Als Erster durchs Ziel: Der Kölner Triathlet Jan Frodeno brauchte 3:49:05 Stunden für den Triathlon im Kraichgau. Zweiter wurde Patrick Lange mit einer Zeit von 03:55:35 Stunden.
Als Erster durchs Ziel: Der Kölner Triathlet Jan Frodeno brauchte 3:49:05 Stunden für den Triathlon im Kraichgau. Zweiter wurde Patrick Lange mit einer Zeit von 03:55:35 Stunden. | Foto: Blum

Ironman Kraichgau

Frodeno schrammt am Rekord vorbei

Wenige Minuten bevor es zur ersten Disziplin ins Wasser des Hardtsees ging, war Jan Frodeno am „lockersten“ drauf. „Das kann hier nur eine geile Triathlon-Party werden“, freute sich der derzeitige Superstar unter den Triathleten auf die kommenden 126 Kilometer – 1,9 Kilometer Schwimmen, 90 Kilometer Rad, 21,1 Kilometer Laufen – beim „Sparkasse Ironman 70.3 Kraichgau“. Die Ansage des Olympiasiegers (2008) und zweimaligen Weltmeisters (2015, 2016) ließ erst gar keine Zweifel aufkommen: Er sei hierhergekommen, um zu gewinnen.

Frodeno und Kastelein distanzieren Mitfavoriten

Entsprechend „aggressiv“ legte der gebürtige Kölnern vor. Im Gegensatz zu seinen Konkurrenten startete er im „seichten Wasser“ und konnte so die ersten 20 Meter rennend zurücklegen – „damit habe ich schon ein Zeichen gesetzt“, sagte er nach dem Rennen. Mithalten konnte im See lediglich der Australier Nick Kastelein, den die Experten nicht unbedingt auf der Rechnung hatten. Beide distanzierten die Mitfavoriten Andi Böcherer und Patrick Lange zu Beginn des Mittelstrecken-Triathlons um über eine Minute.

Der Lokalmatador auf dem Weg zum Rad: Markus Rolli wusste am Ende des Tages nicht so recht, ob er sich über seinen fünften Platz freuen oder ärgern sollte.
Der Lokalmatador auf dem Weg zum Rad: Markus Rolli wusste am Ende des Tages nicht so recht, ob er sich über seinen fünften Platz freuen oder ärgern sollte. | Foto: Blum

Vor dem Halbmarathon: Drei Minuten Vorsprung

Nicht minder offensiv ging Frodeno die 90 Kilometer Rad an. Sein Vorsprung an der zweiten Wechselstelle (Laufen) betrug auf seinen Trainingskollegen Kastelein knapp drei Minuten. Deutlich an Tempo legte zwischenzeitlich Weltmeister Lange zu und sicherte sich damit nach 3:55,35 Stunden vor Nick Kastelein (3:57,35) den zweiten Platz. Nicht zu schlagen – und das räumte Lange neidlos ein – war an diesem Tag Frodeno. Nach 3:49,05 Stunden lief er souverän ins Ziel ein. Knapp verpasste der 36-Jährige damit den bisherigen „Kraichgau-Rekord“ von Andreas Raelert (2012; 3:48,15). Fast schon losgelöst und das Bad in der lautstarken Menge genießend feierte Frodeno seinen Sieg, in einem Rennen mit einer, „teilweise echt fiesen Wahnsinnsstrecke“.

Nächstes Jahr greife ich wieder an

Im Gegensatz zum Sieger wusste Lokalmatador und Vorjahreszweiter, Markus Rolli (4:00,21), nicht so recht, ob er sich über seinen fünften Platz angesichts des Weltklassefeldes nun freuen oder wegen einer für ihn „nicht optimalen Leistung“ ärgern sollte. „Nächstes Jahr greife ich wieder an“, so der Wiesentaler.

Philipp verteidigt ihren Titel

Deutlich freudestrahlender zeigte sich die Siegerin bei den Frauen. Titelverteidigerin Laura Philipp sicherte sich den Sieg in diesem Jahr mit einem Monstervorsprung (4:20,50) vor Daniela Saemmler (4:31,16) und Yvonne van Vlerken (4:34,58). Ein Interview mit Laura Philipp lesen Sie weiter unten.

So viele Besucher wie selten zuvor

Zufriedene Gesichter gab´s zudem beim Veranstalter. Von rund 39 000 Zuschauer – so viele wie selten zuvor – ging Björn Steinmetz, Geschäftsführer der Ironman Germany GmbH, aus. Mächtig viel los war am Hardtsee und im Zielbereich in Mingolsheim. Allein hier wie dort fanden sich Tausende von Zuschauern ein, um die 2 500 Starter beim „Ironman 70.3 Kraichgau“ anzufeuern.

Titel erfolgreich verteidigt: Laura Philipp
Titel erfolgreich verteidigt: Laura Philipp | Foto: Blum

Mit einem Vorsprung von über zehn Minuten gewann Laura Philipp den Frauenwettbewerb. Jetzt fiebert sie der Europameisterschaft in Frankfurt entgegen.

Nach dem Schwimmen hatten Sie zwei Minuten Rückstand. Aus der Fassung hat Sie das aber nicht gebracht?
Philipp: Nein, das hat mir nichts ausgemacht. Ich weiß ja, dass Anna-Lena Pohl eine gute Schwimmerin ist. Aber ich weiß eben auch um meine Schnelligkeit auf dem Rad. Und heute war es auf dem Rad für mich ein perfekter Tag. Das lief richtig gut.
Nebenbei haben Sie den bisherigen Rekord bei den Frauen von Yvonne van Vlerken (4:26,08 Stunden) pulverisiert. Wird das einfach so mitgenommen?
Philipp: Das wusste ich gar nicht mit dem Rekord. Doch, für mich ist das schon was Besonderes, dass ich ihn gebrochen habe. Vor allem auf so einer Strecke. Die ist schon heftig. Aber ich kenne die Gegend gut. Hier habe ich Radfahren gelernt. Ich liebe diese Radstrecke der 1 000 Hügel. Und ich habe gehofft, dass es den anderen genauso wehtut wir mir.
Wie war es entlang der Strecke. Bekommt frau das mit den Anfeuerungen überhaupt mit?
Philipp: Die Stimmung hier trägt einen unwahrscheinlich. Sicher, das ist immer abhängig vom Rennverlauf. Aber gerade die Laufstrecke konnte ich heute so richtig genießen. Und so oft habe ich meinen Namen noch nicht rufen gehört.

Von Klaus Müller