Die Ortsumgehung der B 293 führt an Jöhlingen (Bildmitte) vorbei. Die Straße wird etwa dort geführt, wo jetzt noch landwirtschaftliches Gelände liegt (im Vordergrund). Während es für Jöhlingen relativ zügig vorangehen kann, könnte es beim Berghausener Abschnitt eher etwas länger dauern.
Die Ortsumgehung der B 293 führt an Jöhlingen (Bildmitte) vorbei. Die Straße wird etwa dort geführt, wo jetzt noch landwirtschaftliches Gelände liegt (im Vordergrund). Während es für Jöhlingen relativ zügig vorangehen kann, könnte es beim Berghausener Abschnitt eher etwas länger dauern. | Foto: Müler

B-293-Umgehung

„Je mehr Einwände es gibt, desto länger dauert es“

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Zwei Kernaussagen lassen sich derzeit über den geplanten Bau der B-293-Ortsumgehungen von Berghausen und Jöhlingen treffen: Die Planung läuft. Je mehr Einwände es im Verlauf der Planverfahren geben wird, desto länger dauert das Verfahren, und desto später werden die Bagger anrollen. Zudem, und das dürfte vor allem die Befürworter der Ortsumgehungen freuen, bedarf es keiner Priorisierung mehr, um das Großprojekt im Raum zwischen Walzbachtal, Pfinztal und Bretten voranzutreiben. Die Planungen ließen sich im Grunde nicht mehr aufhalten, bemerkte dazu auf BNN-Nachfrage Axel Speer, Leiter des Referates Straßenplanung im Regierungspräsidium Karlsruhe. Eine Zusammenstellung von Fragen unseres Mitarbeiters Klaus Müller und Antworten des Experten im Regierungspräsidium Karlsruhe:

Was geschieht als Nächstes im Blick auf das Straßenbauprojekt?

Im Herbst – wohlgemerkt in diesem Jahr – soll die Vorentwurfsplanung zunächst in Stuttgart bei der Landesregierung eingereicht werden. Anschließend landen die Planpapiere zum Vorentwurf bei der zuständigen Bundesbehörde zur Genehmigung. Mit Problemen rechnet Speer dabei nicht. Etwa gut ein halbes Jahr dürfte das Genehmigungsprozedere nach seiner Einschätzung dauern.

Und was geschieht nach der Genehmigung des Vorentwurfs?

Dann kann das Planfeststellungsverfahren beginnen. Unter anderem müssen bisherige Verkehrs- und Lärmgutachten, besonders im Abschnitt von Berghausen, aktualisiert werden. Als „kritische Stellen“ mit entsprechenden Einwänden ist in den Gebieten Untere Au und Hummelberg (beides in Berghausen) zu rechnen. In Jöhlingen sollte nach Speers Einschätzung das Verfahren einen schnelleren Abschluss finden, da die Umgehung nur bedingt den Walzbachtaler Ortsteil tangiert. Insgesamt lässt sich sagen: Je mehr Einwände geführt werden, desto länger dauert alles.

Wie ist das Zeitfenster dafür einzuschätzen?

Wenigstens ein Jahr – optimistisch gerechnet, sagt der Fachmann im Gespräch mit den BNN.
Das Planfeststellungsverfahren mündet in einen Beschluss. Können dann die Bagger anrollen?
Nein, noch immer nicht. Danach folgt nämlich die detaillierte Ausführungsplanung, verbunden mit dem Erwerb von Grundstücken, die für das Projekt gebraucht werden. „Ein kompliziertes Verfahren“, sagt Speer. „Und das braucht Zeit.“ Das Zeitfenster für diese Notwendigkeiten? Vielleicht ein Jahr, vielleicht auch mehr.

Und wann kann nun tatsächlich mit dem Bau der Umgehungen begonnen werden? Wie lange dauert der Bau?

