bekommen wir vielleicht zehn Bewerbungen“, berichtet Nöltner. Von denen seien vielleicht drei so, dass man sie zu einem Vorstellungsgespräch einlädt.

Und auch bei der persönlichen Vorstellung könnten viele Kandidaten das nicht einlösen, was sie vorher versprochen haben. Und wenn man dann einmal den Richtigen oder die Richtige gefunden zu haben glaubt, dann springt der eine oder andere wieder ab, weil er sich mehrfach beworben und eine lukrativere Stelle gefunden hat.

„Die echte Auswahl ist begrenzt“, meint Nöltner. Mitunter greife sogar der Spruch, den früher die Arbeitgeber ihren Bewerbern mit auf den Nachhauseweg gaben – nur umgekehrt: „Wir nehmen Sie in die engere Auswahl“.

Einstellungsoffensive gestartet

Welche Auswirkungen hat der Fachkräftemangel auf die Arbeit im Rathaus? „In manchen Bereichen läuft es einfach langsamer, etwa bei der Digitalisierung“, sagt der Bürgermeister. Und Funktionsstellen könne man ja nicht präventiv doppelt besetzen. Wenn einer oder eine ausfällt, dann reiße das schon eine Lücke und lasse die Zahl der Überstunden der anderen nach oben klettern.

„Hier arbeiten fast alle am Anschlag“, beschreibt Martin Wolff die Lage seiner Mitstreiter, und nicht selten erledigten Führungskräfte auch Arbeiten fehlender Sachbearbeiter nebenbei mit. Doch in den vergangenen Monaten habe sich die Lage etwas entspannt. „Wir stellen seit eineinhalb Jahren massiv ein“, sagt Wolff. Besonders froh ist er, dass jetzt die Stelle einer Sachgebietsleitung im Ordnungsamt besetzt werden konnte. Im April fängt die neue Kraft an.