Gefährliches Gedränge herrscht jeden Mittag bei Schulschluss an der Stadtbahnhaltestelle Schulzentrum Bretten. Die Stadt fordert seit langem, dass die Situation entschärft wird. | Foto: Ebert

Brettener Rat moniert Zeitplan

Gefährliche Haltestelle soll entschärft werden

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Es tut sich etwas bei der Entschärfung der gefährlichen Situation am Bahnhaltepunkt Bretten Schulzentrum. Die Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) hat im Gemeinderat die Vorplanung zur Umgestaltung der Haltestelle vorgestellt und stieß damit von der Sache her auf positive Resonanz. Für großes Unverständnis sorgte allerdings der vorgestellte Zeitplan: Laut AVG soll erst im Sommer 2021 mit dem Umbau begonnen werden, der mit zwei Monaten Bauzeit geplant ist.

Mit Zeitplan nicht einverstanden

„Wir sind nicht einverstanden mit diesem Zeitplan“, erklärte Günter Gauß (CDU), der Termin sei unverantwortlich, zumal das hohe Gefährdungspotenzial bereits seit 2017 bekannt sei. Er forderte die Planer auf, über ihre eigenen bürokratischen Hürden zu springen. Ansonsten könne man nur hoffen und beten, dass am der Haltestelle nichts Ernsthaftes passiert.
Das sah auch die SPD nicht anders. Brigitte Schick forderte eine zeitnahe Umsetzung. Der Ausbau müsse unbedingt kommen, allein schon wegen der gesetzlich festgelegten Barrierefreiheit. Und auch die Erweiterung des Wartebereichs sei unumgänglich.

Gefährliche Haltestelle

Auch Bernd Diernberger (FWV) unterstrich die Dringlichkeit des Vorhabens. Es müsse alles Menschenmögliche getan werden, diesen gefährlichen Bereich zu entschärfen. Als er gelesen habe, dass der Umbau erst 2021 erfolgen soll, sei dies ein regelrechter Schock gewesen.
„Die Dringlichkeit ist hoch, die Situation grenzwertig“, so schätzt Otto Mansdörfer (Grüne) die Lage am Bahnsteig ein. Er sieht in Hauptursache für die Zeitverzögerung an den überaus umständlichen Verfahren: Das koste Zeit ohne Ende.

Oberbürgermeister lenkt ein

Auch Oberbürgermeister Wolff hatte eingangs der Debatte von zwei großen Wermutstropfen gesprochen, dem Kostenfaktor und dem Zeitplan. Doch solche Verfahren bräuchten einfach ihre Zeit. Nach den heftigen Reaktionen aus dem Ratsgremium lenkte das Stadtoberhaupt ein. Man werde mit dem Regierungspräsidium Gespräche führen, um das Verfahren für den Umbau der Haltestelle zu beschleunigen, kündigte Wolff an.

Höher und breiter soll der Bahnsteig an der Stadtbahnhaltestelle Bretten Schulzentrum ausgebaut werden. | Foto: Ebert

Barrierefreiheit der Haltestelle angepeilt

Zuvor hatte Ronny Adam, Projektleiter der AVG, die Vorplanungen erläutert. Die AVG ist Betreiber der Stadtbahnlinie S4 die von Karlsruhe über Bretten, Eppingen und Heilbronn bis Öhringen führt. Sie bedient den Streckenabschnitt Karlsruhe – Bretten-Gölshausen seit September 1992 mit Zweisystem-Fahrzeugen. Der Haltepunkt Bretten-Schulzentrum befindet sich derzeit laut Adam noch weitgehend im damaligen Bauzustand. Der genüge allerdings den heutigen Anforderungen, insbesondere was die Barrierefreiheit betrifft, nicht mehr. Bei der Bestandsanalyse habe man festgestellt, dass sich zu Spitzenzeiten – dienstags, donnerstags und freitags nach Schulschluss – bis zu 320 Schüler auf dem Bahnsteigen drängen. Der ist zwar 120 Meter lang, aber nur drei Meter breit.
Mit dem Umbau soll der Bahnsteig barrierefrei ausgestaltet und für das hohe Fahrgastauskommen ausreichend dimensioniert werden. Dazu soll der Bahnsteig von 38 Zentimeter über Schienenoberkante auf 55 Zentimeter erhöht werden. Damit sei ein stufenfreier Einstieg in die mittelflurigen Zweisystem-Fahrzeuge möglich.

Bahnsteig wird verbreitert

Um dem hohen Schüleraufkommen gerecht zu werden, soll der westliche Abschnitt des Bahnsteigs auf einer Länge von 70 Metern auf 4,50 Meter verbreitert werden. Damit vergrößert sich laut AVG-Berechnungen die Bahnsteigfläche um 30 Prozent.

Die Steigung bleibt, die Rampe an der Stadtbahnhaltestelle Schulzentrum soll jedoch mit Haltegriffen und Radabweisern ausgestattet werden. | Foto: Ebert

Der Bahnsteig hat drei Zu- und Abgänge, doch nur der Zu- und Abgang zum Breitenbachweg verfügt über eine Rampe. Der untere Rampenlauf ist zwar um 1,75 Prozent steiler als die eigentlich geforderte Maximalneigung von sechs Prozent. Doch ein Umbau käme unverhältnismäßig teuer. Die Beibehaltung des aktuellen Gefälles sei deshalb mit den örtlichen und regionalen Behindertenvertretern abgestimmt worden, erklärt Adam. Die Rampen werden optimiert, mit Handläufen und Radabweisern für Rollstuhlfahrer ausgestattet und besser beleuchtet. Der Bahnsteig bekommt ein Blindenleitsystem, auf eine Beschallung soll verzichtet werden. Dies sorgte wiederum im Rat für Bedenken, insbesondere im Blick auf sehbehinderte Fahrgäste. „Die Anzeigentafel lässt sich auch mit einem Sprachmodul ausstatten“, informierte der AVG-Vertreter, derzeit seien allerdings nur visuelle Informationen oder Smartphone-Apps vorgesehen.
Brigitte Schick (SPD) wies darauf hin, dass für Sehbehinderte das Zwei-Sinnen-Prinzip auf jeden Fall beachtet werden müsse. Rund 1,8 Millionen Euro soll der gesamte Umbau kosten, eine Million Euro müssen davon die Stadt und der Landkreis – voraussichtlich zu gleichen Teilen – aufbringen.

Zweigleisiger Ausbau weiter möglich

Weitere Fragen aus den Reihen der Stadträte betrafen unter anderem den zweigleisigen Ausbau der Strecke. Der sei auch weiterhin möglich, bekundete Ronny Adam. Eine Entzerrung der Schulschlusszeiten ist indes aus vielerlei Gründen nicht möglich. Dass hätten die Schulen bereits intensiv überprüft, informierte Martin Knecht (CDU), der vormalige geschäftsführende Schulleiter der Brettener Schulen. Und auch sein Vorschlag, den Bahnsteig mit Geländern auszustatten, die nur Öffnungen zu den Türen der Stadtbahnen haben, erwies sich als nicht umsetzbar. Zum einen weil die Haltegenauigkeit der Stadtbahnen bis zu fünf Meter differiert, zum anderen weil die AVG mit unterschiedlichen Wagentypen fährt.