Janosh Zieger ist ehrenamtlich engagiert und trainiert zweimal in der Woche die C- und D-Jugend des TSV Kürnbach.
Janosh Zieger ist ehrenamtlich engagiert und trainiert zweimal in der Woche die C- und D-Jugend des TSV Kürnbach. | Foto: Rebel

Janosh Zieger

Kürnbacher ist einer von zehn Fußballhelden des badischen Verbands

Anzeige

Die schönsten Überraschungen sind bekanntlich die, die man überhaupt nicht erwartet. Deshalb war Janosh Zieger auch baff, als er Post vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) bekam. „Damit hatte ich nicht gerechnet, schließlich habe ich nicht einmal gewusst, dass ich für diese Auszeichnung vorgeschlagen war. Ich wusste wirklich von gar nichts“, sagt der Kicker des TSV Kürnbach, versichert aber auch: „Das ist ein schöner Preis und auf jeden Fall etwas ganz Besonderes. Natürlich macht mich das schon ein bisschen stolz.“

„Aktion junges Ehrenamt“ des bfv

Zieger ist nun einer von zehn Fußballhelden, die im Rahmen der „Aktion junges Ehrenamt“ vom Badischen Fußballverband (bfv) ausgezeichnet wurden. Zu verdanken hat der 26-Jährige diese Auszeichnung dem Vorsitzenden seines Heimatvereins, Marcel Genc. Der hatte Zieger, einer der Kapitäne der Kürnbacher Landesliga-Mannschaft, wegen dessen bemerkenswerten ehrenamtlichen Einsatzes für den TSV beim bfv vorgeschlagen – und damit genau den richtigen Riecher gehabt.

Zieger trainiert gemeinsam mit seinem Bruder Nicolas seit über acht Jahren an zwei Tagen in der Woche die C- und D-Junioren des TSV und nimmt dafür jede Menge Strapazen auf sich, vor allem in zeitlicher Hinsicht.

Auch interessant: Zabergäubahn bis Bretten: Renaissance für eine 100 Jahre alte Bahntrasse?

Unterstützung vom Bruder und den Teamkollegen

Man müsse schon ein bisschen fußball-verrückt sein, meint Zieger und muss schmunzeln, wenn er über sein Engagement berichtet. Der 26-Jährige lebt seit zwei Jahren in Stuttgart und absolviert in Ludwigsburg das Duale Studium „Public Management“.

Es passt eigentlich ganz gut, dass wir mit der Herrenmannschaft auch an diesen beiden Tagen trainieren.

Janosh Zieger, Fußballtrainer

Dienstags und donnerstags setzt sich Zieger nachmittags ins Auto, fährt nach Kürnbach und leitet dort das Jugendtraining – so oft das eben möglich ist. Danach stehen noch die Einheiten mit der von Daniel Kreuzer gecoachten Landesliga-Truppe des TSV auf dem Programm. „Es passt eigentlich ganz gut, dass wir mit der Herrenmannschaft auch an diesen beiden Tagen trainieren. Aber ohne meinen Bruder und auch ohne die Hilfe aus der Ersten Mannschaft hätte ich keine Chance, das alles zu schaffen“, sagt Zieger bescheiden.

Auch interessant: Richard Jacobs aus Bühl ist eine Institution im südbadischen Fußball

Verantwortung gegenüber den Kids und dem Verein

Wenn es der frisch gekürte bfv-Fußballheld nämlich ab und zu mal nicht zum Jugendtraining schafft, springt sein Bruder Nicolas ein, zudem helfen die Spieler aus der Herrenmannschaft ohne zu zögern aus. Dieser kollegiale Zusammenhalt und die tolle Kameradschaft, so Zieger, seien Merkmale und sicherlich auch das große Plus des TSV. „Wenn bei Festen oder sonst etwas zu tun ist, dann ist die Erste Mannschaft immer da, es hilft einfach jeder mit“, betont Zieger.

Genau diese Tugenden will er auch den Nachwuchskickern näherbringen. „Man sieht, dass die Jungs Spaß haben, deshalb macht die Arbeit mit den Kids auch mir sehr viel Spaß. Doch das geht über das normale Training und den Fußball hinaus – man hat für die Kids und auch dem Verein gegenüber eine Verantwortung“, versichert der 26-Jährige.

Auch interessant: Der Badische Fußballverband setzt mit einem Maßnahmenpaket auf fairen Umgang

Beste Rahmenbedingungen beim TSV Kürnbach

Diese Verantwortung bezieht sich natürlich auch auf den sportlichen Bereich. Aktuell haben die Kürnbacher keine A- und keine B-Jugend. Die von Zieger trainierten Jugendlichen sind demnach die Ältesten im Nachwuchsbereich und damit auf längere Sicht auch potenzielle Spieler für die Herrenmannschaft. „Es könnte schon passieren, dass ich in vier oder fünf Jahren vielleicht mit dem einen oder anderen, den ich jetzt trainiere, in der Ersten Mannschaft zusammenspiele“, meint Zieger: „Das wäre eine schöne Sache – und das wünschen wir uns als Verein natürlich auch.“

Obwohl es sportlich für die Kürnbacher derzeit alles andere als gut läuft und die Kreuzer-Truppe in der Landesliga Rhein-Neckar auf dem letzten Tabellenplatz steht, seien die Rahmenbedingungen beim TSV gerade für den Nachwuchs richtig klasse, versichert Zieger. Das sei vor allem dem großen Engagement von Jugendleiter Kai Mack zu verdanken.

Auch interessant: Vereine im Bezirk Baden-Baden haben wenig Interesse an Futsal

Vorbild für den Nachwuchs und den Verein

Durch seine Auszeichnung als Fußballheld ist Zieger nicht nur für die Kürnbacher Nachwuchskicker ein Vorbild, sondern auch für alle anderen in der TSV-Familie. Der 26-Jährige hofft, dass damit zumindest ein Stück weit Werbung für das Ehrenamt gemacht wird, auch wenn er weiß, dass damit nicht selten ein großer zeitlicher Aufwand und oft auch eine gehörige Portion Stress verbunden sind.

„Wenn man ein Ehrenamt hat, braucht man eine Partnerin oder einen Partner, der das mitmacht und auch mitzieht, sonst geht das nicht“, betont Zieger und fügt an: „Ich bin froh, dass das bei meiner Freundin der Fall ist.“

Auch interessant: Trainerbank oder Vorstand: Bei den Clubs in Karlsruhe, Pforzheim und Bruchsal sind Frauen in der Minderheit

DFB-Trainerlehrgang in Spanien

Ziegers Freundin muss auf ihren Fußballhelden im Mai übrigens eine ganze Woche verzichten. Dann geht es für den 26-Jährigen zusammen mit allen anderen vom DFB ausgezeichneten Ehrenämtlern in den Süden, nach Spanien, wo in der Nähe von Barcelona ein Trainerlehrgang stattfindet. „Das ist eine durchgeplante Woche mit verschiedenen Lerninhalten. Der Fußball steht im Mittelpunkt, das ist richtig harte Arbeit“, sagte Zieger schmunzelnd und betont: „Das ist wirklich ein toller Preis. Es ist klasse, dass der DFB so etwas macht. Das ist eine schöne Anerkennung.“