Schöner Garten ungenutzt: Im Oberderdinger Seniorenheim Haus Edelberg herrschen immer noch restriktive Besuchsregelungen.
Schöner Garten ungenutzt: Im Oberderdinger Seniorenheim Haus Edelberg herrschen immer noch restriktive Besuchsregelungen. | Foto: Rebel

Allzu rigoros

Angehörige klagen über Besuchsbedingungen im Haus Edelberg in Oberderdingen

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Während es in anderen Senioreneinrichtungen schon seit geraumer Zeit wieder großzügigere Begegnungsmöglichkeiten zwischen Bewohnern und Angehörigen gibt und mancherorts auch Treffen im Garten möglich sind, herrschte im Oberderdinger Haus Edelberg im Blick auf die Besuchsregelung bis Anfang der Woche noch Hausarrest.

Oder genauer gesagt sogar Stubenarrest. „Alle Gemeinschaftsräume sind geschlossen, die ganze Einrichtung ist hermetisch abgeriegelt, obwohl um das Haus herum viel Gartenraum besteht“, berichtet Christine Huber ganz aufgebracht. Diese Maßnahmen hält die Karlsruherin für unerträglich und hat auch einen Protestbrief ans Sozialministerium geschrieben.

„Meine Mutter ist 92 Jahre alt und noch sehr vital“, erzählt die Tochter. Mehr als zwei Monate lang durfte die Mutter nicht aus dem Zimmer. Und noch in den vergangenen Tagen sei sie angepflaumt worden, als sie auf die Terrasse gehen wollte. Von dort aus kann sie ihre Kinder sehen und am Handy mit ihnen sprechen, wenn sie zu Besuch kommen.

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Sehnsucht nach blühenden Blumen

Gerne würde die noch rüstige Seniorin nach draußen gehen, doch seit vielen Wochen durfte sie keinen Fuß ins Freie setzen. „Wir hatten so ein schönes Frühjahr, doch meine Mutter hat keinen blühenden Kirschbaum, keinen Flieder, keine Magnolie und keinen blühenden Rosenstrauch gesehen“, klagt die Tochter. Mittlerweile gebe es eine Besuchsmöglichkeit – ein enges Zimmer mit Glaswand.

Eine Person darf pro Woche einmal kommen. Für die vier Kinder der Seniorin bedeutet das, dass sie ihre Mutter einmal im Monat besuchen können. Und auch das klappt nicht immer. Sie sei schon zweimal vergeblich von Karlsruhe nach Oberderdingen gefahren, weil die Anmeldung nicht richtig registriert worden sei, erzählt sie. Das alles sei doch nicht mehr tragbar und passe überhaupt nicht zur aktuellen Entwicklung der Zahlen. Schließlich gebe es kaum mehr Neuinfektionen. Schlimm findet Christine Huber, dass die Alten im Haus bis vor kurzem auch untereinander isoliert waren.

Ich hatte den Eindruck, dass es der Heimleitung nur um ihren guten Ruf ging und darum, coronafrei zu sein, doch die Heimbewohner waren ihr egal.

Christine Huber, Tochter einer Bewohnerin

„Sie durften nicht zusammensitzen, und es gab auch kein gemeinsames Mittagessen“, weiß sie zu berichten. Sie erzählt auch von einer Frau, die vor der Corona-Krise ihren Mann, der einen Schlaganfall hatte, täglich besucht habe. Und ihn dann mehr als zwei Monate lang überhaupt nicht mehr sehen durfte – für beide eine schlimme Erfahrung.

Es geht nur um den guten Ruf

„Ich hatte den Eindruck, dass es der Heimleitung nur um ihren guten Ruf ging und darum, coronafrei zu sein, doch die Heimbewohner waren ihr egal“, sagt Huber. Dass es auch anders geht, erlebt sie in Karlsruhe in unmittelbarer Nachbarschaft. Im Heim gleich nebenan wurde der Vatertag gefeiert, außerdem gab es einen ökumenischen Gottesdienst im Freien, und auch in den Pflegeheimen in Bretten, Neibsheim und Gondelsheim seien die Begegnungsmöglichkeiten deutlich kulanter.

„Mit ein bisschen gutem Willen könnte man diese Situation sicher für alle Beteiligten humaner gestalten“, meint sie und hofft bei weiterhin sinkenden Fallzahlen auf eine Lösung für die Menschen im – wie sie sagt – unverschuldeten Knast.

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Wohnbereiche wieder geöffnet

Auf Nachfrage erklärt Pressesprecher Bernhard Rössler, dass man im Oberderdinger Seniorenzentrum Haus Edelberg mittlerweile die Begegnung zwischen Angehörigen und Bewohnern wieder ermögliche. Dazu habe man einen Besucherraum eingerichtet, der gerne und oft genutzt werde. Die Wohnbereiche seien wieder geöffnet, sodass die Bewohner eines Wohnbereichs seit Anfang der Woche wieder gemeinsam zu Mittag essen könnten. Das Restaurant sei allerdings noch geschlossen.

Das Spazieren gehen im Garten sei jedoch ebenso möglich wie die Nutzung der Terrassen. Und für Verbesserungsvorschläge habe man immer ein offenes Ohr, erklärt Alexander Grunewald, Geschäftsführer der Haus Edelberg Seniorenzentren, und ergänzt: „Bitte wenden Sie sich gerne direkt an das Seniorenzentrum und sagen uns, wo der Schuh drückt“.

Die offenen Ohren hat Christine bislang allerdings vergeblich gesucht. Und im Garten hat sie bislang auch noch keinen Bewohner mit Angehörigen gesehen. Auch vom Sozialministerium hat sie bis heute noch keine Antwort bekommen.