Wegen der Schließung des Bahnübergangs müssen Gondelsheims Bürgermeister Markus Rupp und seine Mitstreiter neue Wege für die Bevölkerung suchen, um die Gleise zu queren – für den Pkw-Verkehr lässt sich das nicht realisieren.
Wegen der Schließung des Bahnübergangs müssen Gondelsheims Bürgermeister Markus Rupp und seine Mitstreiter neue Wege für die Bevölkerung suchen, um die Gleise zu queren – für den Pkw-Verkehr lässt sich das nicht realisieren. | Foto: Bindschädel

Interview mit Bürgermeister

Im April schließen sich die Bahnschranken in Gondelsheim für sieben Monate – Gemeinde geteilt

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Seit einem halben Jahr ist bekannt, dass Gondelsheim aufgrund der dauerhaften Schließung des Bahnübergangs ab April für mehrere Monate geteilt sein wird. Zur Folge hat dies jede Menge Einschränkungen für die Bürgerinnen und Bürger. Gondelsheims Bürgermeister Markus Rupp (SPD) berichtet von den Maßnahmen, die innerhalb kürzester Zeit umgesetzt wurden und präzisiert die Folgen für die Bevölkerung.

Brennt die bevorstehende Teilung Gondelsheims schon jetzt unter den Nägeln oder ist dieses Thema doch noch relativ weit weg?

Markus Rupp: Seit uns am 30. August 2019 erstmals förmlich mitgeteilt wurde, dass die Bahnschranken in Gondelsheim dauerhaft für mehrere Monate geschlossen sein werden, ist das Thema akut. Der Vorlauf war sehr kurz, deshalb muss man auch ein Stück weit die Bahn kritisieren.

Schließlich war diese Maßnahme schon deutlich länger geplant. Man hätte der Gemeinde eigentlich Anfang 2019 Bescheid geben müssen, damit man vor Ort genügend Zeit hat. Denn so war vieles schwer zu realisieren.

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Welche Schritte haben Sie genau eingeleitet, um sich auf die kommende Situation vorzubereiten?

Wir haben sofort eine Task Force gegründet und versucht herauszufinden, wer und was von dieser Maßnahme alles betroffen ist – und es sind wirklich viele Dinge, die jetzt bewältigt werden müssen. Ich denke aber, dass wir gute Lösungen gefunden haben. Allerdings muss man ganz klar sagen, dass wir die Probleme auf beiden Seiten der Schienen nur lindern können, lösen können wir sie nicht.

Am 10. April schließen die Schranken, planmäßig soll ab 1. November der Bahnübergang dann wieder offen sein

Bürgermeister Markus Rupp

Wie sieht – Stand heute – der Zeitplan für die gesamte Baumaßnahme aus? Wie lange sollen die Schranken geschlossen bleiben und Gondelsheim geteilt sein?

Am 10. April schließen die Schranken, planmäßig soll ab 1. November der Bahnübergang dann wieder offen sein. Die Bauarbeiten, die seit einigen Monaten auf der B35 laufen, sind daneben bis Juni geplant, es sieht aber danach aus, dass man früher fertig sein wird.

Allerdings haben wir bereits im März drei Tage lang ein Problem: Vom 8. bis 10. März wird der Bahnübergang nämlich geschlossen. An diesen Tagen werden die Schienen entfernt und frisch verlegt, um die Strecke tauglich für den späteren ICE-Verkehr zu machen. In dieser Zeit ist lediglich für Fußgänger eine Querung möglich, für den Pkw-Verkehr jedoch nicht.

Die langen Schließzeiten am Bahnübergang Gondelsheim sorgen täglich für Staus und manch waghalsiges Manöver.
Die langen Schließzeiten am Bahnübergang Gondelsheim sorgen täglich für Staus und manch waghalsiges Manöver. | Foto: Waidelich

In Heidelsheim und in Helmsheim sind die Bahnschranken tatsächlich dauerhaft geschlossen, in Gondelsheim wird das nicht der Fall sein. Wie stellt sich der „geschlossene Bahnübergang“ dann in Gondelsheim dar?

Verkehrsrechtlich ist der Übergang ab dem 10. April geschlossen, allerdings sind die Schranken in Gondelsheim nicht dauerhaft unten. Wir werden deshalb aber eine Barriere aufstellen, damit der Übergang bei offenen Schranken nicht als Schlupfloch für den Pkw-Verkehr genutzt wird. Das ist seit eineinhalb Wochen so jetzt auch alles manifestiert. Schließlich haben wir 900 Menschen auf der Ostseite, die dann grundsätzlich abgeschnitten sind.

Diese Leute haben längere Fahrtwege zur Arbeit und sie haben keinen direkten Zugang zur Nahversorgung im Ort

Bürgermeister Markus Rupp

Was genau bedeutet das für die Menschen auf dieser Seite?

