Die Folgen der Trockenheit in diesem Frühjahr sind tiefe Risse in den Äckern und Feldern.
Die Folgen der Trockenheit in diesem Frühjahr sind tiefe Risse in den Äckern und Feldern. | Foto: Rebel

Trockenheit ist Problem

Landwirte im Kraichgau fürchten um ihre Ernte und Erträge

Anzeige

Gebe es in den nächsten zehn Tagen keinen Regen, stehen seine Ackerkulturen auf der Kippe, sagt Alexander Kern. Die Trockenheit in diesem Frühjahr ist auch im Kraichgau ein echtes Problem. Und das im dritten Jahr in Folge. Die Furcht des Diedelsheimer Landwirts um Getreide, Rüben oder Mais teilt Bio-Bauer Heiko Leis aus Flehingen.

Leis hat am Freitag Sojabohnen ausgesät. „Wenn es nicht bald mindestens zehn Liter regnet, könnte das ein Totalausfall werden, da die Bohnen dann nicht keimen“, fürchtet Leis. Auch bei Weizen, Roggen, Hafer und Gerste werde es „ziemlich sicher deutlich niedrigere Erträge“ geben, so Leis. In welchen Größenordnungen, hänge von den Regenmengen ab. Bisher schon hält er Ertragsausfälle von „zwischen zehn und 50 Prozent zum mehrjährigen Durchschnitt für möglich“.

Tiefe Risse im Boden

Kern will „noch nichts dramatisieren“, wie er sagt. Doch auch er findet gut 20 Zentimeter tiefe Risse in seinen Böden. „Da kann man eine Hand ganz reinstecken“, sagt Kern. Der Bezirksobmann des Bauernverbands im Landkreis Karlsruhe bewirtschaftet 150 Hektar. Er unterscheidet zwischen Herbst- und Frühjahrskulturen.

Der Boden ist leer. Da ist nichts mehr da

Alexander Kern, Landwirt aus Bretten-Diedelsheim

 

Während die Winterfeuchte für die im Oktober ausgebrachten Pflanzen noch reichte, um aufzugehen, da kleine Pflänzchen geringen Wasserbedarf haben, sieht es mau aus für Roggen, Wintergerste oder Weizen, wenn der Regen ausbleibt. „Die Böden sind leer. Es ist nichts mehr da“, so Kern. Zu bewässern gestalte sich aber schwierig.

Bewässern gestaltet sich schwierig

Während Landwirt Kern dem Aufwand die geringe Spanne in seiner Branche gegenüberstellt, behelfen sich die Winzer Benjamin Zerrer vom Weingut Vincon aus Großvillars und Nico Brüssel vom gleichnamigen Weingut aus Sulzfeld selbst. Im Kraichgaugelände sind Schlepper- und Fahrstunden teuer. Niederschlag ist aber für die Winzer noch nicht so dringend, wie für Landwirte.

Alte Rebstöcke wurzeln tief genug

„Die alten Stöcke holen sich Wasser tief aus der Erde.“ Sie wurzelten oft zehn bis zwölf Meter tief. „Sie sind robust. Die jungen müssen wir im Auge behalten“, so Benjamin Zerrer. Laut Nico Brüssel waren die von ihm gemessenen 13 bis 14 Liter im ganzen April zwar wenig. Doch die Ertragslage in den älteren Anlagen sei noch kein Problem. Anders die Zweijährigen.

Alexander Kern, Landwirt aus Diedelsheim und Bezirksobmann im Bauernverband des Kreises, blickt mit Sorge in die Zukunft.
Alexander Kern, Landwirt aus Diedelsheim und Bezirksobmann im Bauernverband des Kreises, blickt mit Sorge in die Zukunft. | Foto: Rebel

Beide Winzer haben darum Tropfschläuche zu den jungen Stöcken verlegt. Brüssel habe das aus dem heißen Jahr 2018 mitgenommen. Auch setzt er auf widerstandsfähige Sorten, wie Muskaris. Solche ersparten auch Pflanzenschutzmittel. Allerdings machen bei beiden Winzern die jungen Anlagen nur etwa ein Fünftel der Gesamtflächen aus. Bei der Preiskalkulation spiele das darum keine Rolle, so Brüssel.

Der Knackpunkt ist, das Wasser in den Berg zu kriegen.

Nico Brüssel, Winzer aus Sulzfeld

„Der Knackpunkt ist, das Wasser in den Berg zu kriegen.“ Das sei ein großer Aufwand. Benjamin Zerrer setzt hierfür abends seine ein- und zweijährigen Kinder auf den eigenen Schlepper. „So wird es zur Familientour, wenn wir ein Wasserfass in den Berg fahren, um es jede Nacht aufs neue auströpfeln zu lassen.“

Trockenheit erzwingt auch Verzicht

Zerrer ändert zudem die Begrünung zwischen den Rebstöcken. Als Inhaber eines Biobetriebs setzt er dort mit Klee und Blumen auf Artenvielfalt. „Aber sie nehmen den Stöcken in trockenen Zeiten eben auch Wasser“, sagt Zerrer. Nun verzichte er im Sommer in jeder zweiten Reihe auf das Zwischengrün und setze auf Herbst und Winterbepflanzung.

Auch interessant: Trockenheit bereitet in Baden-Baden Sorgen

In der warmen Periode mulcht er, um die Feuchte in der Erde zu halten. „Man muss aber auch sagen, dass wir Winzer insgesamt noch vom wärmeren Klima profitieren. Wir jammern also auf hohem Niveau“, so Zerrer. Bauern treffe es viel härter.

Man kann den Boden wasserschonend bearbeiten

Wasserschonende Bodenbearbeitung sei darum wichtig. „Schon seit etwa 15 Jahren beschäftige ich mich mit boden- und wasserschonenden Bewirtschaftungsformen“, sagt Biobauer Leis. Alexander Kern erläutert, wenn der Boden weniger stark bearbeitet werde, bringe man weniger Sauerstoff ein, schaffe weniger Oberfläche. „Was gut für die Erde wäre, holt eben leider Feuchte heraus.“

Schlecht ist das Ausbleiben des Regens auch für seine Wiesen. Denn der erste Schnitt sei der beste als Futter seiner 50 Mutterkühe, so Kern. Noch sei das Jahr ja lang, sagt er, Futternot drohe nicht. Aber er werde erstmals keine Heuballen an Pferdehöfe oder andere Abnehmer verkaufen. Sonst müsse er Futter zukaufen. Nun müssen das die anderen.

Vor Futternot wird das Getreidefeld zur Wiese

Auch macht Kern aus Getreidefeldern nach der Ernte Wiesen. Milchbetriebe selierten Mais fürs Kraftfutter ihrer Tiere. So sorgten sie vor. „Wichtig wäre, dass die Menschen jetzt, in der Krise, merken, dass sie abhängig von dem sind, was bei uns wächst“, so Kern.

„Sollten irgendwann wegen Grenzschließungen Warenströme abgeschnitten werden, muss man auch mal Dünger oder Pflanzenschutzmittel akzeptieren, um die Ernte zu sichern“, ist Kerns Position.