Runder Tisch tagt erstmals

Integration in Bretten permanent gefragt

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Eine unscheinbare Zahl ist es, die dem Thema Integration eine völlig neue Dimension verleiht: Sie lautet 7,5 Prozent. So hoch ist der Prozentsatz der Menschen, die Jahr für Jahr nach Bretten kommen und die Stadt wieder verlassen. Rund 2000 Menschen kommen, und rund 2000 Menschen gehen wieder – 7,5 Prozent der Einwohner“, informiert Bernhard Strauß, der seit knapp drei Jahren die Stelle des Integrationsbeauftragten der Stadt Bretten inne hat. Und machte damit deutlich, welche permanente Integrationsleistung in Bretten Jahr für Jahr zu bewältigen ist – weit über die Begleitung von 300 Flüchtlingen hinaus.

Integration und Vielfalt

Auf eine gute Resonanz stieß die Einladung zum „Runden Tisch Integration und Vielfalt“, zu dem die Stadt Bretten erstmals alle in der Integrationsarbeit engagierten Akteure eingeladen hatte. Rund 60 Aktive der Brettener Initiativen, Institutionen und Vereinen, von Caritas und Diakonie, Kindergärten und Schulen, Arbeitsagentur und Jobcenter, aber auch Vertreter von Firmen und Gemeinderat kamen, um das Thema zu diskutieren.

Ziel ist ein Integrationskonzept

„Wo stehen wir mit unserer Integrationsarbeit und welche Ansätze gibt es, sie zu verbessern“, nannte Oberbürgermeister Martin Wolff als erstes Arbeitsziel des Treffens, dem weitere in verschiedenen Arbeitsgruppen folgen sollen. Am Ende könnte ein Integrationskonzept stehen, das als künftiger Handlungsleitfaden dient, meinte das Stadtoberhaupt.
Als Einstieg ins Thema präsentierte Bernhard Strauß aktuelle Zahlen in anschaulicher Weise (siehe Hintergrund). Abgesehen von der Tatsache, dass jeder fünfte Brettener keinen deutschen Pass besitzt, war dabei besagte Zahl bemerkenswert, die Aufschluss über die Bevölkerungsfluktuation gibt. Dann ging es in die fünf Arbeitsgruppen, nach einer Viertelstunde wurde im Zirkel gewechselt.

Positive Aspekte gewürdigt

Wie ist es um das Zusammenleben der verschiedenen Nationalitäten in der Stadt bestellt, lautete die Frage an der ersten Station. Die Eindrücke wurde auf Zetteln gesammelt und an die Pinnwand geheftet. Positiv bewertet wurden hier der christlich-islamische Dialog, die Flüchtlingsinitiativen und die Hilfsbereitschaft vieler Ausländer. Als Probleme wurden Vorurteile, mangelnder Respekt und vor allem die sprachlichen Hürden ausgemacht.

Mehr Flexibilität gewünscht

Beim Thema „Arbeitswelt“ verwiesen Unternehmer auf den hohen Ausländeranteil ihrer Belegschaft. Moniert wurde der aufwändige Weg, bis ein ausländischer Berufsabschluss anerkannt wird. Angeregt wurden ein Arbeitsstellenpool, Berufsberatung in Moscheen oder Islamvereinen sowie mehr Flexibilität bei der Ausbildung junger Migranten. Beim Themenfeld „Beratungen und Hilfen“ gab es Lob für die bestehenden Angebote, gewünscht wurde allerdings ein besserer Informationsaustausch und eine bessere Vernetzung. Vorgeschlagen wurden unter anderem Patenschaften für Flüchtlinge, ein Coaching für Ehrenamtliche und der Ausbau der Schulsozialarbeit. Auch die Senioren sollten nicht vergessen werden.

Besserer Betreuungsschlüssel

Besonders engagiert wurde beim Thema „Kinder und Jugendliche“ diskutiert. Anerkennung gab es hier für Hausaufgabenbetreuung, Sprachförderung und Integrationsangebote über den Sport, gefordert wurde ein besserer Betreuungsschlüssel in den Kindergärten für Flüchtlingskinder, eine engmaschige Begleitung der Eltern und ein besserer Informationsfluss bezüglich Hilfsangeboten. Kritisch registriert wurden die schlechten Deutschkenntnisse vieler Eltern. Vielfältige Statements gaben die Besucher auch zu der Fragestellung ab, was Integration für sie bedeutet.
Am Ende des Abends konnten sich die Teilnehmer des Runden Tischs für die weitere Mitarbeit in einer der Arbeitsgruppen melden, die sich in absehbarer Zeit treffen werden, um die angesprochenen Aspekte weiter zu bearbeiten.