Auf den Getreidefeldern wie hier zwischen den Karlsruher Stadtteilen Weiherfeld und Rüppurr herrscht Hochbetrieb. Der Mais braucht noch einige Wochen. | Foto: Laura Fischer

Hitze und Trockenheit

Gerste und Raps sind der Zeit voraus

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Der Blick auf den Rheinpegel am Weiler Maxau trügt: Gestern Nachmittag steht die Wasserlinie bei 4,51 Metern – und ist damit noch weit mehr als einen Meter vom jemals niedrigsten Stand bei 3,20 Metern entfernt. Doch tatsächlich hat die anhaltende Trockenheit vor allem die kleineren Flüsse und Bäche in der Region im Griff. Zum Beispiel die Pfinz, die in Berghausen nur noch wenige Zentimeter vom Negativrekord trennen.

Niederschlagsarmer Winter als Ursache der Trockenheit

Es ist der vergangene, sehr niederschlagsarme Winter, der die derzeitige Trockenheit bedingt. Die jüngste Hitzewelle hat ihr Übriges getan. Da hat auch ein relativ nasses Wochenende wie das vergangene kaum Auswirkungen, genauso wenig wie die kurzen Regenfälle gestern. Der Pegel steigt – und fällt ebenso schnell wieder ab. „Wirklich ergiebige Regenfälle gab es hier schon lange nicht mehr“, sagt Ute Badde von der Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz. Tatsächlich waren elf der zwölf vergangenen Monate zu trocken – nur im März regnete es durchschnittlich viel. Bisher seien die niedrigen Pegelstände aber noch nicht dramatisch: „Die Fische tangiert das noch nicht.“ Und die Landwirte dürfen noch uneingeschränkt bewässern. „Es ist aber noch sehr früh im Jahr. Wenn es weiter heiß und trocken bleibt, kann das ernste Folgen haben“, so Badde.

Landwirte müssen jetzt reagieren

Die Landwirte müssen aber schon jetzt reagieren. Die Hitzwelle im Juni hat die Kornausbildung bei Raps und Sommergerste unterbrochen und die Früchte schlagartig reifen lassen. „Deswegen sind die Körner kleiner als sonst. Und würden, wenn wir sie nicht ernten, weiter schrumpfen“, sagt Werner Kunz, Vorsitzender des Kreisbauernverbandes Karlsruhe, während er in Weiher gerade auf dem Mähdrescher sitzt. „So früh habe ich die Gerste noch nie gedroschen.“ Dennoch sind die Erträge nach Kunz’ Einschätzung zufriedenstellend. „Voriges Jahr war es besonders feucht. Das mag die Gerste überhaupt nicht“, so Kunz. „Da ist ihr diese Hitze schon lieber.“ Was den Weizen angeht, kann er noch keine Prognosen abgeben. „Aber auch da fangen wir an sonnigen Standorten an, zu dreschen,“ so der Landwirt. Trotz guter Ernte sind die Preise zur Freude der Bauern in den vergangenen Wochen gestiegen: „In Spanien und Südfrankreich sind die Erträge wesentlich schlechter. Da sind die Händler nervös geworden“, erklärt Kunz.

Mais im Trockenstress

Die Gewitter, die für Sonntag und Montag vorhergesagt sind, kommen ihm und seinen Kollegen recht gelegen – solange sie glimpflich abgehen. Ein wenig Regen ließe die Getreidehalme durchreifen, die sich derzeit noch etwas schwer dreschen lassen. Vor allem aber dem Mais täte Niederschlag gut, sagt Kunz. In den nächsten drei Wochen soll sich der Blütenstand der Pflanze nach oben schieben, danach bildet sich der Kolben aus. „Im Moment verdreht der Mais aber die Blätter – ein klares Zeichen von Trockenstress“, weiß Werner Kunz.

Schilfflächen sorgen immer wieder für größere Brände

Der Regen hätte auch einen anderen Vorteil: Er bannt die Gefahr von Flächenbränden auf den Feldern, wie es in dieser Woche zum Beispiel einen in Östringen gab. „Die Pflanzen beginnen jetzt, sich zurück zu bilden, es wird alles immer dürrer“, sagt Kreisbrandmeister Thomas Hauck. Fängt es an zu brennen, liege das aber nicht nur an der Hitze, sondern meist auch am fehlenden Wind. „Und es lässt sich nicht immer alles auf die Raucher schieben“, so Hauck. Ein Flächenbrand kann ebensogut von einer herumliegenden Glasscherbe oder dem Katalysator eines Autos, das auf einem abgemähten Stoppelfeld in der Nähe des Baggersees abgestellt wird, ausgelöst werden. „Man sollte gut darüber nachdenken, ob eine Gefahr entstehen könnte – auch im Umgang mit offenem Feuer“, rät Hauck. In den Wäldern der Region hingegen sieht er kein Risiko. Wohl aber in Schilfflächen, die alle paar Jahre für einen größeren Brand sorgen.