FÜR DIE FOTOGRAFIN stellte er die Skulpturen auf den Besprechungstisch. Aus Sicht von Johannes Haupt stehen sie symbolisch für Wagemut, für das sich Anstrengen, für Ausdauer. Der 57-jährige leitet die Oberderdinger Blanc & Fischer-Familienholding. | Foto: Fabry

Blanc & Fischer Oberderdingen

Johannes Haupt – der Motor im Familien­konzern

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Kein Zweifel: Es gibt einige große Familienunternehmen in der Region. Aber meistens werden diese von einem der Gesellschafter geleitet oder die angestellten Manager ducken sich vor dem großen öffentlichen Rampenlicht weg. Johannes Haupt drängt es zwar nicht in die Zeitung, aber er weiß, dass es gerade den Mitarbeitern gut tut, wenn über ihren Arbeitgeber geschrieben wird.

Mit der Blanc & Fischer-Familienholding dirigiert der 57-Jährige von Oberderdingen aus einen Global Player. Die Teilkonzerne Blanco, Blanco Professional, E.G.O. Arpa und Defendi sind in 23 Ländern mit 52 Standorten zu Hause, beschäftigen 8 300 Mitarbeiter und erwirtschaften satte 1,3 Milliarden Euro Umsatz. Seit 2009, als er zunächst zur E.G.O. kam, schenken die über 60 Gesellschafter der Unternehmensgruppe Haupt ihr Vertrauen. Schon das dürfte beweisen, dass der Ettlinger etwas drauf hat.

Viele angestellte Top-Manager vergäßen, dass sie zwar Motor eines Familienunternehmens sind, es ihnen aber nicht gehört, sagt Haupt und lehnt sich in seinem Stuhl am Besprechungstisch zurück. „Man braucht eine gewisse Bescheidenheit.“ Dass er ein Interview für ein Portrait über sich in der Zeitung gibt, sei von daher eine Ausnahme für die BNN.

Haupt ist der klassische Managertyp

Haupt ist optisch der klassische Managertyp: einer, der entgegen dem Trend noch Krawatte zum dunklen Nadelstreifenanzug trägt – und das zierende Einstecktuch gleich dazu. Einer, der tough ist, aber weiß, dass ein Familienunternehmen nicht wie ein Dax-Konzern agieren sollte. Als Haupt nach Oberderdingen kam, tobte die Weltfinanzkrise. Man habe Werke schließen müssen, erinnert er. „Das Wichtigste in einer solchen Situation ist, dass man authentisch bleibt“, transparent sei.

Als es bei dem BNN-Besuch darum geht, den promovierten Volkswirt zu fotografieren, entdecken Redakteur und Fotografin eine Skulptur. Sie zeigt einen Athleten, der über eine tiefe Schlucht springt. Haupt ist erstaunt. „Das ist das Persönlichste, das ich hier im Büro drin habe.“ Er habe die Skulptur von einem Freund geschenkt bekommen, als es darum ging: springt man oder nicht. Haupt hat dann noch zwei artverwandte Kunstwerke gekauft: Ein Mann kämpft sich eine Treppe hoch. Ein weiterer läuft in einem Rad. Sich anstrengen, immer dran bleiben, etwas wagen – so ist auch Haupt. Er, der einst regelmäßig an Triathlonwettkämpfen teilnahm, der bei den deutschen Schwimmmeisterschaften mit von der Partie war. Ob er ehrgeizig sei, lautet daher die rhetorische Frage. „Ich fürchte, so bin ich geboren“, heißt Haupts lapidare Antwort.

