Die Tore im Gondelsheimer Schlossstadion sollen sich wieder öffnen. | Foto: Blum

Rückkehr im Fußballkreis

So schwierig ist es für den FV Gondelsheim, in den Spielbetrieb zurückzukehren

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Vor der Saison musste der FV Gondelsheim seine Mannschaft aus der Kreisklasse A zurückziehen. Es standen nicht mehr ausreichend Spieler zur Verfügung. Mit neuem Vorstand, neuem Trainer und einem neuen Konzept will der Club in den Spielbetrieb zurückkehren. Doch der Aufwand ist groß. Das haben auch schon andere Vereine aus dem Fußballkreis feststellen müssen.

Aller Anfang ist schwer, sagt der Volksmund. Noch schwieriger als das kann aber ein Neuanfang sein. Das sagen sie beim FV Gondelsheim. Denn wer ganz von vorne beginnen muss, hat in der Vergangenheit etwas falsch gemacht.

Es fehlten die Spieler

Beim Fußballclub aus der eigenständigen 3.800-Einwohner-Gemeinde mündete dies vor der Saison in der Abmeldung der Mannschaft aus dem Spielbetrieb der Kreisklasse A. Es waren einfach nicht mehr genügend Spieler da.

Wir dürfen die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen

Vorsitzender Peter Kuzma

Mittlerweile schauen die Verantwortlichen des FVG wieder nach vorne. „Wir fangen komplett bei Null an“, sagt Peter Kuzma, der zum neuen Vorsitzenden gewählt wurde. Der Vorstand ist neu, die Jugendleitung ist neu, selbst der Pächter im Clubhaus hat gewechselt. Ein Neuanfang bietet immer die Chance, vieles anders zu machen.

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Kuzma macht niemandem einen Vorwurf für die Dinge, die schief gelaufen sind. Er sagt aber auch: „Wir dürfen die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen.“ Trainer und Spieler seien oft willkürlich geholt worden, nicht selten seien es Notlösungen gewesen. „Das wollen wir nicht mehr“, macht der Vorsitzende deutlich.

Es werden gezielt Spieler aus Gondelsheim angesprochen

Das große Ziel des FV Gondelsheim ist es, am ersten Spieltag der Saison 2020/21 ein Team auf dem Rasen des Schlossstadions stehen zu haben. Dafür ist Kuzma täglich unterwegs. In Johann Busic hat er einen Mitstreiter gefunden, der den Verein wie kaum ein Zweiter kennt. Er war selbst Spieler und Trainer des Clubs und hilft dem neuen Chef bei der Spieler-Akquise. Als Motto hat Busic dafür den Slogan „Gondelsheimer für Gondelsheim“ ausgegeben. Spieler sollen in Zukunft nicht mehr von überall kommen und mit Geld geködert werden, sondern im besten Fall im Ort leben und eine Verbindung zum Verein haben.

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„Der Gemeinschaftssinn soll wieder im Mittelpunkt stehen, wir wollen wieder Identifikation mit den Einwohnern schaffen und die Leute an den Sportplatz holen“, sagt Kuzma. Gezielt wurden dafür frühere Gondelsheimer Spieler angesprochen, die mittlerweile bei anderen Vereinen in der Region untergekommen sind. Viele hätten schon Bereitschaft signalisiert. So sind Kuzma und Busic guter Dinge, dass es klappt mit der Wiederauferstehung des FV Gondelsheim, auch wenn es zunächst „nur“ in der B-Klasse weitergeht.

Andreas Bauer übernimmt das Team als Trainer

Neben einer guten Infrastruktur steht dem FVG für das Projekt „Neuanfang“ immerhin ein erfahrener Trainer zur Verfügung. Andreas Bauer, der zuletzt den FC Rohrbach trainiert und in die Kreisliga Sinsheim geführt hat, übernimmt das Team. „Wir wollen ohne Erfolgsdruck eine junge Mannschaft aufbauen“, sagt er. Jetzt gelte es, positive Signale zu setzen und den Zauber des Neubeginns nach außen zu tragen. „Es ist und bleibt ein riesiger Kraftakt“, meint Kuzma.

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Andere Vereine machten ähnliche Erfahrungen

Der FC Huttenheim machte dieselben Erfahrungen schon 2016, als dem damaligen Kreisligisten die Spieler in Scharen davonliefen. „Schweren Herzens mussten wir unsere erste Mannschaft abmelden“, blickt Spielausschuss Salvatore Mazza zurück. Neben dem Abstieg aus der Kreisliga war ein Kraftakt die Folge. „Unser großes Glück war es, dass wir damals noch eine zweite Mannschaft hatten“, sagt Mazza. Zwar hätte man lieber in der B-Klasse weitergemacht als in der Kreisklasse A, wenigstens waren aber genügend Spieler vorhanden, wenn es auch von der Qualität nicht ganz reichte.

2018 stiegen die Huttenheimer dann doch in die Kreisklasse B ab, in der sie heute noch spielen. „Das gab uns dann aber die Chance für den großen Umbruch mit neuem Trainer und neuen Spielern“, sieht der Spielausschuss wenigstens einen positiven Effekt. Ähnlich erging es auch dem SV Gölshausen, der 2018 sein Team zurückzog, ganz unten wieder anfangen musste, mit neuem Elan aber den direkten Aufstieg in die B-Klasse schaffte.

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Projekt in Gondelsheim wird mit großem Interesse verfolgt

Weit entfernt von einer Rückkehr ist man hingegen beim FC Unteröwisheim. In der vergangenen Saison gingen beim Club aus dem größten Kraichtaler Stadtteil die Lichter aus. „Wir waren nicht mehr bereit, 10.000 bis 15.000 Euro pro Saison für den Spielbetrieb auszugeben“, sagt der Vereinsvorsitzende Wolfgang Münch. An dieser Einstellung hat sich auch ein Jahr später nichts geändert. Es sei sicher keine Frage des Willens, in Unteröwisheim wieder eine Senioren-Mannschaft auf den Platz zu bringen, „uns fehlen aber schlicht die Spieler, die freiwillig und ohne Prämien zu uns kommen“, sagt Münch.

Aus diesem Grund schaut der Fußballkreis gespannt nach Gondelsheim. Der dortige Neubeginn könnte einer mit Signalwirkung sein. Ganz nach dem Motto „Zurück zu den Wurzeln“ – wo die Identifikation mit dem Verein mehr wert ist, als Geld und große Versprechungen.