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Wer in Bretten ein Restaurant fürsFestmahl sucht, braucht Glück. | Foto: Ludwig

Tische nur noch mit Glück

Gastronomen in Bretten sind zum Fest meist ausgebucht

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Was für die einen die schönste Zeit des Jahres ist – mit langen Leseabenden auf dem Sofa oder Feiern im Familien- und Kollegenkreis – das bringt für andere Lauferei und Jonglieren mit Terminen und Personal mit sich. Wer jetzt noch, wenige Wochen vor Weihnachten, einen größeren Tisch in einem Restaurant ergattern möchte, braucht Glück.

Lücken gibt es wenige. Und voraus zu planen heißt es in mancher Hinsicht obendrein. Pflanzenkostler etwa finden zwar Vegetarisches oft in kleiner Auswahl auf der Speisekarte. Veganer aber rufen besser vorher im Lokal an. Dasselbe gilt, wenn Spezialitäten beim Lieblings-Gastronomen gewünscht werden.

Gans nur auf Vorbestellung

Bekannt in der Region ist so etwa der Landgasthof Rose in Bretten-Diedelsheim für seine Gans. Die gibt es „nur auf Vorbestellung“, sagt Inhaber Fredi Bodamer. Ansonsten seien Wildgerichte gefragt. „Auf den Tisch kommt, was der Jäger bringt“.

Er könne nie sagen, ob es Rothirsch wird, Wildschwein oder Reh. Dafür sei Wild aber bestes Biofleisch. Da er auch Obst und Gemüse aus Diedelsheim beziehe, seien Vegetarier und Veganer stets willkommen. „Ziemlich ausgebucht“ ist die Rose allerdings, wenngleich Bodamer „ein paar Lücken schon noch“ finde. „Einfach anrufen“.

Einfach anrufen

Genau wie gegenüber in der „Sonne“ in Diedelsheim: Das Familienunternehmen öffnet an Heiligabend nur seine Metzgerei, nicht das Lokal. Am ersten Weihnachtsfeiertag wolle dann die Belegschaft natürlich zuhause feiern. Da sei auch geschlossen, sagt Inhaberin Andrea Collmer. Am zweiten Weihnachtsfeiertag sei man darum „komplett ausgebucht.“

Die deutsche Küche wird ja immer seltener.

Andrea Collmer, Restaurant Sonne in Diedelsheim

Man müsse schon Glück haben, um da oder an Silvester noch unterzukommen, möglich im Falle von Absagen. So komme man vielleicht kurzfristig in den Genuss von Rumpsteak, Maultaschen oder gut bürgerlichen Gerichten. „Die deutsche Küche wird ja immer seltener.“ Es gebe auf jeden Fall Wild. „Meistens Rehbraten“, sagen Collmers.

Vereinzelte Tische finden sich beim „Schweizer Hof“ in Bretten noch am zweiten Weihnachtsfeiertag laut Chefin Nadja Oberdorfer. Ausgebucht sind dagegen der 25. und 31. Dezember. Ob Winterkabeljau mit Kartoffel-Wirsing-Stampf oder Wildlachsfilet an Kräuterrisotto mit Hummer-Rahm – es darf neben Wild auch mal Fisch sein. Vegetarisches bietet der „Schweizer Hof“ mit bis zu fünf Gerichten in vergleichsweise großer Auswahl. Veganes dagegen noch nicht. Aber das Restaurant wird für seine hausgemachten Liköre geschätzt: Beispielsweise Bratapfel-, Marzipan- oder Walnuss-Likör.

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Reservierungen schon drei Monate vor Weihnachten

„Komplett dicht“ meldet der „Hirsch“ in Bretten. Hammou Eljoundi ermuntert aber: „Ab und zu kommt ein Storno rein“. Man könne ja Glück haben. Viele Firmen und Familien ließen schon seit zwei, drei Monaten Termine für die Zeit bis Silvester blocken. Das ist zumindest gut zu wissen fürs kommende Jahr, wenn man Dry Aged Beef aus der metzgerei-eigenen Reifekammer genießen möchte, oder auch Gänsekeule, Rehragout oder Maronensuppe.

Vom 1. bis 9. Januar macht der Hirsch Betriebsferien. Sie sind „voll ausgebucht“, denn vor den Feiertagen öffnen sie nur bis 20. Dezember, heißt es aus dem „Kelterhof“ in Großvillars. Dann aber sorgt er wieder ab 16. Januar für Freude, auch bei Veganern: Ob leckeres Pilzpfännle oder Grünkernküchle – beides schmeckt auch Vegetariern. Diese können zudem wählen zwischen Kürbismaultaschen in Buttersalbei, Linsen-Lasagne oder Maultaschen „Villa rosa“, einer eigenen Kreation mit Lauch-Grünkohlfüllung wegen Familienbanden zu Waldensern, sagt Ute Schäufele.

Hausmannskost ist beliebt

Beliebt ist neben Wild und Gans auch Hausmannskost. Bei der Gaststätte „Adler“, ebenfalls in Großvillars, ist am ersten und zweiten Weihnachtsfeiertag zwar geöffnet und auch an Silvester. Heike Weiß: „Auch wenn wir recht voll sind, lässt sich telefonisch eventuell etwas finden.“ Kurzfristige Absagen gebe es immer mal. Hausgemachte Knödel „halb und halb“ – also Semmel- wie Kartoffelknödel – sind zu Wild begehrt bei Familie Weiß. Nur auf gut Glück kann man auch im Clubhaus Büchig noch fündig werden im gleichnamigen Brettener Stadtteil. Dort buchen die Stammgäste bereits ein Jahr im Voraus – wohl wissend, wie es zum Jahresende aussieht.

Dieses Jahr werden sie stark von Firmen frequentiert. „Wir haben eigentlich nichts mehr frei“, bedauert Martina Pippes. Aber auch sie bietet den „Telegonjoker“ an. „Lücken finden sich normalerweise am Ende schon noch.“ Für Vegetarier bieten sie bis zu drei Gerichte, Veganes auf Anfrage. „Die Weihnachtskarte steht noch nicht ganz, aber Wild gehört dazu“, so die Chefin. Sie und Gatte Markus Pippes freuen sich danach auf ihren Urlaub vom Silvesterabend bis zum 5. Januar.