Im Ettlinger „Erbprinz“ einst die Töpfe gewaschen

Aufgewachsen in Ettlingen mit drei Geschwistern, geht er dort zunächst aufs Albertus-Magnus-Gymnasium – und bleibt sitzen. Ein „grauenhafter Schüler“ sei er zunächst gewesen, habe andere Prioritäten gesetzt. Dann macht er auf dem Wirtschaftsgymnasium ein Einser-Abitur. Er ist sich nicht zu schade, in jungen Jahren zu jobben. „Mein erster Job war im Hotel Erbprinz. Ich habe die Töpfe gewaschen“, erinnert sich Haupt schmunzelnd. Bei der Bundeswehr ist er Fallschirmspringer. Dann folgt das Studium in Mannheim, das er auch mit der Arbeit als Lkw-Fahrer finanziert.

Er hätte Vorstandsassistent bei einem Dax-Konzern werden können, bekommt aber rechtzeitig einen Wink von einem Manager: „Du passt nicht in einen Konzern!“ Und so fängt Haupt bei Duscholux an, wird mit 30 Jahren Vertriebsvorstand beim Armaturenhersteller Hansa, später CEO vom Werkzeugproduzenten Metabo und kommt schließlich 2009 zur E.G.O. Er sei froh, dass die häufigen Ortswechsel vorbei sind, zumal er fünf Kinder im Alter von zwölf bis 24 Jahren hat. „Dieser Beruf ist für jede Familie sicher eine Herausforderung“, sinniert Haupt, fügt aber gleich hinzu, dass die Ortswechsel auch etwas Bereicherendes hätten.

Als langjähriger E.G.O.-Chef kennt er viele Metropolen dieser Welt. In Shanghai sei er vor 26 Jahren zum ersten Mal gewesen und fasziniert, wie sich die Stadt entwickelt hat. Ähnlich die großen Städte in den Vereinigten Arabischen Emiraten. „Alles Länder, die einen Masterplan haben“, erklärt Haupt und deutet mit dem Zeigefinger in die Ferne. „Spannende Metropolen“ seien das, „was nicht heißt, dass ich dort leben wollte.“

VON ENORMER BEDEUTUNG FÜR OBERDERDINGEN: Er wisse um die Verantwortung der Unternehmensgruppe für die Kraichgau-Kommune. Haupt: „Wenn wir niesen, bekommt der Ort einen Schnupfen.“ | Foto: Fabry

Stattdessen also Ettlingen und Oberderdingen. Er wisse um die Verantwortung der Unternehmensgruppe für die Kraichgau-Kommune. „Wenn wir niesen, bekommt der Ort einen Schnupfen.“ Also: gesund bleiben, gerade in diesen global herausfordernden Zeiten, mit Strafzöllen und Trump’schen Mauerplänen. Unwahrscheinlich viel Bewegung gebe es, „das verträgt sich nicht mit dem Bedarf an Stabilität“ für die Wirtschaft. Haupt ist ein politisch durchaus interessierter Mensch, wollte aber „niemals“ Politiker sein. „Ich würde da komplett eingehen.“ Diese endlose Kompromiss-Suche sei nichts für einen Ungeduldigen, wie er es sei. Seine ständige Optimierungsbereitschaft „kann Menschen überfordern“, räumt der Manager ein. Zugleich sei es aber auch eine Stärke.

Wenn er morgens mit dem Auto vom heimischen Ettlingen die 45 Minuten nach Oberderdingen fährt, bleibt das Radio aus. Haupt geht dann schon mal den Arbeitstag durch. „Ich bin insofern immer vorgeglüht, wenn ich hier ankomme.“ Abends auf der Heimfahrt ist die Musik an. Zeit zum Entschleunigen. Über etwas nachdenken oder alternativ komplett abschalten, das sei auch beim Laufsport möglich, den er mag. Auch, weil der spontan überall auf der Welt möglich ist, zur Not auf dem Laufband in einem Hotel. Immer am Laufen sein, wie das Männchen der Skulptur, immer Motor sein fürs große Familienunternehmen. Das ist Haupt. Nach gut zwei Stunden schaut er dezent auf seine Uhr – höchste Zeit für den nächsten Termin