Da strahlen die Kinder: Bei der Lichtmessfeier in Oberderdingen tanzen sie mit bunten Weidenpferdchen auf dem Lindenplatz.
Da strahlen die Kinder: Bei der Lichtmessfeier in Oberderdingen tanzen sie mit bunten Weidenpferdchen auf dem Lindenplatz. | Foto: Rebel

Tanz, Markt und mehr

Lichtmess in Oberderdingen: Ein Städtchen und sein Nationalfeiertag

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Es ist ihr großer Tag. Die Oberderdinger nennen ihn ihren Nationalfeiertag: An Lichtmess ist die ganze Stadt auf den Beinen. Vereine, Firmen und Organisationen gestalten ihn mit mit Tanz, Markt und mehr.  Und für die Oberderdinger Schulkinder hat der Tag noch einen Vorteil.

Das Klappern der Hufe geht im Lachen der Kinder unter, als der bunte Zug auf dem Lindenplatz in Oberderdingen ankommt. Über 250 Mädchen und Jungen schwenken bei der Lichtmessfeier des Städtchens voller Freude ihre selbst gebastelten Weidenpferdchen. Daran hüpfen raschelnd die farbenfrohen Bänder mit den Kindern auf und ab. Die Tradition gibt es für den Lichtmesstanz so vor am sogenannten Oberderdinger Nationalfeiertag, sagt Bürgermeister Thomas Nowitzki.

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Schon bei seiner Begrüßung an der Oberen Mühle, bevor sich die Reiter in der Frühe in Bewegung setzen und der Wind die Klänge des Musikvereins verweht, erfährt das Publikum mehr über den geschichtsträchtigen Brauch und auch, dass erstmals statt junger Männern junge Frauen hoch zu Ross teilnehmen dürfen.

Der Musikverein eröffnet die Feier noch vor dem Lichtmessritt. Die Musiker begleiten den Zug dann durch ganz Oberderdingen. Foto: Thienes
Der Musikverein eröffnet die Feier noch vor dem Lichtmessritt. Die Musiker begleiten den Zug dann durch ganz Oberderdingen. Foto: Thienes

Noch ein erstes Mal bietet der Tag, als sich die Gäste zum zünftigen Mittagessen im beheizten Zelt auf dem Marktplatz setzen. Dorthin zieht es nach dem Ritt durchs Dorf alle auch deshalb, weil rund 50 Stände zum Lichtmessmarkt locken. Und am Abend verheißt das Programm noch Tanz im Weingut Kern. Wo der Frühling naht, wie Nowitzki angesichts einer Bauernregel verkündet, ist der Tanz nicht weit.

Brotlaibe entlohnen für die Wache

Doch zuvor nimmt die Jugend hoch zu Ross die Brotlaibe vom Müller in Empfang als Dank, dass sie ihn vor Raubes- und anderem Gesindel bewahren – so der Brauch. Er wurde 1947 genau so wieder aufgenommen, wie er seit 1722 im Ortslagerbuch beschrieben wird. Zwar gibt es keinen Müller derzeit, doch – so der Bürgermeister – es tue sich was: Sibylle und Steffen Wendel mit familiären Verbindungen vor Ort, haben vor einem runden Monat die Obere Mühle gekauft.

 

Sie planen, hier ein Mühlenkaffee zu verpachten. Sie denken an einen Hofladen mit regionalen Produkten und, laufe es nach Plan, sagen sie, sollen Künstler in einem Neubau eine Wirkungsstätte finden. Heute aber kredenzt das Paar feine Tropfen und schaut den Pferden nach.

Hoch aus den Sätteln überblicken sie das Geschehen

Aus den Sätteln blicken neben dem einzigen jungen Mann, Nicolai Merdian, nun Nina Kölle, Isabel Speck, Vivian Vincon, Luise Merkle und Natalie Dietz in die Menge. Mit ihnen ziehen die Musiker nebst Kindern und Publikum zum Lindenplatz und weiter zum neuen Verwaltungsgebäude der Blanc & Fischer Familienholding sowie dann – andersherum als bisher – zu Blanco.

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Großeltern und Eltern, mancher wird sein Brot hier verdienen, tragen ihr Festtagslächeln. Noch auf dem Lindenplatz hören das Lehrerkollegium der vier ersten Klassen der Strombergschule und die Erzieherinnen des Kindergartens Lindenplatz das Lob des Schultes für ihre tolle Vorbereitung. Die Schulkinder haben für den Tag frei.

Am großen Tag in Oberderdingen sind alle dabei. Neben Reiter-, Musik- oder Heimatverein viele von Firmen und Organisationen, und als die Sonne ins silbrige Grau blitzt, ist tatsächlich ein Hauch von Frühling in der Luft.

„Lichtmess  – bei Tag zur Nacht ess“ – so lautet ein altes Sprichwort zu dem Datum, ab welchem Anfang Februar die Tage schon wieder spürbar länger werden.