Ihre Solidarität mit den Erkrankten bringen die Teilnehmer des Weingartner Lebenslaufs (hier ein Foto von 2017) zum Ausdruck.
Ihre Solidarität mit den Erkrankten bringen die Teilnehmer des Weingartner Lebenslaufs (hier ein Foto von 2017) zum Ausdruck. | Foto: Sieber

Blut engagiert sich seit 1996

Auf der Suche nach dem genetischen Zwilling

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Den 100 000. potenziellen Stammzellspender hat jetzt der gemeinnützige Verein Blut (Bürger für Leukämie- und Tumorerkrankte) in Weingarten gewonnen. Genauer gesagt eine Spenderin: Sonja Awwad aus Hatzenbühl ließ sich bei der Typisierungsaktion für den zweijährigen Colin in Hördt/Pfalz registrieren. Die 37-Jährige ist selbst Mutter von zwei Kindern und hat eine Tochter im gleichen Alter wie Colin. Wie Colins Mutter ist auch sie Erzieherin; als sie vom Schicksal der Familie erfahren hatte; war der Entschluss, sich typisieren zu lassen, schnell gefasst: „Man fühlt schon eine große Verbundenheit mit der Familie von Colin. Und wenn man irgendwie helfen kann, ist das eine gute Sache.“ Ihr Mann ist schon länger typisiert, sie hat nun ebenfalls die Gelegenheit genutzt, um sich in ein Stammzellspender-Register aufnehmen zu lassen.

Das Engagement  von Blut begann schon 1996

Blut hat sein Engagement 1996, damals noch als „Freundeskreis Leukämiekranker“, in Weingarten begonnen und ist einer von mehreren Vereinen und Dateien, die in Deutschland Typisierungsaktionen veranstalten. Der Verein betreibt keine eigene Datei, sondern arbeitet mit regionalen Registern zusammen. Alle Dateien sind über das Zentrale Knochenmarkspender-Register Deutschland (ZKRD) vernetzt, so dass jeder gewonnene Spender für Leukämie-Patienten auf der ganzen Welt zur Verfügung steht.
Allein in Deutschland wird jedes Jahr rund 11 000 Männern, Frauen und Kindern die Diagnose Blutkrebs gestellt. Für viele von ihnen ist eine Stammzelltransplantation die einzige Aussicht auf Heilung. Weil nur etwa ein Drittel der Patienten innerhalb der Familie einen passenden Spender findet, sind die meisten Patienten darauf angewiesen, dass sich in den Registern ein „genetischer Zwilling“ findet. Mit jedem Freiwilligen, der sich neu aufnehmen lässt, wächst die Chance auf Leben. Typisieren lassen kann sich jeder gesunde Mensch zwischen 17 und 45 Jahren.

Für  über 700 Menschen wurde ein Spender gefunden

Durch die Arbeit von Blut haben bislang über 700 Menschen einen Stammzellspender gefunden. Um die Typisierungsaktionen und die vom Verein initiierten Verbesserungen der Situation der Patienten und ihrer Angehörigen in der Region zu finanzieren, veranstaltet Blut am 16. Juni den 13. Weingartner Lebenslauf. Unter dem Motto „Laufen, walken, geben – für die Chance auf Leben“ wollen die Teilnehmer mit diesem Sponsorenlauf die Menschen unterstützen, die gegen Krebs kämpfen, an diejenigen erinnern, die diesen Kampf verloren haben, und der Hoffnung Ausdruck geben, dass die Krankheit Krebs eines Tages besiegt sein wird.

Große Hilfsbereitschaft: Bei der Aktion „Colin“ in Hördt standen die potenziellen Stammzellspender Schlange.
Große Hilfsbereitschaft: Bei der Aktion „Colin“ in Hördt standen die potenziellen Stammzellspender Schlange. | Foto: pr

Weingarten geht auf die Straße

Seit dem allerersten Lebenslauf ist das Engagement, vor allem in Weingarten selbst, überwältigend. Im vergangenen Jahr waren 1 158 Teilnehmer am Start, die insgesamt 8 085 Runden liefen. Die größte Gruppe „Nils“ kam mit 238 Läufern und 1 830 absolvierten Runden auf die höchste Kilometerzahl. Die Weingartener Turmbergschule hatte im vorigen Jahr bei ihrem Sommerfest zur Typisierungsaktion für den an Leukämie erkrankten Schüler aufgerufen. Inzwischen hat Nils seine Stammzelltransplantation hinter sich. Insgesamt kamen beim Lebenslauf im vorigen Jahr 38 175 Euro zusammen.

Unterstützung der Palliativstation

Durch die Spenden finanziert Blut seine komplette Arbeit, neben den Typisierungsaktionen ist das vor allem die Unterstützung der Palliativstation des Städtischen Klinikums Karlsruhe. Zu diesem Zweck wurde 2005 unter dem Dach von Blut der Förderkreis Palliativmedizin Karlsruhe gegründet. Aus den eingehenden Spenden werden unter anderem Anschaffungen und zusätzlich notwendiges Personal, Therapieangebote und die Unterstützung betreuender Angehöriger und Kinder von Patienten bezahlt.