am Telefon hält der Brettener Pfarrer Dietrich Becker-Hinrichs den Kontakt mit Mitarbeitern und Gemeindegliedern.
Am Telefon hält der Brettener Pfarrer Dietrich Becker-Hinrichs den Kontakt mit Mitarbeitern und Gemeindegliedern. | Foto: BNN

Online-Gottesdienst und Anrufe

Bretten feiert wegen Corona Ostern ganz anders: Kleines Abendmahl statt großer Auferstehungsfeier

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Ostern ohne Gottesdienst – wie fühlt sich das für einen altgedienten Gemeindepfarrer an? „Das fühlt sich ganz sonderbar an“, sagt der evangelische Pfarrer Dietrich Becker-Hinrichs in Bretten. „Da fehlt ganz viel im Rhythmus des Kirchenjahres“, sagt er.

Gerade die Osterzeit sei in der Kirchengemeinde Bretten mit ganz unterschiedlichen Gottesdiensten gefüllt: Mit dem Tischabendmahl am Gründonnerstag, dem großen Karfreitagsgottesdienst mit Abendmahl, der Osternacht, dem Ostergottesdienst, der Auferstehungsfeier auf dem Friedhof und dann auch mit dem Familiengottesdienst am Ostermontag.

„Das ist eine so große Vielfalt an Gottesdiensten, die mich selber immer ganz erfüllt“. Das alles fehle in diesem Jahr, fast alles fehle, sagt Becker Hinrichs. Seit 35 Jahren ist er Gemeindepfarrer, seit 15 Jahren in Bretten. Doch so ein Osterfest hat er noch nicht erlebt.

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Gemeinde feiert Ostern online mit

Gibt es einen Ausgleich, eine Alternative? „Wir gestalten schon einige Gottesdienste an Ostern für die Gemeinde, wir sind aktiv. Wir wollen für Karfreitag einen Gottesdienst aufnehmen und dann auf unsere Webseite stellen, sodass die Gemeinde an diesem Feiertag den Gottesdienst mitfeiern kann mit Liedern, Gebeten und einer Predigt. Und am Ostersonntag werde der zentrale landeskirchliche Gottesdienst aus Bretten übertragen, informiert der Gemeindepfarrer weiter.

Da wird die Stiftskirche zum Treffpunkt in Baden – zumindest virtuell. Die Predigt hält Prälat Traugott Schächtele, Dekanin Ulrike Trautz übernimmt die Liturgie. Vier bis fünf Personen werden den Gottesdienst für die gesamte Badische Landeskirche gestalten. Der kann dann per Livestream im ganzen Land mitgefeiert werden.

„Wir haben das an den vergangenen Sonntagen auch schon so gemacht“, berichtet Becker-Hinrichs weiter. Das sei eine sehr schöne Möglichkeit für die Gemeindemitglieder. Die säßen dann vor dem Bildschirm oder am Computer und können die Lieder mitsingen und die Gebete mitsprechen, die sie sich vorher ausgedruckt haben.

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Landeskirche verschickt Liturgie

Und wie geht der Gemeindehirte ganz persönlich in diese Karwoche? „Ich bin doch sehr geprägt von der Gemeindefrömmigkeit und werde jetzt vielleicht abends um 19.30 Uhr, wenn die Glocken läuten, für mich ein Gebet sprechen. Ich kann mir auch vorstellen, dass wir am Gründonnerstag in der Familie ganz im urchristlichen Sinn ein kleines Tischabendmahl feiern.“ Dazu gebe es eine Empfehlung der Landeskirche, die dazu auch eine Liturgie verschickt.

Kirchenmusik am Karfreitag

Am Karfreitag steht im Pfarrhaus Kirchenmusik auf dem Programm. Am Nachmittag will der Pfarrer mit seinem erwachsenen Sohn und der Schwiegertochter in spe, die noch vor den Ausgangs- und Reisebeschränkungen aus Berlin nach Bretten ins Homeoffice kamen, ein Konzert anhören. „Musik zur Sterbestunde Jesu“ erklingt ab 15 Uhr aus der Kreuzkirche. Johannes Link, Kantor für Popularmusik im Kirchenbezirk, wird ein jazziges Programm mit neuerer geistlicher Musik am E-Piano gestalten.

Am Ostersamstag fehlen mir besonders die Osternacht und das Osterfeuer.

Pfarrer Dietrich Becker-Hinrichs

 

„Am Ostersamstag fehlen mir besonders die Osternacht und das Osterfeuer“, gesteht Becker-Dietrichs. Und am Ostersonntag werde die Familie dann um 10.15 Uhr zuhause den zentralen Ostergottesdienst mitfeiern. Der live aus der Stiftskirche übertragen wird – vor leeren Bänken. Eine merkwürdige Erfahrung sei dies für alle Beteiligten: Die Liturgen und Prediger sprächen direkt in die Kamera und müssten sich die Gemeinde gleichsam vorstellen.

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Telefonieren statt Hausbesuche

Ansonsten sei in diesen Tagen der telefonische Kontakt ganz wichtig, denn Hausbesuche, etwa zu runden Geburtstag seien ja derzeit nicht möglich. Doch Becker-Hinrichs ruft die Leute an und spricht mitunter auch ziemlich lange mit ihnen. Jeder freut sich über einen Kontakt. Die Stiftskirche und die Kreuzkirche sind überdies geöffnet, wer möchte, kann dort für eine Weile die Stille suchen. In beiden Kirchen liegen Gebete aus sowie ein Buch in das man eintragen kann, was einen beschäftigt.

„Für mich hat Ostern auch ganz viel mit dem beginnenden Leben in der Natur zu tun, für mich ist Ostern ein Sieg des Lebens über den Tod“, antwortet der Pfarrer auf die Frage, was Ostern für ihn ganz persönlich bedeutet. „Ich genieße es sehr in der Osterzeit, hinauszugehen, den blühenden Kirschbaum in unserem Garten zu sehen und Wanderungen im Wald zu machen und das verbindet sich für mich mit dieser Hoffnung, dass am Ende das Leben siegt“.

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