ZUM LUFTMESSNETZ DES LANDES gehört die Messstelle an der Kreuzung der Bundesstraßen 293 und 10 unmittelbar vor der Ampel in Pfinztal-Berghausen.
ZUM LUFTMESSNETZ DES LANDES gehört die Messstelle an der Kreuzung der Bundesstraßen 293 und 10 unmittelbar vor der Ampel in Pfinztal-Berghausen. | Foto: Müller

Schadstoff-Diskussion

Gute Luft im Landkreis Karlsruhe

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Geht es um Schadstoffe in der Luft, ist Stuttgart ganz offiziell die Nummer eins im Ländle. Regelmäßig übersteigen die Werte, die an der inzwischen so berühmten Station am Neckartor gemessenen werden, die von der EU festgelegten Grenzwerte – es herrscht Feinstaubalarm. Derzeit ringen die Koalitionsparteien darum, die drohenden Fahrverbote für Euro5-Diesel abzuwenden. Dafür soll die Zahl der Messstellen für Stickoxide in der Stadt von 14 auf 52 erhöht werden, um künftig für das gesamte Stadtgebiet repräsentative Werte unterhalb der Stickoxid-Grenzwerte zu messen.

Messstellen stehen in Pfinztal und Eggenstein

Wie sieht es rund um Karlsruhe aus? Zwei von vier Messstationen in der Region stehen im nördlichen Landkreis – nämlich in Pfinztal und in Eggenstein. W

elche Werte spucken diese aus? Und: Wie steht es um den Diesel? Kaufen sich die Menschen im Landkreis noch Dieselfahrzeuge oder haben sie ihnen abgeschworen?

Niemand will aufs Auto verzichten

Die Zahlen des Landkreises machen zumindest eines deutlich: All die Diskussionen rund um den Verkehr führen zumindest nicht dazu, dass mehr Menschen auf das Auto verzichten.
Im Gegenteil: Die Zahl der im Landkreis zugelassenen Autos steigt seit Jahren. 2014 waren rund 354 000 Fahrzeuge auf den hiesigen Straßen unterwegs, 2016 waren es schon 368 000 und Ende 2018 beinahe 380000. Das entspricht einem Anstieg von 7,3 Prozent in vier Jahren.

Die Bevölkerung wächst langsamer als die Zulassungszahlen

Zum Vergleich: Die Bevölkerung im Landkreis ist im gleichen Zeitraum nur um knapp drei Prozent gewachsen. Von den 380 000 zugelassenen Fahrzeugen in 2018 hatten 22,5 Prozent (85 488) einen Dieselmotor verbaut. 2017 lag die Gesamtzahl der Dieselfahrzeuge geringfügig höher bei 85 637. Für die Jahre zuvor sind nach Angaben des Landratsamtes keine Zahlen verfügbar.

Anteil der Elektroautos ist verschwindend gering

Die Zahl der Neuzulassungen schwankte in den vier Jahren zwischen Ende 2014 und Ende 2018 zwischen 17 500 und 20 000. Im Jahr 2018 wurden 19 300 Fahrzeuge neu zugelassen, darunter knapp 15 300 Pkw, wovon wiederum 4 300 mit Diesel fahren. Das entspricht rund 28 Prozent. Der Anteil von Elektroautos mit 163 Neuzulassungen und von Hybridfahrzeugen mit 415 Neuzulassungen war hingegen verschwindend gering.

Die gute Nachricht: Trotz der steigenden Zahl an Fahrzeugen ist die Luft im Kreis Karlsruhe – gemessen an den EU-Grenzwerten – vergleichsweise gut. Die Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg (LUBW) mit Sitz in Karlsruhe wertet an zwei Stellen im Landkreis aus: An der stark befahrenen Karlsruher Straße in Pfinztal-Berghausen steht eine Luftmessstelle, in der Nähe der B36 auf Gemarkung Eggenstein eine sogenannte Messstation im städtischen Hintergrund. Beide Arten gehören zum Luftmessnetz des Landes.

 

Höhere Belastung in Pfinztal

Die Daten beider Standorte können auf der Webseite der LUBW begutachtet werden. Die Stundenmittelwerte für Stickstoffdioxid wurden im vergangenen Jahr nicht einmal erreicht, in Stoßzeiten kletterten sie sowohl in Eggenstein als auch in Pfinztal vereinzelt auf über 90 Mikrogramm pro Kubikmeter. Erlaubt sind aber 200 Mikrogramm. Der Jahresmittelwert in Eggenstein lag bei 23 Mikrogramm und blieb dem Grenzwert von 40 Mikrogramm damit deutlich fern. In Pfinztal fiel das Ergebnis knapper aus: Der Jahresmittelwert lag bei 35 Mikrogramm pro Kubikmeter.

 

Ein bisschen anders sieht es beim Feinstaub PM10 aus, der aus Teilchen kleiner zehn Mikrometer besteht. Der Tagesgrenzwert von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter war in Eggenstein zwei Mal überschritten worden, in Pfinztal vier Mal, und auch in diesem Jahr lag er dort schon einmal höher als erlaubt – obwohl Pfinztal Umweltzone ist und dementsprechend nur von Fahrzeugen mit grüner Plakette befahren werden darf.

Feinstaub-Werte von vielen Faktoren beeinflusst

Allerdings wird auch die Messstelle in Pfinztal – genau wie jene am Stuttgarter Neckartor – regelmäßig für ihren Standort an einer Ampel, an der die Autos anfahren, kritisiert. „Nach Vorstellungen der EU sollen die Messstellen die Luft auch in Wohngebieten präsentieren“, sagt CDU-Gemeinderat Frank Hörter. Tatsächlich hatte Thomas Koch, Institutsleiter am Karlsruher Institut für Technologie, 2016 Messungen an anderen Stellen nicht weit von der Messstelle der LUBW vorgenommen und dem Untersuchungsausschuss des Bundestags vorgestellt: Dort waren die Werte schon deutlich besser. Zum Feinstaub sagt Hörter: „60 Prozent des Feinstaubs kommt von außerhalb, nicht aus dem Pfinztal.“ Da spielten sogar Saharasand und der Blütenstaub eine Rolle.

Stickoxide
Stickoxide gelangen aus Verbrennungsprozessen meist als Stickstoffmonoxid (NO) in die Atmosphäre. NOx-Emissionen entstehen vor allem bei hohen Verbrennungstemperaturen wie im Dieselmotor. Alte Dieselmotoren stoßen besonders viel Stickoxide aus. Beim Ottomotor reduziert der G-Kat den Ausstoß. Die Stickoxide reagieren mit Luftsauerstoff teils zum giftigen Stickstoffdioxid (NO2).
Stickstoffdioxid greift die Schleimhäute und Augen an, kann zu Entzündungen der Atemwege führen und langfristig Asthma und Bronchitis auslösen.

Feinstaub
Unter Feinstaub versteht man Partikel in der Luft mit einem Durchmesser von weniger als 10 Mikrometern – also kleiner als ein hundertstel Millimeter. Diese sogenannten PM10-Partikel entstehen beim Reifen- und Bremsenabrieb an Fahrzeugen, auf Baustellen oder in der Industrieproduktion, bei der Düngung und Abfallbeseitigung – oder eben in Dieselmotoren. Auch Vulkane, Waldbrände und Kamine setzen große Mengen Feinstaub frei
Je kleiner die Teilchen sind, desto leichter dringen sie in die Lunge ein. Sie sollen Schlaganfälle und Herzleiden fördern.