Hornissen sind Nützlinge. Zur ihrer Beute gehören unter anderem auch Wespen.
Hornissen sind Nützlinge. Zur ihrer Beute gehören unter anderem auch Wespen. | Foto: Uwe Anspach/dpa

15 Fachberater im Landkreis

Hornissen meiden den Menschen

Von Klaus Müller
Nicht jedes herumfliegende schwarz-gelbe Insekt muss gleich gefürchtet und womöglich mit viel Aktionismus bekämpft werden. Und nicht alles in besagter Farbschattierung ist eine „gemeine Wespe“, die nervt, sich aggressiv verhält und sogar sticht. Es gibt auch schwarz-gelbe Insekten, die zwar zur Familie der Wespen gehören, sich aber deutlich gesitteter benehmen als die im Sinne des Wortes gemeine Wespe. Gemeint sind Hornissen.

Heftige Geschichten kursieren

So manche heftige Geschichte kursiert nach wie vor über Hornissen. Da haben sich Sinnsprüche ins Bewusstsein von Generationen festgesetzt, wie „sieben Hornissenstiche töten ein Pferd, drei Stiche einen Menschen“ – was übrigens absolut unbewiesen ist.

Wie aber sind nun Hornissen? Auf was muss man achten, wenn sich in der Nähe des Wohnbereichs ein Hornissennest befindet? Sind sie gefährlich? Diese und andere Fragen besprachen die BNN mit dem Hornissenfachberater Harald Wiedemann. Er zählt zu den rund zehn bis 15 ehrenamtlichen Fachberatern, die im Landratsamt angesiedelt sind.

Hornissen stehen unter Artenschutz

Die Wespenart ist größer als die deutlich bekanntere und aggressivere sogenannte gemeine Wespe („Deutsche Wespe“). Im Mittelpunkt eines Nests – und das ohne Wenn und Aber – steht die Königin. Sie ist gleichzeitig immer Gründerin einer neuen Hornissengemeinschaft.

Hornissen stehen unter Artenschutz, was unter anderem bedeutet, dass ihre Nester – wenn überhaupt – nur von Fachleuten umgesiedelt werden dürfen. Wer da selbst Hand angelegt, begeht laut Wiedemann im Grunde eine Straftat, die mit erheblichen Geldbußen geahndet werden kann.
Das Nest muss trocken und geschützt sein. Das können, so Wiedemann, Rollladenkästen sein, Scheunen, Totbäume oder Speicher. Bis zu 50 mal 70 Zentimeter groß kann ein Hornissennest werden.
Siedelt sich ein Hornissenvolk zum Beispiel in unmittelbarer Nähe eines Wohnbereichs an, treten die Fachberater auf den Plan. „Wir beraten zunächst und kommen, wenn nötig, auch vor Ort.“ Handelt es sich tatsächlich um ein Hornissennest (für alles andere, beispielsweise Wespennester, sind Kammerjäger zuständig), muss man klären, ob das Nest umgesiedelt werden sollte oder, sofern keine Gefährdung davon ausgeht, ob es bleibt, wo es ist. Die Umsiedelung durch einen Fachberater ist übrigens kostenlos. Nur er darf die Umsiedelung vornehmen.

Hornissen sind Nützlinge

Hornissen, betont Wiedemann, seien Nützlinge. Zur Beute der Hornissen gehören auch Wespen. Ohne Hornissen gebe es jedes Jahr eine Wespenplage, so Wiedemann weiter. Ein Volk braucht täglich rund ein Kilogramm Insekten, davon werden ein halbes Kilogramm verwertet. Zum Verständnis: Etliche Tausend Wespen wiegen zusammen ein Kilogramm.

Hornissen sind laut Auskunft des Fachberaters nicht aggressiv, wie immer wieder behauptet wird. Im Gegenteil: Sie meiden den Menschen und im Gegensatz zu Wespen lassen sie eine Kaffeetafel im Freien links liegen. Sie werden jedoch aggressiv, wenn sie ihr Nest bedroht sehen. Dann stechen sie auch zu. Der Stich ist etwas intensiver als bei einer Biene. Aufpassen müssen natürlich Allergiker.
In welchen Mengen Hornissen in diesem Sommer auftreten, wird sich in den kommenden Wochen zeigen – dann, wenn die Hornissenvölker im August und September ihren Entwicklungshöhepunkt erreicht haben.

Die Kontaktdaten der Hornissenfachberater erhält man in der jeweiligen Gemeindeverwaltung oder im Landratsamt (Behördennummer 115).