Was solls
Kein Internet, kein Telefon: Der Unternehmer Joachim Weiß wartet seit Monaten im Flehinger Industriegebiet auf einen Anschluss. | Foto: Corinna Stein

Brettener Unternehmer sauer

Glasfaser – eine unendliche Geschichte

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Schnelles Internet ist manchmal eine langsame Sache. So beispielsweise in Flehingen: Dort hat sich der Brettener Unternehmer Joachim Weiß mit seiner Firma, die Maschinensteuerungen produziert, angesiedelt. Als er im Sommer 2016 im Flehinger Industriegebiet begann, sein Firmengebäude zu errichten, hieß es vonseiten der Gemeindeverwaltung, er brauche sich „um nichts zu kümmern“, dort lägen alle notwendigen Rohre – auch für Glasfaser. Zunächst, berichtet Weiß, sei es für ihn schwierig gewesen, „herauszufinden, wer genau da eigentlich für die Verlegung des Kabels zu meiner Firma zuständig war“. Als er dies nach zwei Monaten schließlich eruiert hatte, habe man ihm signalisiert, dass „noch vor Weihnachten“ das Kabel in die bestehenden Rohre eingeblasen und dann alles klappen werde. Pustekuchen.

 

Erster Fehler: Leerrohre waren nicht verbunden

 

Anfang Januar, erzählt Weiß, fand man den Fehler: die Leerrohre waren nicht im Kontrollschacht verbunden. Immerhin klappte es dann mit dem Einblasen der Glasfaser – und das Ganze wurde, so teilte man dem Unternehmer in einem Schreiben mit, von der vom Landkreis Karlsruhe beauftragten Firma inexio in Betrieb genommen. Fast. Denn es fehlte noch Strom. Den ließ die Gemeinde Oberderdingen dann am Faschingsdienstag in den Verteilerkasten fließen. „Besser spät als nie“, dachte sich Joachim Weiß – und informierte die inexio. Diese wiederum untersagte dem Unternehmer die Nutzung des inzwischen ordnungsgemäß blinkenden Routers, weil noch ein Zähler fehle….

 

Die Geschichte geht weiter….

„Seit über zweieinhalb Monaten bin ich jetzt ohne Telefon und ohne Internetanschluss – und das als Gewerbetreibender“, klagt Weiß. Immerhin habe ihm Derdingens Bauamtsleiter Häffele inzwischen seine Unterstützung zugesagt. Die Geschichte geht also weiter….
Das Ganze nimmt Weiß mit Galgenhumor: Er habe in seiner Wohnung in der Brettener Kernstadt ja funktionierendes Internet. „Das ist zwar langsam, aber immer noch besser als gar keins.“
Die Geschichte des schnellen Internets ist auch in Bretten noch nicht zu Ende erzählt: Dort hatte bekanntlich die von der Stadtverwaltung favorisierte BBV Rhein-Neckar um Kunden geworben – kräftig unterstützt von hiesigen Internet-Jüngern (die BNN berichteten).

 

„Nicht viel Neues“ in Bretten

Laut BBV-Vertriebschef Wolfgang Ruh „hat sich an unserem Plan, Anfang April mit dem Ausbau zu beginnen, nichts geändert“. In Diedelsheim habe sich „noch nicht so viel Neues getan“, will heißen: fehlen noch rund 150 Verträge, um das vorgegebene Ziel zu erreichen.

 

Braucht man nicht
Die BBV Rhein-Neckar startet im April mit der Verlegung von Glasfaser. | Foto: Thilo Kampf

Was die Kernstadt betrifft, arbeite die BBV derzeit „ein Konzept aus“, um doch das ein oder andere Gebiet zu versorgen. „Da sind wir aber noch in Gesprächen, deshalb kann ich keine Details nennen“, sagte Ruh auf BNN-Nachfrage.

 

High-Speed-Internet für Berufliche Schulen

Laut Recherchen der BNN wird derzeit vom Landkreis Karlsruhe ein Hochgeschwindigkeits-Anschluss an die Beruflichen Schulen Bretten verlegt. Das bestätigt der im Landratsamt für den Internetausbau zuständige Ragnar Watteroth: Das Glasfaserkabel werde vom Bahnhof, wo das Backbone-Kabel liegt, bis zum Bildungszentrum geführt, um dort den neuen Ausbildungsanforderungen („Industrie 4.0“) zu genügen. Bis Schulbeginn im September soll der Anschluss stehen, so Watteroth.

 

Stadt prüft alle Optionen für Glasfaser

Die Stadt Bretten, deren OB Martin Wolff „auch für die Kernstadt schnelles Internet anbieten“ möchte, führt derzeit „Gespräche mit allen möglichen Anbietern“. Eine Zusammenarbeit mit dem Landkreis sei denkbar, sagte Wolff auf BNN-Nachfrage. „Wir verlassen uns nicht auf einen Anbieter, sondern loten aus, in welchen Betriebsformen wir es machen könnten.“ Er gehe „mit Nachdruck jeder Option nach“, so der OB. Geredet werde viel, „aber irgendwann trennt sich die Spreu vom Weizen“.