Geduld ist gefragt: An der Haltestelle an der B 293 in Jöhlingen warten Fahrgäste auf einen Bus kommt, der sie an ihr Ziel kommt. Der Ersatzverkehr läuft, bis die Stellwerksprobleme gelöst sind. Solange ist die Haltestelle am Bahnhof „verwaist“. | Foto: Arnd Waidelich

In Walzbachtal

Ärger über den Busverkehr während der Stellwerks­probleme

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Ein Sturm der Entrüstung tobt derzeit bei den Walzbachtaler Stadtbahn-Fahrgästen der S4 über der Albtalverkehrsgesellschaft (AVG). Ein Ausfall eines kleinen Stellwerks am Jöhlinger Bahnhof sorgt für ein Chaos ohnegleichen auf der Strecke zwischen Durlach und Bretten. Einen Fahrplan gibt es nicht mehr. Man stellt sich an die Haltestelle und lässt sich überraschen.

Am Bahnhof hält kein Bus

Eine besonders beeindruckende Situation schildert Brigitte Schneider, die täglich mit der Stadtbahn zur Arbeit nach Karlsruhe muss. An der Jöhlinger Haltestelle Ost habe das Informationslaufband beispielsweise als Haltestelle für den Schienenersatzverkehr (SEV) den Bahnhof eingeblendet. Am Bahnhof aber hält kein Bus. Also heißt es weiter laufen an die Bushaltestelle an der B293.

Hier dürfen nur Schüler mitfahren

Wer hofft, dann mit dem Linienbus statt mit der Stadtbahn fahren zu können, dem bedeutet schon mal der Fahrer: „Hier dürfen nur Schüler mitfahren.“ Der nächste Bus war so voll, dass niemand mehr einsteigen konnte. Wartezeiten von eineinhalb Stunden und mehr an den Bushaltestellen seien keine Seltenheit.

Voller Wagen in Berghausen

Wer glücklich einen Bus erreicht hat und in Berghausen auf die S5 Richtung Karlsruhe umsteigen will, dem stellt sich dort oft eine andere Hürde in den Weg, berichtet Tanja Koch. Die Bahn komme mit nur einem schon voll besetzten Wagen, in den sich die Fahrgäste des Busses zwängen müssen. „Ich komme mir vor wie bei einem Viehtransport. Manchmal finden nicht alle einen Platz“, schildert sie die Situation

Mangelhafte Informationspolitik

Verschlimmert wird diese durch eine Informationspolitik der AVG, die durchweg als Katastrophe beschrieben wird. Ständig wechselnde Informationen auf den Informationslaufbändern trügen eher zur Verunsicherung bei, berichtet Agnes Langer. Über das Handy aus der Homepage der KVV die notwendigen Informationen zu holen, klappt nicht, lautet die bittere Erfahrung von Brigitte Schneider, Tanja Koch und Agnes Langer. Die Apps der Bahn oder des KVV seinen ein Totalausfall.

Als ich mal die Hotline am Telefon erreicht hatte, haben die noch nicht mal gewusst, dass es überhaupt eine Störung gibt

Der Höhepunkt: „Als ich mal die Hotline am Telefon erreicht hatte, haben die noch nicht mal gewusst, dass es überhaupt eine Störung gibt“, entsetzt sich Brigitte Schneider. Für sie gibt es nur einen Ausweg: „Ich fahre jetzt wieder mit dem Auto“.

Mitfahrgelegenheiten per Facebook gesucht

Ganz Findige setzten mittlerweile auf Facebook, um zu erfahren, ob eine Busverbindung klappt oder nicht, meint Tanja Koch, die der nächsten Woche entgegenbangt: „Ich hab schon Bauchweh wie ich die nächste Woche ins Geschäft kommen soll.“ Überhaupt nicht mehr auf die AVG setzen andere. Es hat sich unter den Fahrgästen eine Mitfahrcommunity entwickelt. „Ich habe in Facebook gefragt, ob mich Montag um 6.15 Uhr jemand im Auto mitnimmt nach Karlsruhe. Sofort hat sich jemand gemeldet, der mich abholt“, berichtet Agnes Langer. Das korrespondiert mit Angeboten: „Ich fahre von Wössingen nach Durlach. Habe drei Plätze im Auto frei“, lautet ein anderes Posting.

Manche wollen Entschädigung einfordern

Je länger die Situation anhält, desto aufgeheizter wird die Stimmung unter den Stadtbahn-Fahrgästen. Brigitte Schneider will Entschädigung einfordern. Tanja Koch überlegt, einen Monat die Abbuchung für das Ticket zu stornieren. Und Agnes Langer: „Die Franzosen ziehen gelbe Westen an.“ Ein bisschen Widerstandsgeist könne man hier gebrauchen.

Von Arnd Waidelich