Wenn der Hund mal muss, ist sein Besitzer dafür verantwortlich, dass auf dem Feld oder am Wegesrand nichts zurückbleibt. Die meisten Gassigeher benutzen dafür Hundekotbeutel.
Wenn der Hund mal muss, ist sein Besitzer dafür verantwortlich, dass auf dem Feld oder am Wegesrand nichts zurückbleibt. Die meisten Gassigeher benutzen dafür Hundekotbeutel. | Foto: Schmidt/dpa

Landwirte vs. Hundehalter

Kleinkrieg am Feldwegrand

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Wenn jetzt die Temperaturen steigen, sprießen nicht nur an Bäumen und Büschen zartgrüne Blättchen. Auch die Pflanzen auf den Feldern geraten in Bewegung – und für die Landwirte beginnt eine besonders arbeitsreiche Zeit. Das nimmt der Landesbauernverband in Baden-Württemberg zum Anlass, Spaziergänger, Freizeitsportler und insbesondere Hundehalter darauf aufmerksam zu machen, dass sie und ihre Vierbeiner landwirtschaftliche Flächen während der Wuchszeit von März bis Oktober nicht betreten dürfen und Müll oder Hundekot zu entfernen haben. Denn insbesondere mit den Hinterlassenschaften der Tiere scheinen die Bauern zu kämpfen.

Ich kämpfe fast jeden Tag mit den Besitzern

„Auf manchen meiner Felder ist das ein großes Problem“, klagt Friedrich Holstein, dessen landwirtschaftlicher Betrieb zwischen Bretten und dem Stadtteil Ruit liegt. Vor allem Hundehalter aus einem großen benachbarten Wohngebiet gingen mit ihren Hunden rund um und auf seinen Feldern spazieren. „Ich kämpfe fast jeden Tag mit den Besitzern. Manche sind einsichtig, andere nicht. Und man will sich ja auch nicht immer streiten“, sagt er. Vielen sei schlichtweg nicht bekannt, dass es ihnen laut Landesnaturschutzgesetz verboten ist, ihre Hunde auf die Felder zu lassen.

Gefahr für die Gesundheit

Das Problem mit dem Hundekot? Abgesehen davon, dass die Vorstellung wenig appetitlich ist, stellt verunreinigtes Erntegut vor allem eine Gefahr für die Gesundheit dar. Markus Leicht, der einen Erdbeer- und Spargelhof in Eggenstein betreibt, berichtet: „Wenn die Erdbeeren offensichtlich verschmutzt sind, dürfen wir sie nicht ernten.“ Ein weiteres Problem: Die Hundehalter lassen ihre Vierbeiner auch auf abgedeckten Kulturen frei laufen. „Das reißt mir kleine Löcher in die Abdeckvliese“, sagt Leicht.

Kühe erleiden Fehlgeburten

Gefahr besteht auch für Nutztiere: Friedrich Holstein hat bis zu 100 Kühe in seinem Stall stehen. Auf einem großen Teil seiner Felder wächst das Gras, das ihm später – in Form von Heu oder Silage – als Futter für seine Tiere dient. Im hohen Gras lässt sich der Hundekot aber nur schwer ausmachen, beim Abmähen wird er darin verteilt. Fressen trächtige Rinder dieses Futter, kann das zu Fehlgeburten führen. Holstein berichtet von einem Kollegen in Bauschlott , der den Verlust eines Kalbes darauf zurückführt. Die Tiere können sich Bandwürmer einfangen und bei Pferden kann es zu Koliken kommen.

Nach den Vorschriften des Landesnaturschutzgesetzes (LNatSchG) dürfen landwirtschaftlich genutzte Flächen während der Nutzzeit nicht betreten werden. Nutzzeit ist der Zeitraum zwischen Saat und Ernte, bei Grünland die Zeit des Aufwuchses und der Beweidung, also der Zeitraum zwischen Anfang März und Ende Oktober.
Dieses Betretungsverbot gilt auch für Hunde. Wer die freie Landschaft betritt, ist verpflichtet, von ihm abgelegte Abfälle oder die Hinterlassenschaften seines Hundes wieder aufzunehmen und zu entfernen. Die Behörden können bei Zuwiderhandlung eine Geldbuße von bis zu 15 000 Euro aussprechen.
Im Landwirtschafts- und Landeskulturgesetz (LLG) ist für Hundehalter folgendes geregelt: Ordnungswidrig handelt, wer Tiere, für die er verantwortlich ist, außerhalb eingezäunter Grundstücke ohne genügend Aufsicht oder Sicherung lässt, wenn dadurch die Nutzung eines fremden landwirtschaftlichen Grundstücks gefährdet wird.
Diese Ordnungswidrigkeit kann mit einer Geldbuße von bis zu 5 000 Euro geahndet werden.

Hunde mit dem Fahrrad auslasten

„Besonders unverständlich finde ich es, wenn Hundebesitzer ihre Tiere auf das abgemähte Heu machen lassen“, sagt Hundecoach Katrin Bechtel, die mit ihren Kunden auf dem Gelände des Schäferhundevereins in Kronau trainiert. „Zu einem großen Teil haben die Landwirte Recht. Außerhalb geschlossener Ortschaften gibt es bei uns keine Leinenpflicht, aber es gibt keinen Grund, einen Hund über ein landwirtschaftliches Feld laufen zu lassen. Es gibt überall Stellen, wo sich die Tiere frei bewegen können. Sie können auf den Wegen hin- und herlaufen oder man lastet sie mit dem Fahrrad aus“, sagt die Expertin, die für gegenseitigen Respekt unter Landwirten und Hundehaltern plädiert.

Es gibt eben schwarze Schafe

Dazu gehöre vor allem auch, dass die Besitzer die Hinterlassenschaften ihrer Vierbeiner zuverlässig entfernen. Doch sowohl sie selbst als auch die Landwirte beobachten, dass das nicht immer gegeben ist. „Der Großteil der Hundebesitzer hat Hundekotbeutel dabei und benutzt die auch“, so Bechtel. „Aber es gibt eben auch schwarze Schafe.“ „Mir fällt auf, dass viele die Beutel zwar benutzen, sie dann aber in der Landschaft liegenlassen. Das ist nicht Sinn und Zweck“, meint Martin Leicht. Dass diese Minderheit auch gewissenhafte Hundebesitzer in Misskredit bringt, ärgert Hundetrainerin Katrin Bechtel: „Ihretwegen gibt es Hundehasser.“

Hinweisschilder werden zerstört

Die Gassigeher mit Hinweisschildern auf ihr Dilemma aufmerksam zu machen, haben die Landwirte mehrheitlich aufgegeben: „Wir haben es mit Schildern probiert. Meistens sind die aber schon nach ein paar Tagen kaputt oder herausgerissen“, berichtet Friedrich Holstein.