Da hängt vieles dran. Diese Leute haben längere Fahrtwege zur Arbeit und sie haben keinen direkten Zugang zur Nahversorgung im Ort. Das schadet wiederum auch den Geschäften im Ort, da sich bestimmt einiges in Richtung Osten – beispielsweise nach Neibsheim – verschieben wird. Dann darf man auch nicht vergessen, dass wir auf der Ostseite unseren Wertstoffhof haben, den dann zwar 900 Menschen nutzen können, aber 3.100 Menschen eben nicht.

Wie soll dieses Problem gelöst werden? Ähnliche Probleme dürfte es auch mit der Müllabfuhr geben …

Wir werden jetzt im Gewerbegebiet Gölswiesen einen weiteren provisorischen Wertstoffhof zusammen mit dem Landratsamt einrichten. Was die Müllabfuhr angeht, kann ich sagen, dass die im Abfuhrkalender aufgeführten Termine eingehalten werden. Es kann zwar sein, dass die Tonnen später geleert werden, aber die Tage bleiben gleich.

Kommen wir noch einmal auf die 900 Menschen zurück, die de facto vom Ort abgeschnitten sind. Wie sehen die Lösungen für dieses Dilemma aus?

Wie bereits gesagt, ist am Bahnübergang eine Querung mit dem Auto ausgeschlossen, lediglich für Fußgänger ist bei geöffneter Schranke eine Querung möglich. Daneben haben wir ja die reguläre Fußgängerquerung an der Haltestelle Schlossstadion, die natürlich auch weiterhin genutzt wird.

Zudem wird es eine Fußgängerbrücke zwischen dem Bahnhof und der ehemaligen Asyl-Gemeinschaftsunterkunft geben, allerdings ist diese nicht für mobilitätseingeschränkte Menschen geeignet. Diese Menschen müssen dann die Schienen beim Bahnübergang überqueren, wenn die Schranken oben sind – allerdings wird es hier immer wieder Wartezeiten geben.

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Wartezeiten werden wohl auch die Schüler betreffen, die die Gemeinschaftsschule besuchen. Warten die Schüler wirklich, bis die Schranken oben sind oder nehmen sie immer die weiter entfernte Fußgängerquerung am Schlossstadion?

Es kommen viele Schüler von auswärts mit dem Zug, die in unsere Gemeinschaftsschule gehen. Es kann schon sein, dass sich da nicht alle an die Regeln halten. Deshalb ist es wichtig, dass die Bahn zumindest anfangs Wachpersonal stellt.

Wir werden daneben unseren Dorfpolizisten verstärkt einsetzen. Allerdings muss man deutlich sagen, dass es hier einfach keine 100-prozentige Sicherheit gibt. Es wird immer mal vorkommen, dass einer rüber huscht. Aber ich denke, dass wir für die Fußgänger im Rahmen der Möglichkeiten das Optimum rausgeholt haben.

Was kann Gondelsheim daneben für die Berufspendler tun, die auf das Auto angewiesen sind?

Wir werden von April bis Oktober etwa 120 bis 130 Pkw-Stellplätze auf der Westseite beim Altenwingertweg einrichten. Geplant sind daneben noch 40 Fahrrad-Stellplätze. Pro Haushalt ist ein Pkw-Stellplatz frei, wer weitere Stellplätze gemeldet hat, muss dafür eine Gebühr bezahlen.

Wir haben hierfür auch Fläche dazu gepachtet. Diese temporäre Maßnahme kostet rund 100.000 Euro. Das ist ein Service, den die Gemeinde ihren Bürgerinnen und Bürgern gerne zur Verfügung stellt. Wir sind aktuell in intensiven Gesprächen mit der Bahn, damit die sich an den Kosten beteiligt.

Wir werden als Dankeschön für die Bevölkerung mitten in der Zeit der Einschränkungen ein West-Ost-Fest und ein Ost-West-Fest feiern

Bürgermeister Markus Rupp

Besteht eine Möglichkeit, die geplagte Gondelsheimer Bevölkerung zumindest ein kleines bisschen zu „entschädigen“?

Wir werden als Dankeschön für die Bevölkerung mitten in der Zeit der Einschränkungen ein West-Ost-Fest und ein Ost-West-Fest feiern. Am 18. Juli wird ein Foodtruck auf dem Rathausplatz stehen und der Musiker Cris Cosmo wird auftreten. Am 19. Juli wird der Foodtruck auf dem Kirchplatz stehen und hier wird dann die Big Band des Landkreises Karlsruhe spielen.

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Gibt es denn eine Erkenntnis, die sich für Gondelsheim aus dieser ganzen Sache ziehen lässt?

Die gibt es in der Tat, denn nach diesem Fiasko ist hoffentlich allen klar: Der Bahnübergang in Gondelsheim muss schnellstmöglich weg. Wir fordern, dass endlich eine Unterführung für den Pkw-Verkehr beim Bahnhof auf der Westseite der Gleise kommt, die dann auf der Ostseite entlang des Schlossparks geht und letztlich auf die K3506 zurückführt.

Darüber ist man sich in allen Gremien klar, auch die Planung ist längst klar. Baubeginn dieser Maßnahme muss 2022 oder spätestens 2023 sein. An der Stelle des jetzigen Bahnübergangs soll dann eine Fußgänger-Unterführung gebaut werden.