Das Regierungspräsidium scheut sich, eine konkrete Jahreszahl zu nennen. Klappt es damit nicht so wie vorgesehen und geplant – aus welchen Gründen auch immer – wird sofort Kritik laut. Eine Aussage freilich lässt sich durchaus treffen: Die Realisierung der B-293-Ortsumgehungen (Bauzeit etwa drei Jahre) sollte im Zeitrahmen des Bundesverkehrswegeplans umgesetzt werden. Der aktuelle Bundesverkehrswegeplan ist bis zum Jahr 2030 fortgeschrieben.

Was ist eigentlich mit dem Hopfenbergtunnel, der Umgehung der Bundesstraße 10 in Berghausen?

Der steht nach wie vor im Bundesverkehrswegeplan und zwar im vordringlichen Bedarf. Allerdings dürfte mit einem Tunnelbau – wenn überhaupt – in den „nächsten Jahrzehnten“ nicht zu rechnen sein. Im Herbst will die Landesregierung ihre Prioritätenliste über 67 Verkehrsbauvorhaben veröffentlichen. Der Pfinztaler Hopfenbergtunnel dürfte auf dieser Liste ganz unten auftauchen.

Termin: Am 23. Mai, einem Dienstag, dem üblichen Tag der Zusammenkünfte des Gemeinderats, kommen Vertreter des Regierungspräsidiums in die Sitzung des Pfinztaler Gremiums. Es geht dabei um die B-293-Ortsumgehung.

Licht im Tunnel?
Es gibt ja auch noch erfreuliche Nachrichten. Sogar solche, die das prognostizierte wechselhafte Wochenendwetter mildern können: Die Umgehungen von Jöhlingen und Berghausen stecken so weit in der Planung, dass sie wohl nicht mehr abgebrochen werden – heißt es aus dem Regierungspräsidium. Das sind zweifellos erfreuliche Aussichten, wenn man sich mal ausrechnet, dass – wenn alles glatt läuft und sich die Einsprüche gegen die beiden Projekte in Grenzen halten – vielleicht schon in fünf Jahren die Autos und Laster in Richtung Osten an Jöhlingen vorbei rollen können. Gemessen an der Wartezeit, bis sich etwas in dieser Frage bewegt hat, geht ein halbes Jahrzehnt – relativ – flott vorbei.
So einfach wird es bei der Berghausener Variante vermutlich nicht sein. Denn dort führt die Strecke relativ nahe an einem Wohngebiet (Untere Au) vorbei. Und da ist – wie bislang auch schon zu spüren war – Widerstand programmiert. Freilich, wenn man eine Verbesserung erreichen will, geht das nie ohne Kompromiss. Und es ist eben nicht immer, wahrscheinlich eher selten möglich, den einen etwas (Lästiges) zu nehmen, ohne den anderen etwas (vielleicht nicht ganz so Lästiges) zuzumuten. Es liegt ein gutes Stück weit an den Menschen in Berghausen selbst, wie schnell die doch offensichtlich mehrheitlich gewünschte Umfahrung umgesetzt wird.
Die zweite Umgehung – nicht Gegenstand der aktuellen Planung, denn sie betrifft die B 10 – ist unterdessen ein ganz anderes Kapitel. Denn der viel zitierte Hopfenbergtunnel ist erstens umstrittener als die B-293-Varianten und zweitens noch immer nicht in der Planung – wenn auch im vordringlichen Bedarf. Dort wird er noch eine ganze Weile bleiben, selbst wenn er doch noch irgendwann – manche rechnen mit Jahrzehnten – kommen sollte.
Licht im Tunnel gibt es bisher in der B-10-Frage nicht. Bei der B-293-Projekten schon deutlich – auch wenn dies nur symbolisch gemeint ist. Dort muss ja nix untertunnelt werden.
Andere Kommunen hatten mit ihren Umgehungen mehr Glück und schnellere Lösungen: Vor allem Stutensee profitierte von der DB-Schnellbahn auf der Rheinschiene und hat alle Landesstraße aus den Orten raus. Seit 20 Jahren schon, und dort denkt kein Mensch mehr daran, wie lange man darauf gewartet hat. Dietrich Hendel