Bevorzugt Sandböden: Die Mohn-Mauerbiene - hier an ihrer Brutröhre - hat im Landkreis Karlsruhe bundesweit einen ihrer letzten Verbreitungsschwerpunkte. | Foto: Franz Lechner

Mohn-Mauerbiene im Landkreis

Insekt mit Sinn für „Schöner Wohnen“

Von Franz Lechner
Die Mohn-Mauerbiene ist so etwas wie die Innenarchitektin unter den Wildbienen. „Sie trägt ihren Namen, weil sie die Wände ihrer Brutröhren mit den Blütenblättern verschiedener Pflanzen, aber meist mit denen des Klatschmohns auskleidet“, erklärt der Wildbienenspezialist Arno Schanowski, was die Mohn-Mauerbiene unter „Schöner Wohnen“ versteht.

Wert auf „edle Innenausstattung“

Wer so viel Wert auf eine edle Innenausstattung legt, hat es nicht immer leicht im Leben. Und so galt die Mohn-Mauerbiene in Baden-Württemberg einige Zeit sogar als ausgestorben. Bis man die Verschollene vor einigen Jahren ausgerechnet im Landkreis Karlsruhe wieder entdeckte.

„Das erste Vorkommen, das wir nachweisen konnten, lag im Naturschutzgebiet „Wilhelmsäcker“ bei Stutensee-Spöck, inzwischen haben wir aber auch weitere Vorkommen bei Hambrücken, Philippsburg, Karlsdorf-Neuthard und an anderen Orten der Bruchsaler Hardt entdeckt“, berichtet Arno Schanowski. Die ungewöhnliche Wildbiene habe in den Sandböden des nordwestlichen Landkreises bundesweit einen ihren letzten Verbreitungsschwerpunkte.

Vom Aussterben bedroht

Die unauffällig gefärbte Wildbiene gilt aber nicht nur bundesweit, sondern auch in Baden-Württemberg weiterhin als eine vom Aussterben bedrohte Art. Deshalb ist sie auch Teil des landesweiten Artenschutzprogramms. „Das ist ein Programm, mit dem die Landesregierung Tier- und Pflanzenarten, die hochgradig gefährdet sind, schnell und gezielt helfen will“, erklärt der im Regierungsbezirk Karlsruhe für den Schutz seltener Arten zuständige Landschaftsökologe Peter Zimmermann.

Größtes Vorkommen im Gebiet „Wilhelmsäcker“

Das größte Vorkommen der Mohn-Mauerbiene im Naturschutzgebiet „Wilhelmsäcker“ wird beispielsweise durch eine Zusammenarbeit mit dem Nebenerwerbs-Landwirt Bernd Hübner gezielt gefördert. „Als Bio-Landwirt verzichte ich völlig auf den Einsatz der so genannten Unkrautvernichtungsmittel“, erklärt Hübner. Die Folge sind bunte Getreideäcker, auf denen reichlich Kornblumen und Klatschmohn blühen. „Genau das also, was eine Mohn-Mauerbiene für ihre Brutröhren beziehungsweise als Nahrungspflanzen braucht“, erklärt Schanowski.

Daneben bepflanzt der Landwirt aber auch gut zehn Hektar seiner Ackerflächen mit einer buntblühenden Mischung aus Wildkräutern und legt in diesen Flächen spezielle Furchen an. Furchen, die der Mohn-Mauerbiene perfekte Voraussetzungen zum Anlegen ihrer Brutröhren bieten. Dabei wird der Bio-Bauer natürlich durch das Artenschutzprogramm des Landes finanziell unterstützt.
Die Voraussetzungen sind also gut, dass der Landkreis auch weiterhin das größte und vielleicht auch das letzte Vorkommen der Mohn-Mauerbiene in Baden-Württemberg beherbergt.