bläser und andere instrumentalisten zeigten sich beim Dreikönigskonzert des Sinfonischen Jugendblasorchesters Karlsruhe voller Spielfreunde – und von ihrer allerbesten Seite. Foto: Neuschl
Bläser und andere Instrumentalisten zeigten sich beim Dreikönigskonzert des Sinfonischen Jugendblasorchesters Karlsruhe voller Spielfreunde – und von ihrer allerbesten Seite. | Foto: Neuschl

Dreikönigskonzert des SJBO

Farbenfrohe Kontraste

Von Bernd Neuschl

Hell kündet die Schiffsglocke von der Ankunft der „Queen Mary“ im Hamburger Hafen, die tiefen Blechbläser bringen als wuchtige Nebelhörner den Bruchsaler Rechbergsaal zum Beben. Hier und da mischen sich Moldauwellen á la Smetana in den glitzernden Elbstrom, ehe der polternde Seeräuber Störtebecker nachts um halb eins durch die Register Richtung Reeperbahn seiner Hinrichtung entgegenstolpert. Mit der epischen Programmmusik „Hamburg – Das Tor zur Welt“ hat Guido Rennert ein musikalisches Miniaturwunderland vom Mittelalter bis in die Gegenwart für Blasorchester erschaffen.

Erfolgreiches 2017

Ein Volltreffer für die Dreikönigskonzerte, die heuer unter dem Motto „Atmosphären“ standen. Das

(SJBO) mit seinem Lotsen Stefan Kollmann auf dem Dirigentenpult wusste die vielschichtigen Klangkontraste in einen durchweg anrührenden Kontext zu stellen. Mitreißend, farbenfroh und voller Esprit. Michael Weber, Präsident des Blasmusikverbands Karlsruhe, hieß zu den Konzerten zwei Mal ein volles Haus willkommen und lobte das Auswahlorchester in höchsten Tönen: Ob bei den ARD-Hörspieltagen oder mit dem Sieg des Internationalen Jugendblasorchester-Wettbewerbs in Linz, das SJBO habe 2017 eindrucksvoll klingende Visitenkarten hinterlassen.

Fantastische Solisten und komplexes Schlagwerkregister

Die konsequent stimmige Probearbeit von Stefan Kollmann und Susanne Bader, gepaart mit dem Engagement und Talent der vielen Nachwuchskünstler machen überdeutlich, dass da eines der besten Jugendblasorchester der Republik musiziert. Es herrscht ein warmer Klang vor, die Tiefen sind voll obertonreicher Substanz, die Höhen geraten nie spitz. Viele Solostellen belegen indes unaufdringlich, dass fantastische Solisten mit langem Atem und klangschönem Vibrato phrasieren und gestalten können.
Das komplexe Schlagwerkregister rührt, wirbelt und schlägt allerlei Raffinements treffsicher in das Geschehen und weiß dabei ein breites rhythmisches Spektrum variantenreich auszukosten. Die herrlichen Rhythmen der „Centennial Celebration Overture“ aus der Feder von James Barnes kamen mit schwungvoller Schubkraft daher. Mit den „Sinfonischen Metamorphosen über Themen aus Saint-Saëns 3. Sinfonie“ verwandelte sich das Auswahlorchester in eine Orgel, bei der Kollmann sämtliche Register kompromisslos zieht.

 Philip Sparke zeigte sich begeistert

„Unsere Interpretation hat dem Komponisten Philip Sparke beim Wettbewerb in Linz am besten gefallen“, berichten die beiden Moderatoren Lisa Reiff und Christoph Lukas vorab. Sparke unterzieht mit diesem beeindruckenden Opus nicht nur die Partitur, sondern auch das Orchester einer Metamorphose. Sakrale Pracht trifft britische Noblesse. Es klingt, als flitzten zehn flinke Finger höchst virtuos über einen Orgelspieltisch. Doch Sparke kann mehr als nur furiose Fugen zaubern: Im ruhigen Mittelteil wächst das Orchester über sich hinaus. Alles passt. Die Zuhörer lauschen ergriffen. Dem Orchester und Kollmann gelingt das Kunststück, bei aller Bombastik und Monumentalität nie den Faden zu verlieren, sondern Ruhepunkte und Höhepunkte in Balance zu halten. Das Publikum ist begeistert.

Kein plumpes Schlachtgetöse

Mit der „Dutch Masters Suite“ vertonte Johan de Meij drei Kunstwerke aus dem Jahre 1650. Die Zeit, bis man als Prinz von Wales den britischen Thron besteigen darf, kann man sich mit dem Schreiben eines Kinderbuchs vertreiben: Prinz Charles Geschichte vom „Alten Mann von Lochnagar“ inspirierte Nigel Hess zu einem Ballett, aus dem er drei Sätze für Blasorchester einrichtete. Was da so leicht und unterhaltsam erklingt, ist spieltechnisch durchweg hürdenreich. Das SJBO meisterte diese kniffligen Klangabenteuer aus den schottischen Highlands pointiert und ausgelassen. Dann das Highlight: Guido Rennerts Tongemälde über Hamburg. Der Komponist verriet, der eindrücklichste Moment des Werks sei für ihn die Bombardierung im Zweiten Weltkrieg gewesen. Kein plumpes Schlachtgetöse, sondern schlichtes Gedenken an die Opfer beherrscht diesen Partiturabschnitt. Da gibt sich der Fährmaster ein ebenso vielbeklatschtes Stelldichein wie die Beatles im swingenden St. Pauli. So wird die unverwüstliche Eröffnungsmelodie der Tagesschau zum Doppelpunkt: Das SJBO kann mit Volldampf in das Jahr 2018 starten.