Während des Zweiten Weltkrieges gehörten Martin Bormann (rechts) als Leiter der Parteikanzlei, Generalfeldmarschall Wilhelm Keitel (links) und Hermann Göring (Zweiter von links) zum engsten Kreis um Adolf Hitler im "Führerhauptquartier".
Ob Adolf Hitler (zweiter von rechts) noch Ehrenbürger der Gemeinde Zaisenhausen – und bislang der einzige – ist, darüber gehen derzeit die Meinungen auseinander. | Foto: dpa

Thema im Gemeinderat

Ist Adolf Hitler noch immer Ehrenbürger von Zaisenhausen?

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Ist er es nun oder ist er es nicht? Ob Adolf Hitler noch Ehrenbürger der Gemeinde Zaisenhausen – und bislang der einzige – ist, darüber gehen derzeit die Meinungen auseinander. Doch damit soll spätestens am kommenden Dienstag Schluss sein. Dann nämlich will der Gemeinderat den Antrag der Bürgerliste zur Aberkennung der Ehrenbürgerwürde für Adolf Hitler öffentlich behandeln und einen Schlussstrich unter diese ebenso leidliche wie peinliche Debatte setzen.

Dabei hätte das Thema schon vor 27 Jahren behandelt und ad acta gelegt werden können. Bereits damals war der Zaisenhausener Heimatforscher Hartmut Hensgens – heute Fraktionsvorsitzender der Bürgerliste – bei den Recherchen für eine Publikation zur 1.000-Jahr-Feier auf ein Schreiben gestoßen, in dem sich Adolf Hitler für die Verleihung der Ehrenbürgerwürde in Zaisenhausen bedankt.

Adolf Hitler wird kurz nach seiner Ernennung Ehrenbürger

Bemerkenswert ist dabei, dass der Zaisenhausener Gemeinderat bereits am 2. Februar 1933, also nur drei Tage nach der Ernennung Hitlers zum Reichkanzler, die Verleihung der Ehrenbürgerrechte beschloss. „Das passt zur damaligen Grundhaltung der Zaisenhausener zum Nationalsozialismus“, bekundet Hobbyhistoriker Hensgen. Denn bereits im November 1932 hatte die NSDAP bei den Reichstagswahlen in Zaisenhausen 89,9 Prozent der Stimmen bekommen, am 5. März 1933 waren es sogar 95,8 Prozent, während die Hitler-Jünger im Reich auf lediglich 43,9 Prozent kamen.

Ehrenbürgerwürde mit dem Tod erloschen?

Mit dem Hitler-Brief in Händen ging Hensgen seinerzeit zu Bürgermeister Wolfgang Bratzel. Der wollte das Thema allerdings nur nicht-öffentlich behandeln, also hinter verschlossenen Türen. Von der Sitzung existiert eine Niederschrift: „Einstimmig stellt der Gemeinderat fest, dass das Ehrenbürgerrecht von Adolf Hitler mit dem Tod erloschen ist“, heißt es in dem Dokument vom 12. Oktober 1992, das im Rathaus vorliegt.

Für Altbürgermeister Bratzel, der heute noch für die Freien Wähler im Kreistag sitzt, war die Sache damit erledigt. „Wir haben das im Gemeinderat behandelt, dazu gibt es einen Beschluss“, erklärte er auf Nachfrage. Und relativiert das Thema Ehrenbürgerschaft für Hitler. „Das haben damals doch fast alle Städte und Gemeinden in Deutschland mitgemacht“, sagt er auf Nachfrage.

"Das mir vom Gemeinderat Zaisenhausen verliehene Ehrenbürgerrecht erfüllt mich mit Freude": Adolf Hitler bedankt sich in einem Schreiben vom 13. Februar 1933 persönlich für die Verleihung.
„Das mir vom Gemeinderat Zaisenhausen verliehene Ehrenbürgerrecht erfüllt mich mit Freude“: Adolf Hitler bedankt sich in einem Schreiben vom 13. Februar 1933 persönlich für die Verleihung. | Foto: Gemeinde Zaisenhausen

Hartmut Hensgen sieht das anders: „Mit dem Tod erloschen – das ist doch eine halbseidene Erklärung, damit man sich nicht weiter mit der Sache beschäftigen muss“, sagt er. Eine Ehrenbürgerschaft erlösche doch nicht mit dem Tod des Geehrten. Dann gäbe es ja kaum noch Ehrenbürger.

Das Thema sei dann aber leider über Jahre in den Hintergrund getreten. Erst mit dem Erstarken der Rechten in den vergangenen Jahren sei ihm wieder in den Sinn gekommen, dass es in Zaisenhausen noch einen „Schandfleck zu beseitigen gilt“.

„Das war mir schlicht nicht bekannt“, erklärt Bürgermeisterin Cathrin Wöhrle. Schockiert seien im Rasthaus alle dagesessen, als sie von ihrem braunen Ehrenbürger erfuhren. Jetzt soll der Makel per Gemeinderatsbeschluss endgültig aus der Welt geschafft werden.

Der Zaisenhausener Bürgerliste ist dies ein großes Anliegen. „Es darf nicht länger sein, dass der Kriegsverbrecher und Massenmörder Adolf Hitler der einzige Ehrenbürger unserer Gemeinde ist“, schreiben die sechs Fraktionsmitglieder in ihrer Antragsbegründung. Denn er sei der Hauptschuldige für die Errichtung einer Menschen verachtenden Diktatur im Deutschen Reich und die brutale Verfolgung und Ermordung von Andersdenkenden, Juden und anderen Minderheiten.

99 Kriegstote aus Zaisenhausen

Mit der Entfesselung des Zweiten Weltkriegs habe er unsägliches Leid über die Menschen in Europa und vielen anderen Ländern gebracht. „Er trägt auch die Verantwortung für die 99 Männer aus Zaisenhausen, die in diesem verbrecherischen Krieg ihr Leben lassen mussten, und ebenso für das Leid, das damit für deren Angehörige verbunden war“, heißt es weiter.

„Man muss Farbe bekennen und ein klares Bekenntnis zum grassierenden Rechtsextremismus ablegen“, begründet die Zaisenhausener Bürgermeisterin den nunmehr offenen Umgang mit der peinlichen Geschichte. Man dürfe das nicht totschweigen, die öffentliche Debatte sei der richtige Weg.