Frauen kommen bei den Eintrittspreisen im Amateurfußball besser weg als Männer. | Foto: Kochanek

Nachgefragt in der Region

Frauen und Ermäßigte 3 Euro: Wie steht es um die Gleichberechtigung im Amateurfußball?

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Fast überall das gleiche Bild: Bei Spielen im Amateurfußball zahlen Frauen häufig weniger als männliche Besucher. Viele Vereine in der Region wollen an dieser Praxis festhalten. Anlässlich des Weltfrauentags also höchste Zeit, mal nachzufragen, ob das noch zeitgemäß ist.

Am Sonntag ist wieder Weltfrauentag. Viel wird dann über Gleichberechtigung geredet, nicht zuletzt auch über die gleiche Bezahlung von Fußballerinen und Fußballern, die bei der Frauen-WM im vergangenen Jahr verstärkt zum Thema wurde.

Doch nicht nur bei den Profis, auch im Amateurfußball brandet die Gleichberechtigungs-Diskussion hin und wieder auf, wobei es dabei vielmehr um die Zuschauer neben als die Spieler auf dem Platz geht.

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Wenn beispielsweise an diesem Sonntag der FC Heidelsheim den VfB Bretten in der Landesliga Mittelbaden empfängt, zahlen Männer vier Euro Eintritt, während es für Frauen nur zwei Euro sind. Ebenso viel zahlen weibliche Zuschauer in der Kreisliga Bruchsal und in den Kreisklassen – und damit einen Euro weniger als ihre männlichen Begleiter.

Auf der Preisliste sind Frauen gesondert aufgeführt, so wie hier beim 1. FC Bruchsal. | Foto: Kochanek

Und selbst mit diesem geringeren Eintrittspreis ist der Kreis Bruchsal bereits ein Vorreiter im badischen Fußballverband. In den Nachbarkreisen Pforzheim, Karlsruhe und Sinsheim dürfen Frauen ganz umsonst zu den unterklassigen Spielen.

Vereine zementieren die Ungleichheit

Selbst in der Verbandsliga, in der die Vereine freie Preisgestaltung haben, gibt es diesen Unterschied. An den Kassenhäuschen herrscht also eine Zweiklassengesellschaft, getrennt nach Geschlechtern. Doch ist das bei allen Debatten über Gleichberechtigung noch zeitgemäß?

Die Vereine sagen: ja. Zumindest in der überwiegenden Zahl. „Wir haben diese Diskussion immer wieder auf Staffeltagen“, sagt etwa der Vorsitzende des Karlsruher Fußballkreises, Thomas Rößler. Ergebnis sei immer dasselbe: Die Clubs wollen Frauen nicht abkassieren.

Der Kreis selbst hält sich aus der Diskussion raus: „Wir moderieren gerne, nehmen aber keinen Einfluss, schließlich geht es um das Geld der Vereine“, so der Vorsitzende. „Aber letztlich freuen wir uns alle, wenn die Frauen ihre Männer zu den Spielen begleiten und sie unterstützen“, sagt er.

Zuschauerinnen sind meist Angehörige der Spieler

So sieht es auch Felix Wiedemann von Badischen Fußballverband, der als Spielleiter die Eintrittspreise der Landesliga-Clubs bei den Staffeltagen abstimmt. „Klar gibt es hier unterschiedliche Meinungen, aber die Mehrheiten waren immer klar verteilt“, berichtet er.

Die allermeisten Clubs wollen das weibliche Geschlecht an den Kassen bessergestellt sehen. Auch hier das Argument: „Die Frauen sind in diesen Klassen ja meist Angehörige der Spieler“, so Wiedemann.

Im Kreis Sinsheim, so wie hier in Tiefenbach, zahlen Frauen überhaupt keinen Eintritt. | Foto: Kochanek

Kreis Bruchsal als Vorreiter

Den Vorstand im Fußballkreis Bruchsal überzeugte diese Argumentation irgendwann nicht mehr. Schon seit 2015 zahlen Frauen hier zwei Euro Eintritt. „Als wir es damals vorgeschlagen haben, wurden wir fast gesteinigt“, erinnert sich der bisherige Kreisvorsitzende Heinz Blattner.

Doch er und seine Kollegen aus dem Vorstand setzten sich mit Argumenten durch, heute sei das alles überhaupt kein Problem mehr und bringe den Vereinen zumindest ein paar Euro zusätzliche Einnahmen.

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„Ich stelle sogar fest, dass die Frauen das Geld gerne zahlen“, sagt Blattners Nachfolger Ralf Longerich, der vor dem Spielen oft am Kassenhäuschen die Zuschauer beobachtet. „Die Frauen holen ganz selbstverständlich ihren Geldbeutel raus und zahlen ihren Eintritt“, stellt er fest. Da gebe es keine Diskussionen.

Er wäre sogar dafür, den Preis um einen Euro anzuheben und damit dem für die Männer anzugleichen. „Unterschiedliche Eintrittspreise passen doch nicht mehr in die heutige Zeit“, findet Longerich: „Wenn Sie zum KSC oder nach Hoffenheim gehen, zahlt auch jeder dasselbe – und da beschwert sich auch keiner.“