Bleibt entspannt: Als Direktvermarkter hat Friedhelm Wenz keinen Zugang zu Clubsorten wie dem Pink Lady, der sogar einen Fanclub hat. Wenz’ Kundschaft bleibt ihm dennoch treu.
Bleibt entspannt: Als Direktvermarkter hat Friedhelm Wenz keinen Zugang zu Clubsorten wie dem Pink Lady. Wenz’ Kundschaft bleibt ihm dennoch treu. | Foto: Müller

Clubsorten erobern Apfelmarkt

Jonagold schlägt Pink Lady

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Sie gelten als das Lieblingsobst der Deutschen, jeder von uns isst durchschnittlich rund 20 Kilogramm im Jahr: Äpfel sind der heimliche Star in der Obstabteilung. Doch von knapp 2 000 Sorten, die es hierzulande gibt, schaffen es nur die wenigsten in die Supermarktregale. Neben Klassikern wie Gala oder Jonagold drängen sogenannte Clubsorten auf den Markt. Was hat es damit auf sich und was bedeutet das Marktverhalten für unsere Obstbauern?

Kein Zugang für Direktvermarkter

Für Friedhelm Wenz, dessen Obstbaubetrieb in Pfinztal-Söllingen beheimatet ist, sind Clubsorten kein Thema. „Ich als Direktvermarkter bekomme keine Anbauerlaubnis für Äpfel wie Pink Lady oder Kanzi“, sagt er. „Die Rechteinhaber der Markenäpfel verkaufen ihre Lizenzen vor allem an große Genossenschaften oder Bioverbände.“ Als Beispiele nennt Wenz die Obst- und Gemüse-Vertriebsgenossenschaft Nordbaden in Bruchsal oder die Vertriebsgesellschaft „Obst vom Bodensee“.

Rechteinhaber steuern Angebot und Nachfrage

Das Prinzip: Die Genossenschaften kaufen Tausende Bäume einer Clubsorte und geben sie an ihre Mitglieder weiter. Diese wiederum verpflichten sich, die geernteten Äpfel über die Genossenschaft zu vertreiben. Hermann Meschenmoser vom Landwirtschaftlichen Technologiezentrum Augustenberg (LTZ) in Karlsruhe-Grötzingen erklärt das Prinzip: „Dank einer begrenzten Anzahl an Produzenten kann der Rechteinhaber Angebot und Nachfrage steuern – und so den Preis nach oben treiben.“ Der Experte sieht das System kritisch: „Natürlich ist es positiv, wenn ein Obstbauer wieder mehr als nur 30 Cent pro Kilo für seine Äpfel bekommt.“ Gerade das erntereiche Jahr 2018 hatte die Preise in den Keller rutschen lassen. „Auf der anderen Seite macht sich der Erzeuger natürlich abhängig“, so Meschenmoser.

Hat sogar einen Fanclub: Die Clubsorte Pink Lady.

Kundschaft achtet auf Regionalität

Auch wenn die Kunden in seinem Hofladen ab und an nach Sorten wie Pink Lady oder Kanzi fragen – dass er die Clubsorten nicht anbauen darf, dass es für ihn kein Stück vom Kuchen gibt, sieht Friedhelm Wenz entspannt. „Es gibt genug Kundschaft, die auf regionale Herkunft und auch ein bisschen auf den Preis schaut“, sagt der Obstbauer, der bis zu 30 verschiedene Äpfel „von ganz süß bis ganz sauer“ anbaut.

Der Züchter leistet Vorarbeit

Darunter finden sich auch lizenzierte Sorten. Der Unterschied zur Clubsorte: Der Züchter eines solchen Apfels hat zwar Sortenschutz beantragt, sich aber keine Marke eintragen lassen. Der Sortenschutz besteht 25 Jahre lang, eine Marke ist dauerhaft geschützt. „Es geht absolut in Ordnung, eine Lizenz zu bezahlen. Schließlich hat der Züchter Vorarbeit geleistet“, gibt Wenz zu bedenken. „Dafür können auch wir einen etwas höheren Preis verlangen.“ Wichtig für ihn sei, dass der Apfel widerstandfähig ist, einen guten Geschmack und einen gewissen Bekanntheitsgrad hat, so der Landwirt.

2,99 Euro für das Kilo Pink Lady

Dass für einen Kanzi oder einen Pink Lady tatsächlich noch ein ganzes Stück tiefer in die Tasche gegriffen werden muss als für einen Boskoop oder Elstar, zeigt ein Blick in den Supermarkt. Edeka Kuhn in Leopoldshafen hat momentan 13 verschiedene Apfelsorten im Angebot, darunter zwei Clubsorten. Ein Braeburn oder Gala – seit Jahrzehnten bekannt – kosten bei Edeka Kuhn in Leopoldshafen 1,99 Euro pro Kilo. „Wir arbeiten mit einer Mischkalkulation. Für jeden Apfel einen anderen Preis zu verlangen wäre wenig kundenfreundlich“, sagt Marktinhaber Manuel Kuhn. Für das Kilo Pink Lady allerdings zahlt der Kunde 2,99 Euro – ein handelsüblicher Preis. 600 Gramm Kanzi liegen bei 1,79 Euro. Die Kunden kaufen. „Die Clubsorten laufen so mit, gehen nicht besser und nicht schlechter als die anderen Sorten“, berichtet Manuel Kuhn. Absoluter Bestseller ist und bleibe der Jonagold.

Beinahe makellos

Alle Äpfel in seiner Obstabteilung haben eins gemeinsam: Sie sind beinahe makellos. Ein bisschen grün, viel rot, kaum einen Macken in der Schale. Dafür sorgen schon die unzähligen EU-Verordnungen, an die sich die Erzeuger halten müssen. Aber wieso funktioniert der Trick mit der Marke, warum sind die Kunden bereit, für Kanzi und Co. ein paar Euro mehr locker zu machen? Kostspielige Werbekampagnen – auch die schlagen sich später im Preis nieder – machen den Apfel zum Star – besonderer Geschmack, perfekte Färbung, höchste Qualität.

Allergiker reagieren auf Neuzüchtungen

Kritiker bemängeln, der Einsatz jener moderner Marketingmethoden würde andere Apfelsorten zunehmend aus dem Einzelhandel verdängen. Das sei insofern problematisch, weil Studien darauf hinweisen, dass vor allem Allergiker weniger Probleme mit älteren Sorten haben. Obstbauer Wenz entgegnet, dass Sorten wie die Goldparmäne oder der Cox-Orange dafür wesentlich empfindlicher im Anbau und aufwendiger in der Pflege waren. Dass jeder Baum seine Stärken und Schwächen hat, bestätigt auch Hermann Meschenmoser vom LTZ. Für Allergiker hat Wenz einen Tipp: „Wir haben die Erfahrung gemacht, dass der Santana, der eigentlich als besonders schorfresistent gezüchtet wurde, Allergikern gut bekommt.“