Das Ergebnis kann sich am Ende des Arbeitstages sehen lassen: Im selbst gebauten Hochbeet sind die Setzlinge gepflanzt. Das freut Schüler und Gäste, wie Karlsruhes Regierungspräsidentin Sylvia Felber (vorn) und Reiner Bierig vom Verband der Garten- und Landschaftsbauer Baden-Württemberg (ganz rechts, neben Gärtner Mohr).
Das Ergebnis kann sich am Ende des Arbeitstages sehen lassen: Im selbst gebauten Hochbeet sind die Setzlinge gepflanzt. Das freut Schüler und Gäste, wie Karlsruhes Regierungspräsidentin Sylvia Felber (vorn) und Reiner Bierig vom Verband der Garten- und Landschaftsbauer Baden-Württemberg (ganz rechts, neben Gärtner Mohr). | Foto: Thienes

Grüne Schätze in Gondelsheim

Im Garten ist „jeden Tag Future“

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Sie wuchten Steine, hantieren mit Kelle und Schaufel. Am Ende des Tages haben sie Dreck an den Händen und den Stolz im Gesicht stehen. Die Setzlinge sind im Hochbeet eingesetzt – im selbst gebauten, wohlgemerkt. 15 Siebtklässler der beiden Gemeinschaftsschulen Johann-Peter-Hebel in Bretten und der Kraichgauschule in Gondelsheim haben das Glück, an Markus Mohr geraten zu sein. Die berufliche Leidenschaft des Gondelsheimer Garten- und Landschaftsbauers geht sozusagen analog viral. „Einfach ansteckend“, findet auch Regierungspräsidentin Sylvia M. Felder vom RP Karlsruhe. Sie schaut auf Initiative des Berufsverbands der Gala-Bauer bei Mohr vorbei und ist beeindruckt: „Hier scheint es keinen Nachwuchsmangel zu geben.“

Der Geschäftsführer des Galabau Verbandes Baden-Württemberg, Reiner Bierig, betont, wie bedeutend es sei, eigene Fachkräfte per Ausbildung zu gewinnen. Achim Jansen, selbst Inhaber eines Galabau-Betriebes und Vorsitzender des Regionalverbands Mittlerer Oberrhein, bestätigt das aus der Praxis. Das RP ist im Regierungsbezirk Karlsruhe zuständig für die Ausbildungsbegleitung, verantwortlich für deren Betreuung, erläutert Ulrich Roßwag, Abteilungspräsident am RP Karlsruhe, unter anderem zuständig für Landwirtschaft und Lebensmittelwesen. Von fast 1 500 Auszubildenden in Baden-Württemberg im Garten- und Landschaftsbau seien etwa 16 Prozent inzwischen weiblich, erläutert Bierig, Tendenz wachsend.

Gemischte Teams arbeiten am besten

„Sie arbeiten“, so Mohr, „am besten in gemischten Teams.“ Die weiblichen Azubis seien häufig die kreativen, planenden und die Männer die Umsetzer, so Mohr. Bierig ist überzeugt, die breite Aufstellung des Galabau verleihe ihm seine besondere Attraktivität – vom Golf- oder Sportplatzbau bis hin zu Schwimmteichen oder öffentlichen Grünanlagen.

Da kommen auch Lehrer mal raus ins Grüne

Mohr stehe, lobt ihn Sylvia Felber, „vorbildhaft“ für andere mit seinem Netzwerken mit Schulen. Alle Seiten profitierten – „selbst die Lehrer“, erwidert Mohr lachend, „da sie dann mal raus ins Grüne kommen“. Lehrer Ralf Martin – mit Schülern des Berufsorientierungsjahrs vor Ort – und Schulsozialpädagogin Doris Lang-Sitzler von der Kraichgauschule nicken. Seit fünf Jahren kooperieren ihre Schulen mit Mohr.

Begreifen statt nur schauen

Ralf Martin: Hier wie bei anderen Firmenbesuchen gehe es darum, dass die Schüler nicht nur schauten, sondern begriffen, buchstäblich, durch eigenes Tätigwerden. Und Mohr machte sich das zunutze. „Er kam auf uns Schulen zu“, so Lang-Sitzler. Sie dreht zwei eben geerntete Tomaten aus früheren Hochbeeten zwischen den Fingern. Von der Kraichgau-Gesamtschule, sagt sie, sei es ein 20-Minuten-Fußmarsch bis zu Mohr im Alten Bahnwärterhaus, hinter dem Altenwingertweg in Gondelsheim hinaus.

Das Ergebnis kann sich am Ende des Arbeitstages sehen lassen: Im selbst gebauten Hochbeet sind die Setzlinge gepflanzt. Das freut Schüler und Gäste, wie Karlsruhes Regierungspräsidentin Sylvia Felber (vorn) und Reiner Bierig vom Verband der Garten- und Landschaftsbauer Baden-Württemberg (rechts neben Gärtner Mohr).
Das Ergebnis kann sich am Ende des Arbeitstages sehen lassen: Im selbst gebauten Hochbeet sind die Setzlinge gepflanzt. Das freut Schüler und Gäste, wie Karlsruhes Regierungspräsidentin Sylvia Felber (vorn) und Reiner Bierig vom Verband der Garten- und Landschaftsbauer Baden-Württemberg (rechts neben Gärtner Mohr). | Foto: Thienes

Mohr und seine Partnerin Yvonne Kluge haben schon einige Jugendliche nach dem jährlichen Tag des Berufsparcours oder nach Projekttagen mit dem Beruf liebäugeln sehen. Ein Bub frage ständig, wann er seine Bewerbung denn abgeben dürfe. Mohr vertröstet ihn dann stets aufs Schulende.

Ganzheitlich ökologische Erziehung beim Gärtner

Draußen schichten die 14 Jungen und ein Mädchen weiter Totholz auf Gittermatten, welche die Hochbeete von innen gegen Mäuse abdichten. Drinnen setzt die Gruppe das Gespräch fort. Es gehe nicht allein ums grüne Klassenzimmer und die richtige Berufswahl. Der Aspekt einer ganzheitlichen Erziehung spiele eine Rolle, so Lang-Sitzler. Mohr bestrafe beispielsweise das Mitbringen von Pappbechern oder Plastikflaschen mit einem Euro in die Gemeinschaftskasse.

„Bei uns ist jeden Tag Future“, nennt Reiner Bierig das integrierte grüne Denken. Er hebt angesichts des Klimawandels die wachsende Bedeutung der sieben Fachrichtungen im Garten- und Landschaftsbau hervor. „Wir müssen viel mehr machen als Blühstreifen“ – wichtig, ja, wie ein Nicken in der Runde bestätigt. „Industriedächer begrünen, vertikale Gärten schaffen“, so Bierig. Er verweist auf die Bundesgartenschau in Heilbronn, die noch neun Tage läuft. Beispielsweise funktionierten auch Fotovoltaikanlagen nachweislich besser in einer durch viel Grün gekühlten Umgebung, so Bierig.