Engagiert bei der Sache: Myriam Brunner, die Abteilungsleiterin für Beratung und Integration im Landratsamt Karlsruhe, und der Brettener Integrationsmanager Sebastian Wayß kümmern sich darum, dass die Integration der Geflüchteten gelingt.
Engagiert bei der Sache: Myriam Brunner, die Abteilungsleiterin für Beratung und Integration im Landratsamt Karlsruhe, und der Brettener Integrationsmanager Sebastian Wayß kümmern sich darum, dass die Integration der Geflüchteten gelingt. | Foto: Rebel

Integrationsmanager berichten

Integration von Flüchtlingen in Bretten: Papierkram, Sprachhürden und der ganze Rest

Anzeige

Wie gut gelingt die Integration von Geflüchteten in die deutsche Gesellschaft aktuell? Was sind die Schwierigkeiten dabei und wer gibt Unterstützung? Die lokalen Integrationsmanager in Bretten berichten.

Der Papierkram nimmt einen guten Teil der Arbeit der Brettener Integrationsmanager ein. Myriam Brunner, Abteilungsleiterin für Beratung und Integration im Landratsamt, drückt es vornehmer aus: „Soziale Arbeit ist sehr viel Antragsarbeit“, sagt sie.

Die Formulare seien komplex, Geflüchtete bräuchten zumindest am Anfang viel Unterstützung, etwa beim Ausfüllen eines Antrags zur Sicherung des Lebensunterhalts, erklärt Sebastian Wayß. Der Brettener Integrationsmanager und seine Kollegin Silke Habermaier bemühen sich trotzdem, dass ihre Klienten mit den Papieren auch alleine zurechtkommen. Denn um in Deutschland anzukommen und sich im Alltag zurechtzufinden, braucht es auch eine gewisse Kompetenz im Umgang mit Formularen. Und dazu gute Sprachkenntnisse.

Hürden für Mütter mit kleinen Kindern groß

Die Hürden dafür sind für Mütter mit kleinen Kindern immer noch hoch. Einen Sprachkurs für Mütter mit einer qualifizierten Kinderbetreuung gibt es im Landkreis bislang nur in Ettlingen. Im nördlichen Landkreis ist ein weiterer in Planung.

Auch interessant: Ettlingen und Bretten haben als einzige Kommunen im Landkreis die Mietpreisbremse

Bis zum Beginn der Corona-Krise leisteten in Bretten sogenannte Rucksackkurse gute Dienste, zu denen Mütter ihren Nachwuchs mitbringen konnten. Doch die gibt es derzeit nicht. „Bei den Drei- bis Sechsjährigen haben so gut wie alle einen Kitaplatz“, berichtet Brunner weiter, nur bei den jüngeren sei dies bislang nicht gelungen. Nicht alle Mütter seien bereit, ihre kleinen Kinder in eine Betreuung zu geben.

Fortschritte bei Arbeitsvermittlung

Gute Fortschritte vermelden die Integrationsmanager, die in Bretten rund 260 Geflüchtete betreuen, bei der Vermittlung in Arbeit. Die Zahlen verhalten sich analog zu denen des Landkreises. „40 Prozent der 15- bis 65-Jährigen arbeiten oder sind in der Hinführung zur Arbeit“, bekundet Brunner. Wer Arbeit sucht, finde sie recht schnell, die Fluktuation sei aber auch stark.

Auch interessant: Peter-und-Paul-Fest findet wegen Corona virtuell statt

Die Hälfte davon arbeiten in Helfertätigkeiten, die attraktiv sind, weil man dafür keine Vorbildung braucht. 20 Prozent sind in Ausbildung, zehn Prozent arbeiten als Fachkräfte und weitere 20 Prozent in Minijobs, Maßnahmen oder Praktika. Die Firmen Deuerer und Neff sind derzeit die wichtigsten Arbeitgeber in Bretten. Besonders freuen sich die Integrationsmanager über einen jungen Afghanen, der im Sommer die Ausbildung zum Maschinen- und Anlagenführer abschließt und der von seiner Firma wohl auch übernommen wird.

Was ist normal in Deutschland?

Einen breiten Raum nimmt bei der Integrationsberatung auch die Vermittlung dessen ein, wie das Leben hier funktioniert. Schwerpunktthemen sind Familie, Rollenbilder und Sexualität. Was ist normal in Deutschland, wie gehe ich mit Konflikten um, wo finde ich welche Unterstützung? Das sind Fragen, die in speziellen Kursen, aber auch in den regelmäßigen Sprechstunden der Integrationsmanager in der Unterkunft An der Schießmauer behandelt werden. „Es braucht einige Zeit, bis die Männer verstehen, dass es gut ist, wenn nicht nur sie Geld verdienen, sondern auch ihre Frauen“, sagt Wayß. Und dafür eben auch Deutschkenntnisse brauchen. Nach und nach wachse das Verständnis dafür.

Auch interessant: Bei der Lebenshilfe Bruchsal-Bretten wird wieder geschraubt und geleimt

Zuständig sind Wayß und Habermaier nicht nur für Bretten, sondern auch für die Umlandgemeinden. Dort arbeiten sie mit den jeweiligen Integrationsbeauftragten zusammen und besprechen regelmäßig Probleme, Projekte und Vorschläge der Ehrenamtlichen. Die Einzelfallberatung obliegt allerdings den Integrationsmanagern des Landkreises.

Keiner im Gymnasium

Einen engen Kontakt pflegen sie auch zu den Schulen. Die meisten der knapp 100 Kinder sind im Grundschulalter, die Älteren besuchen die Realschule und die Beruflichen Schulen, keines geht ans Gymnasium. „Es gäbe zwar Jugendliche, die ein Gymnasium besuchen könnten, aber die wollen lieber einen Beruf lernen und Geld verdienen“, sagt Sebastian Wayß. Dessen ungeachtet verfolgt er das Anliegen, jedem Geflüchteten zu dem höchst möglichen Bildungsabschluss zu verhelfen.